Die USA versuchen – wie es scheint nicht ohne Erfolg – in den arabischen Regimen die Diktatoren auszutauschen. Dabei sollen praktischerweise die Strukturen der Staatsapparate, also Polizei, Militär und Geheimdienste nicht angetastet werden.
So sind aus den USA, Europa oder Israel offensichtlich keine Einwände dagegen zu hören, dass z.B. in Ägypten, ein Mubarak jahrzehnte lang treu ergebener Geheimdienstchef mit besten Kontakten zum Westen und Israel zum Vizepräsidenten und damit potentiellen Nachfolger ernannt wird. Da werden ganz offenkundig nützliche Lakaien ausgetauscht wenn sie verbraucht sind.
Die Europäer schauen mehr oder weniger fassungslos zu. Ihre Meinung ist nicht so sehr gefragt, ihr Einfluss wird, wie im Falle von Frankreich in Tunesien von den USA sogar aktiv bekämpft, zurückgedrängt!
Frau Merkel ist wie immer bemüht, ihren ungebetenen Rat in die Medien zu bringen. Vor ein paar Monaten sass Mubarak noch bei ihr in Berlin auf dem Sofa und man verstand sich ganz “supi”! Vergessen, heute hebt hebt die Tante Merkel tadelnd den Zeigefinger: “Hosni, Du, Du, Du! Das seh’ ich aber gar nicht gern!”
Sepp Aigner verlinkte seinen sehr informativen Blog kritische massen auf den folgenden, lesenswerten Text:
Michel Chossudovsky hat in einem ausgezeichneten Artikel in tlaxcala auf diese langjährige Wühlarbeit der USA hingewiesen. Das Letzte was wir hier in diesem Zusammenhang erleben werden dürfte wohl Spontanität sein.
Selbst die Bilder des Artikels scheinen witzigerweise eine eindeutige Sprache zu sprechen: Mubarak handelt mit Obama den Preis für seinen Rücktritt aus scheint eines davon auszusagen;-))

Bedeutend weniger lustig ist der Umstand, dass die Unruhen in dem Riesenland angeblich schon dreihundert Tote gefordert haben sollen. Das geht leicht unter in der Berichterstattung. Und solange das Volk nicht von der Straße verschwindet, besteht das Risiko einer Niederschlagung durch bewaffnete Kräfte, denn die Armee hat lediglich zugesagt nicht auf friedliche Demonstranten zu schiessen!
NACHTRAG 02.02.2011, 14:00 Uhr:
Provokateure haben es faktisch in der Hand, der Armee einen Vorwand, einen Anlass zu geben, die Unruhen und Demonstrationen gewaltsam zu beenden. Mubarak Anhänger scheinen gerade unterwegs zu sein, diesen Anlass zu provozieren. Denn neben der Veränderungskraft der Idee der Demokratie muss dem Volk beizeiten gezeigt werden, dass es nicht allzu übermütig werden darf mit seinen Veränderungswünschen. Eine neue Regierung? Aber gerne, solange sie den USA gefällt! Halt, ganz so einfach ist das dann doch nicht! Denn eine neue ägyptische Regierung muss sich ihre Legitimation zuerst einmal bei Herrn Netanyahu in Israel bescheinigen lassen. Das hat er laut HAARETZ in den letzten Tagen jedem erzählt, der im Westen Rang und Namen hat. Mal sehen, wann wir das dann von Frau Merkel hören werden?
NACHTRAG 02.02.2011, 18:00 Uhr:
Die jetzt stattfindenden Gewalttaten von (hauptsächlich?) Mubarak-Anhängern können wohl nicht dazu gedacht sein, dessen Rücktritt zu verhindern oder das Überleben seines Regimes zu sichern. Dazu sind sie bei allen bereits entstandenen materiellen und personellen Schäden zu gering. Aber sie können der Armee ein Alibi zum Eingreifen und Wiederherstellen der Ruhe und öffentlichen Sicherheit bieten. Sie können vor allem anderen aber uns, dem Westen Gelegenheit zur Entrüstung und gesichtswahrenden Distanzierung von Mubarak geben (“Ja, wer hätte das gedacht? Das hätten wir ihm niemals zugetraut!”). Westerwelle hat schon damit angefangen sich mit markigen Worten zu distanzieren…
Die Schlägerbanden sind also gewissermassen auch für uns unterwegs…

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