Wählt Frankreich 2017 Sarkozy 2.0 als kleineres Übel, statt Marine Le Pen und die FN?

Die Entscheidung scheint bereits gefallen? Das politische Frankreich ist überzeugt vom bevorstehenden Comeback des Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy gerade rechtzeitig zur Präsidentenwahl 2017. Dieser lässt sich wieder rasiert und zumindest mit weissem Hemd ablichten, wenngleich er sich die Krawatte noch meist versagt ;-)

Die Umstände scheinen geradezu perfekt: Der amtierende Präsident Francois Hollande taumelt von einem Tiefpunkt zum nächsten sowohl im politischen als auch im privaten Umfeld.

Die regierende PS soll unter Hollande und Valls 2.0 eine Wirtschafts- und Sparpolitik gegen die eigenen Programme und Basis führen. Ihr droht Abnutzung, womöglich gar die Spaltung?

Die Linksfront dümpelt müde am Rande der Belanglosigkeit dahin.

Sarkozys alte politische Heimat UMP hat programmatisch und personell abgewirtschaftet und ist in Skandale verwickelt.

Die Rechten von der Front National eilen, geführt von der nicht ungeschickt operierenden Marine Le Pen, scheinbar mühelos von Erfolg zu Erfolg.

Wenn Sarkozy antritt, dann könnte er (zu meinem persönlichen Bedauern zwar, aber das steht auf einem ganz anderen Blatt) offene Türen einrennen! Selten schien sein Sieg so einfach und programmierbar?

Er müsste die UMP entweder personell umgestalten oder besser – gleich ein neues, scheinbar unbelastetes Mitte-Rechts-Bündnis schaffen und ein paar neue Gesichter dazu nehmen. Frankreich hat traditionell etwa zwei annähernd gleich große politische Blöcke. Hat die Linke abgewirtschaftet, ist die Rechte im Vorteil und umgekehrt.

Nun gibt es zwar Umfragen, die zwei Jahre vor der Wahl und mit vielen Unbekannten behaftet, Marine Le-Pen als Siegerin im ersten Wahlgang sehen. Im zweiten und entscheidenden Wahlgang hätten die Franzosen dann die Wahl zwischen Pest und Cholera, zwischen Le Pen und Sarkozy und darin sieht der alte Fuchs offenbar seine Chance? Bei der PS hätte der derzeit starke Mann, Manuel Valls, ein weiterer Rechter(!), wohl keine Chance in die zweite Runde zu kommen, würde er überhaupt erst einmal in den Rang eines Kandidaten erhoben?

Es hat den Anschein als baue Sarkozy derzeit gezielt einen Spannungsbogen auf aus Mutmaßungen, Presse- und TV-Interviews um dann irgendwann in diesem Herbst die Katze aus dem Sack, das Kaninchen aus dem Zylinder zu lassen.

Was bedeutete ein Wiederantritt Sarkozys für uns Deutsche? Er würde wohl weiterhin eine neoliberale, US-freundliche Politik betreiben und wäre gegenüber einem etwaigen Merkel-Nachfolger an Erfahrung und Dynamik im Vorteil. Das würde das Verhältnis von Deutschen und Franzosen wieder etwas ausgleichen, das sich unter dem Totalausfall Francois Hollande stark zu Gunsten von Frau Merkel veränderte.

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3 Responses to Wählt Frankreich 2017 Sarkozy 2.0 als kleineres Übel, statt Marine Le Pen und die FN?

  1. almabu sagt:

    Die Linken in der PS, die nicht mit der Wirtschaftspolitik von Hollande / Valls 2.0 einverstanden sind, spielen mit dem Gedanken sich bei einer für kommende Woche angesetzten Vertrauensabstimmung im französischen Parlament der Stimme zu enthalten.

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  2. almabu sagt:

    So will Valls 2.0 am 16. September die Vertrauensabstimmung gewinnen: Nullwachstum und 4,3% Haushaltsdefizit anstatt der EU-Zielgröße von 3%!

    Im September 2013 hatte Paris Brüssel einen Aufschub von zwei Jahren abgerungen um die EU-Zielgröße von maximal 3% Haushaltsdefizit zu erreichen. Bereits jetzt steht aber schon fest, dass dieser Wert sowohl in 2014 als auch in 1015 über 4% liegen wird.

    Diese Abstimmung wird wohl spannend werden?

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  3. almabu sagt:

    Eine andere Frage wird sein, ob die französische Öffentlichkeit erfahren will, was der mögliche UMP-Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2017, Nicolas Sarkozy die letzten Jahre als „Privatier“ so alles gemacht hat und ob er dadurch möglicherweise korrumpiert oder befangen sein könnte?

    So soll er z.B. für US-Hedgefonds als „Klinkenputzer“ bei den Scheichs in SA und den Emiraten fungiert und sich eine goldene Nase verdient haben, weit mehr als mit den üblichen 100.000 $ Vorträgen für abgehalfterte Ex-Politiker…

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