Jordi Pujol i Soley: Zur dunklen Seite gewechselt er ist, schon vor sehr langer Zeit!

Der tiefe Fall des Jordi Pujol i Soley, des Meister Yoda des politischen Catalanismus, kam sehr spät aber scheint nun unaufhaltsam. Über die letzten Jahre habe ich hin und wieder zu den Finanzskandalen um diese Familie in diesem Blog Stellung genommen. Doch das politische Katalonien hielt wie Pech und Schwefel zusammen und es tat, es rührte sich lange Zeit nichts. Alles verlief im Sande. Es schien tatsächlich, als stünde die Pujol-Sippe über dem Gesetz.

Dies hat sich in der letzten Woche gründlich geändert. Am 25. Juli veröffentlichte der Ex-Langzeitpräsident (23 Jahre Amtszeit!) ein Kommuniqueé in dem er lakonisch  „den Fehler“ einräumte, seit 34 Jahren ein Schwarzgeldkonto in der Schweiz zu besitzen (angeblich das Erbe seines Vaters, den er so ebenfalls mit in den Dreck zieht! Seiner Schwester María war dieses angebliche, väterliche Erbe in der Schweiz aber unbekannt!). (http://www.elmundo.es/cataluna/2014/07/25/53d29132e2704eba1e8b459c.html)

Offenbar geht es bei den bisher öffentlich gewordenen Fällen um Geldbeträge im einstelligen Millionenbereich. Der Sippe wird allerdings ein dreistelliges Millionenvermögen nachgesagt, dessen Herkunft nicht recht erklärt werden kann. Die Ex-Gefährtin eines Pujol-Sohnes bezifferte die Schwarzgelder als im dreistelligen Millionenbereich und nicht als Erbe, sondern aus der Veruntreuung, der Abzapfung öffentlicher Gelder stammend! Fast alle seine sieben Kinder besitzen Firmen und Gesellschaften, die mit der katalanischen Regierung Geschäfte machen, wo allein der Name Pujol als magischer Türöffner fungierte…

Einem hartnäckigen Gerücht zu Folge sollen in Katalonien bei öffentlichen Bauaufträgen 4% Provisionen verlangt und bezahlt worden sein, von denen 2,4% an das regierende Parteienbündnis CiU und 1,5% an Pujol „himself“ geflossen sein sollen!

Diesem öffentlichen Eingeständnis eines läppischen Versäumnisses gingen offensichtlich Gespräche hinter den Kulissen voraus, in dem Pujol Steuern (und Strafgelder?) nachzahlte und auf Ämter, Ehrentitel und Einkünfte verzichtete. Eine öffentliche Hinrichtung sozusagen durch seinen Ziehsohn und Nachfolger Artur Mas. Dieser war pikanterweise der zuständige Minister für öffentliche Bauvorhaben und Finanzen unter Präsident Pujol und somit eine Schlüsselfigur bei der Gerüchteweise unterstellten Abzweigung öffentlicher Mittel in private Taschen. Dies alles zu einem Zeitpunkt, wo offen über das Scheitern des Separatismus-Phantasten Artur Mas diskutiert und auf den Zeitpunkt seiner Ablösung spekuliert wurde. Wollten die Pujols Mas ablösen und der hat mit seinem Insiderwissen einfach den Spieß umgekehrt?

Auch Pujols Sohn Oriol, der als einziger der Sippe in die aktive Politik gegangen war und sich gegenwärtig mit verschiedenen Ermittlungsverfahren konfrontiert sieht, legte alle Ämter und Mandate nieder, was er seit Jahren erfolgreich hinauszögerte.

Nach dem öffentlichen Eingeständnis von steuerlichen „Irregularitäten“ durch den katalanischen Ex-Präsidenten Jordi Pujol i Solei gab es am 28. Juli eine Anzeige der Rechts-Konservativen Gewerkschaft „manos limpias“ (saubere Hände). Darauf eröffnet die Richterin des zuständigen Gerichts 31 in Barcelona ein Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Präsidenten und informierte die Steuerbehörde darüber.  Dies könnte ein (letzter?) Versuch sein, die Sache Pujol in Katalonien auf kleinstmöglicher Flamme zu kochen? Andernfalls drohen Ermittlungen in Madrid. Dies käme den katalanischen Separatisten, die mit der Pujol-Sippe verschiedentlich verbandelt sind, sehr ungelegen bei ihrem Thema der Unabhängigkeit von Spanien.

Eine Frage drängt sich allerdings unvermeidlich auf: Ist es wirklich Spanien, wie der Slogan der Separatisten es behauptet, das die Katalanen beraubt?

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4 Responses to Jordi Pujol i Soley: Zur dunklen Seite gewechselt er ist, schon vor sehr langer Zeit!

  1. almabu sagt:

    Die Anti-Korruptionsbehörde hat das Gericht 31 in Barcelona gebeten, die Bankdaten aller neun Mitglieder der Pujol-Familie, also der Eltern und ihrer sieben Kinder, von den Behörden in Andorra und der Schweiz zu verlangen. Ebenso sollen deren Steuererklärungen der letzten Jahre überprüft werden…

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  2. almabu sagt:

    Die Antikorruptionsermittler von UDEF (Unidad de Delincuencia Económica y Financiera) stellten fest, dass der gleichnamige Pujol-Sohn durch zwischengeschaltete Firmen ohne weitere Geschäftstätigkeiten für Beratungs- und Vermittlungskosten bei öffentlichen Bauvorhaben der katalanischen Autonomieregierung (der 23 Jahre lang sein Vater vorstand) Millionenbeträge an Provisionen kassiert haben soll und urteilten ganz neutral:
    „…un porcentaje que se desviaba „para el enriquecimiento de particulares y financiación de un partido político“.
    Deutsch: „…ein Prozentsatz wurde umgeleitet zur Bereicherung von Einzelpersonen und einer politischen Partei!“

    http://www.lavanguardia.com/vida/20140806/54412817312/jordi-pujol-jr-cobro-comisiones-millonarias-por-intermediar-en-obra-publica.html

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  3. almabu sagt:

    Wenn man die gewaltigen Baumaßnahmen an der Infrastruktur Barcelonas vor den Olympischen Spielen 1992 berücksichtigt, die zumindest teilweise unter der Verwaltung der Autonomieregierung standen, dann sind da Milliarden bewegt worden. 1,5% von jeder Milliarde sind 15 Millionen, das läppert sich…

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  4. almabu sagt:

    „Manos limpios“, auf deren Initiative die Ermittlungen gegen Pujol Senior begannen, forderte die Einziehung von dessen Pass um eine Flucht ausser Landes zu verhindern, denn Pujol wird ein dreistelliges Millionenvermögen, wohl hauptsächlich in Mittel- und Südamerika, unterstellt.

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