Herbst 2012: Stimmung in der EU kippt, genug gespart, es reicht!

In Portugal, Griechenland, Spanien, Italien, Frankreich und sogar in Deutschland wird gegen die Sparexzesse der Bankenrettungsgeilen nationalen und EU-Politiker gestreikt.

Zwar wird in den Medien durchaus darüber berichtet, aber in einer minimalen Art und Weise, die den Protest tendenziell herunterspielt als eher vereinzelte, exotische Aktionen von faulen Südeuropäern und unbelehrbaren Linken.

Solidarität der europäischen Völker darf weder gezeigt noch thematisiert werden, statt dessen wird lang und breit über das uns angeblich Trennende doziert und berichtet.

Die unweigerliche Folge dieser verlogenen Haltung: Die EU hat inzwischen in weiten Teilen der Bevölkerung , besonders bei der Arbeits- und perspektivlosen Jugend, jeden Kredit verspielt.

Man kann aus sturer Dummheit á la Merkel-Deutschland, aus einer ursprünglich gut gemeinten Sache wie der – allerdings schon verkorkst gestarteten – Währungsunion, durch Inflexibilität und völligem Mangel an Empathie, eine bürgerkriegsähnliche Stimmung erzeugen. Merkel ist gerade dabei, diesen Beweis zu erbringen!

Es gibt absolut keinen Grund für ganze Völker sich wegen der geistigen Beschränktheit einzelner Politiker als Sklaven vor den Karren des Bankenunwesens spannen zu lassen um diesen aus dem Dreck zu ziehen!

Niemand hat das Recht Generationen und Völkern eine menschenwürdige Gegenwart und lebenswerte Zukunftsperspektive zu verwehren nur um einer handvoll Gierlappen ihr Zocker-Spielgeld risikolos und hochverzinst zu garantieren.

Risikozinsen gibt es für Risiko! Manchmal, noch viel zu selten, tritt der Fall ein, dass eine Investition verloren geht. Es wäre noch nicht einmal aus der Sicht dieses perversen Systems richtig, hier in die „ach-so-hoch-gelobten-freien-Kräfte-des-Marktes“ einzugreifen. Dadurch vergrößert sich die um den Globus schwappende Geldblase noch und richtet noch höheren Schaden an, denn Morgen will sie wieder irgendwo Zinsen abgreifen.

Im Moment kann gar nicht genug Geld verbrannt werden, wenn man darauf besteht, dass existierendes, im Markt zirkulierendes Geld ein „Menschenrecht“ auf Verzinsung hat! Jeder erlebt doch bei seinem Kreditinstitut, dass man auch ohne nennenswerte Verzinsung Guthaben anlegen kann, bei denen nicht einmal ein Inflationsausgleich geleistet wird. Das ist der Beweis, dass es geht!

Jetzt kommt das Frankreich des François Hollande unter Druck. Wenn er aber, wie es ja schon einmal passierte, zusammen mit Monti und Rajoy an einem Strick zieht und Griechen und Portugiesen ihnen dabei helfen, dann haben sie die gebündelte Kraft Merkel nicht nur über den Tisch sondern auch von einer Ecke Europas zur anderen zu ziehen. Deutschland muss entweder mitspielen, oder sich einen anderen Spielplatz suchen.

Und warum sollte Deutschland mitspielen? Weil dies kein nationales, sondern ein Schichten- oder Klassenproblem in Europa ist! Weiten Kreisen der Unter- und Mittelschicht in Deutschland stehen die protestierenden Menschen Südeuropas in Wirklichkeit erheblich näher, als der Banker an der nächsten Ecke. Man tut nur alles, diesen Gedanken nicht aufkommen, nicht reifen zu lassen!

Statt dessen werden Vorurteile und fremdenfeindliche Stereotype gepflegt und gezüchtet. Das ist schließlich alles besser als die SCHWEINEGEFÄHRLICHE länderübergreifende Solidarität der europäischen abhängig Beschäftigten!

Zu den Protesten des vergangenen Wochenendes in Paris,  kam es nur zwei Tage  nach der Vorstellung des Haushaltsentwurfs für 2013, dem zu Folge 10 Milliarden durch Einsparungen im Sozialbereich und 20 Milliarden durch Steuererhöhungen geplant sind. Das reichte, die Franzosen zu zehntausenden auf die Straße gehen zu lassen und Protestierende aus anderen Ländern der EU machten solidarisch mit.

Aber dieser Protest war hoffentlich nur eine lockere Aufwärmübung für den 9. Oktober, an dem die Gewerkschaften zum Streik aufgerufen haben, in einem Frankreich mit zehn Prozent (offiziellen!) Arbeitslosenzahlen und Großunternehmen, die Kürzungen und Entlassungen angekündigt haben…

Für einen menschlichen Politikwechsel in ganz Europa!

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9 Antworten zu Herbst 2012: Stimmung in der EU kippt, genug gespart, es reicht!

  1. uhupardo sagt:

    Der beste almabu seit langer Zeit! *chapeau*

  2. [...] http://almabu.wordpress.com/2012/10/01/herbst-2012-stimmung-in-der-eu-kippt-genug-gespart-es-reicht/ This entry was posted in Bürgerbewegung, Freiheit, Geldsystem, Gerechtigkeit, Politik, Propaganda, Selbstorganisation and tagged Occupy. Bookmark the permalink. ← Wie Obamas Terroristen in Syrien besiegt werden [...]

  3. Volksverdummung sagt:

    Wer regiert in Afrika…? Wer regiert in den Hauptstädten Europas?
    Wer ist für die Repression verantwortlich, die die Menschen kaputt macht?
    .
    Lesehinweis:
    “Jetzt kann ich sagen, wer die Halunken sind”, in Tagesanzeiger, v. Philipp Löpfe, aktualisiert am 01.10.2012.

    • FINANZSPEKULATION mit NAHRUNGSMITTELN….
    …und welche aktive und passive Rolle WIR dabei spielen!
    Wir? Ja, wer denn sonst. Denn wir Bürger sind die grenzdebilen Souveräne unserer kapitalistischen Demokratien, oder stimmt unser demokratietheoretisches sches Weltbild nicht mit der Wirklichkeit überein?

    QUELLE:
    http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Jetzt-kann-ich-sagen-wer-die-Halunken–sind/story/11541543

    Auszug aus dem Interview…

    JEAN ZIEGLER:
    “Ich kann endlich sagen, wer die Halunken sind. Weil ich täglich mit grossen Konzernen, dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und vielen Staatschefs zu tun hatte, musste ich zuvor lange schweigen.
    ….
    Wenn ich beispielsweise in Guatemala ärmste Maya-Bauern besuchte und grossartig mit den weissen Toyotas, den blauen UNO-Fahnen und dem ganzen Tross vorgefahren bin, dann fühlte ich mich oft wie ein Verräter.

    Wenn ich das Einzige verlangt habe, das ihnen hilft – eine Landreform –, dann wusste ich, dass ich damit keine Chance hatte und dass der Vorschlag drei Monate später in New York abgeschmettert würde.

    Gemäss Angaben der Welternährungsorganisation gibt es auf dem Planeten genügend Nahrung für zwölf Milliarden Einwohner. Wenn heute immer noch Menschen verhungern, dann ist das ein organisiertes Verbrechen, ein Massenmord.

    TAGESANZEIGER: Das Buch heisst «Wir lassen sie verhungern». Ich bin mir nicht bewusst, jemanden verhungern zu lassen.
    J. ZIEGLER: Das stimmt, aber wir alle sind Komplizen. Wir lassen zu, dass multinationale Nahrungsmittelkonzerne und Spekulanten täglich darüber entscheiden, wer isst und lebt und wer hungert und stirbt. Es geht um den Zugang zur Nahrung. 1,2 Milliarden Menschen müssen mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen.
    ….
    TAGESANZEIGER: Was tun?
    J. ZIEGLER: Der französische Schriftsteller George Bernanos schreibt: «Gott hat keine anderen Hände als die unseren.»
    Entweder wir ändern diese kannibalische Weltordnung – oder sonst tut es niemand.
    .
    HESSE
    .

  4. almabu sagt:

    Fein, auch in Deutschland bewegt sich etwas! Über Sepp Aigners Blog “kritische massen” gelangte ich zu diesem Link:

    Ein kleines, badisches Dorf wehrt sich gegen die Nachfahren der Römer!

    http://www.scharf-links.de/43.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=28759&tx_ttnews%5BbackPid%5D=56&cHash=729dd879af

    • Volksverdummung sagt:

      Danke für die Nachrichten, die die Welt braucht und die die moralisch abgesoffene Orwellpresse nicht bringen darf!
      (hat die TAGESSCHAU etwas berichtet? Oder das scheue Reh, das “Capital”?)

      • Bürgerliche Souveränität!
      Vor Reisen nach Schwaben und Baden wird gewarnt!?

      Ich las nur WERKSBESETZUNG und dachte zuerst spontan an “Renault” 1968 und Frankreich… Und bei bürgerlichem Ungehorsam denkt man vielleicht noch an verärgerte bretonische Fischer in Paris…

      Aber Weisweil? Eine Iveco-Werksbesetzung durch deutsche Bürger?
      Gegenseitige “Drohungen” von Bürgern und “Polizisten”?
      Das ist ja unerhört! :-)

      PHASE 2: Jetzt wird man den Versuch machen, die Protestbewegung zu spalten!
      PHASE 3: Das hängt von der WUT der Weisweiler ab…

      Ich wünsche Ihnen viel Wut, denn dann ist das Droh- und Verhandlungspotential entschieden grösser.
      Und die Staatsmacht, die das EIGENTUMSRECHT des Unternehmers de facto stets von jeder sozialen Verantwortung und VERPFLICHTUNG entbindet, die muss ALLES tun, um den ARBEITSPLATZKAMPF zu deeskalieren, damit Werksbesetzungen nicht Schule machen…

      2. So. Und jetzt noch ein paar praktische, billige Ratschläge. Jetzt ist Werbuuuung gefragt!
      (Lernziel: die “Politik der Angst” funktioniert auch umgekehrt.)
      Wie wärs mit ein paar brennenden EU-Fahnen hinter dem Werkstor, vor laufenden TV-Kameras?
      Das macht dann Schlagzeilen in New York und bringt die “Wall Street” ein wenig in Wallung… Und die Gewerkschaftstürme in Stuttgart und Frankfurt hoffentlich auch.

      ——
      Kaiserstuhl = Whyl 1975 !
      Da erfuhr der deutsche (westdeutsche) Michel seine Grundausbildung in wehrhafter Demokratie und entdeckte seine Souveränität!
      .
      HESSE
      .

    • Volksverdummung sagt:

      http://www.badische-zeitung.de/weisweil/iveco-manager-bedauert-raeumungsversuch-chefetage-uneinig–64152091.html

      Tenor der Chefetage: “Wir “bedauern” die regionale Störung im kapitalistischen Durchlauferhitzer…”

      Und die IG-Metall agiert als “Vermittler”, damit die Störung “behoben” wird.

      So wird das nichts. Wenn die Arbeitsplätze erhalten bleiben sollen, dann sind “Kompromisse” in diesem Punkt schlecht verhandelbar.
      Ich empfehle den Arbeitern, den EXTERNEN “Experten” der IG-Metall KEIN VERHANDLUNGSMANDAT zu geben!
      Die spalten die Arbeitnehmer, indem Sie ein Zuckerli präsentieren! Und dann wird abgemattet… (der Rest kriminalisiert).
      .
      HESSE
      .

  5. almabu sagt:

    Verdammt, was ist da schief gelaufen? Sogar die New York Times gibt mir recht, mit meiner Einschätzung zum Spar-Exzess-Programm, das die Deutschen und die EU von den Südeuropäern fordern und darüber was jetzt zu tun wäre.
    Nur bei den Ursachen, da stimmt mein Weltbild dann wieder;-)

    http://economia.elpais.com/economia/2012/10/02/actualidad/1349168259_191105.html

  6. [...] Noch klarer, treffender und voll auf den Punkt bringt es der Kommentar von almabu: “Herbst 2012: Stimmung in der EU kippt, genug gespart, es reicht!” [...]

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