Merkozy finden, es sei an der Zeit für ein Vichy 2.0!

Heute Abend wird erstmals ein gemeinsames TV-Interview von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy zeitgleich in France 2 und im ZDF ausgestrahlt.

Diese nie dagewesene Einmischung in die inneren Angelegenheiten Frankreichs, nämlich in den Präsidentschaftswahlkampf unserer Nachbarn im Westen,  verbunden mit der Blockierung eines Besuchs von Sarkozys Hauptgegner Francois Hollande durch Merkel in Berlin, stellt zwar eine neue Qualitätsabsenkung der demokratischen Sitten in Europa dar, scheint aber für Merkozy kalkulierbar und vertretbar zu sein! Hoffen wir, dass sie sich irren! Es wäre das Ende von freien Wahlen, wie wir sie bisher kannten, auf nationaler Ebene. Die jeweiligen Apparate würden gegenüber den eigenen Bürgern die Abschottung versuchen und den Gegenkandidaten Unerfahrenheit und Unfähigkeit bescheinigen. Eine geradezu groteske Situation, die nichts mehr mit freien, demokratischen Wahlen zu tun hätte!

Die deutsche Botschaft in Paris hat im Vorfeld eine Meinungsumfrage in Frankreich
in Auftrag gegeben und deren Ergebnisse heute, im Vorfeld des Merkozy-Interviews veröffentlicht. Demnach haben die befragten Franzosen folgendes Bild von den Deutschen:

82% haben ein positives Bild von Deutschland, besonders wegen seiner Rolle in der Wirtschaftskrise und der Euro-Rettung.

87% befürworten die starken Bindungen beider Länder bei allen Gegensätzen.

43% glauben, dass man diese Zusammenarbeit noch verstärken müsse! (57% tun dies offensichtlich nicht!)

43% glauben, dass Deutschland ein privilegiertes Partner Frankreichs in der EU sein solle. (57% tun dies offensichtlich nicht!)

Aber genausoviele glauben, dass man alle Partner in der EU gleich behandeln müsse!

Als Deutschlands Stärken sehen die Franzosen zu 82% die Agenda 2010 und Hartz IV (sie nennen es natürlich die Reformen des Arbeitsmarktes).

60% sorgen sich gleichzeitig um wachsende Armut und Ungerechtigkeit.

(Diese Umfrage des IFOP-Institutes wurde vom 4.-6. Januar 2012 erstellt.)

Diese Umfrageergebnisse lassen Merkozy glauben, dass sie den gemeinsamen Auftritt nicht nur riskieren können, sondern auch beide davon profitieren könnten!

Ich denke das nicht, nebenbei gesagt, denn 43% sind keine Mehrheit, hingegen 57% die anderer Meinung sind, aber schon!

Sollten Merkozy sich auf diese Weise tatsächlich einen Vorsprung verschaffen können, wäre dies zum Schaden der Demokratie in beiden Ländern. Die Konservativen beherrschen Europa momentan beinahe flächendeckend und das soll ihrer Meinung nach auch unbedingt so bleiben. Da lässt man dann halt das demokratische Mäntelchen schon mal im rauhen Wind des Neoliberalismus flattern…

Die Franzosen wollen keinen Sozialabbau. Die bittere Medizin des Duos Schröder und Steinmeier, verabreicht von Frau Doktor Merkel, die schmeckt ihnen nicht!

Francois Hollande hat noch immer ALLE Chancen zu gewinnen, obwohl er anscheinend „zum Jagen getragen“ werden muss? Sarkozys Schicksal wird wohl durch die Nicht- / Zulassung der Nationalen Front der Marine Le Pen mehr entschieden als durch Madame Merkel!

Sollte aber der „Sozialist“ Hollande die Präsidentenwahl 2012 gewinnen, dann hätte Merkel den deutsch-französischen Beziehungen schwer geschadet. Wenn sie sich dann 2013 selbst wieder zur Wahl stellen muss, dann könnte Nicolas Sarkozy höchstens als Komiker, als Louis-de-Funés-Kopie, im Wahlkampf mit ihr auftreten.

3 Antworten zu Merkozy finden, es sei an der Zeit für ein Vichy 2.0!

  1. “Vichy 2.0″ – ein böse in den Unterleib treffender Pfeil. Den Ausdruck werde ich weiter verbreiten!

    Es wird nun wirklich spannend. Auf der Sicherheitskonferenz und mittels einiger (käuflicher) Schreiberlinge tut man deutscherseits so, als sei Europa bereits gerettet, und zwar durch Merkel und die starke deutsche Ökonomie.

    Jeder, der seine fünf Sinne beisammen hat, und egal, ob er links, in der Mitte oder rechts steht, weiß: Die Sache ist noch lange nicht gegessen. Wir sind mitten drin in der Krise, und der Ausgang ist offen, und man wird eher mit einem bösen Ende rechnen müssen.

    Euroland und EU sind vielleicht tödlich getroffen. Vielleicht, ich weiß es auch nicht, aber es ist eine recht naheliegende Befürchtung.

    Und Deutschland sägt an dem Exportast, auf dem es sitzt. Sparen alle rabiat, wie Deutschland das fordert, sinken alle in die Rezession, vielleicht sogar in die Depression – und dann ade, deutscher Export! Dann kommt die Krise zu uns, und die Ratingfirmen knappsen Deutschland die As weg, und die Arbeitslosigkeit verdoppelt und verdreifacht sich.

    Lesen die Lobhudler Merkels denn nicht die zweifelnden Artikel derer, die über die Griechenland-Pleite und die möglichen Folgen schreiben? Portugal-Pleite, Italien-Pleite? Volksaufstand? Noch tiefere Zweifel an der EU? Sollte man nicht damit rechnen?

    Aber die Lobhudler machen es wir GWBush: “Mission Accomplished!” zu jubeln zu einem Zeitpunkt, an dem der Krieg eigentlich erst richtig angefangen hat.

    Die Sache kann für Merkozy böse, sehr böse ausgehen. Und das möglicherweise schon ziemlich schnell, schon in diesem Jahr. (Ja, sicher, es kann auch länger dauern.)

    Ich fürchte, Merkel wird in die Geschichtsbücher eingehen als die Totengräberin Europas. Und Sarkozy als ihr Pudel. SO hat er sich seine Präsidentschaft gewiss nicht vorgestellt. Vichy 2.0 …

    Gibt es eigentlich eine ernsthafte, volkswirtschaftlich seriös argumentierende Verteidigung FÜR eine extreme Sparpolitik zu einem Zeitpunkt, an dem sie die Rezession herbeiführt oder vertieft, eventuell sogar die Depression?

    Sagen die Herren und Damen Fachleute, die für diese rabiate Merkelsche Sparpolitik hier und jetzt eintreten, warum sie nicht zu einer Schrumpfung der Volkswirtschaft, nicht zu einer Rezession, nicht zu einem Sinken der Steuereinnahmen und damit eher zu einem Steigen der Staatsschulden führen wird?

  2. Presto sagt:

    Die größte Frechheit dieser Pfarrerstochter war, die Souveränität Griechenlands abzuerkennen und die Forderung nach Offenlegung der Bücher zu fordern. So, als hätten die Griechen keine Rechte mehr.

    Es müßte doch langsam jedem Bürger der EU an den Hals gehen, auf was für eine Zukunft wir alle hinsteuern.

    Ewig neue Gesetze, Bestimmungen, Verordnungen, blabla…Lasten werden von oben nach unten verteilt und die Gewinne den Verursachern zugesprochen. Da packt einen die blanke Wut.

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