Märchenhafter Kapitalismus, jeder kriegt seine Chance!

Ein junger Mann von 35 Jahren geht zu seiner Bank, sie hat den wohlklingenden Namen einer nordspanischen Hafenstadt in Kantabrien, und erbittet einen Kredit über mehr als 2 Milliarden Euro.

„Was wollen Sie denn mit soviel Geld, junger Mann“, fragte ihn der Banker.

„Ich bin Immobilienhändler und habe ein todsicheres Geschäft an der Angel, dafür bräuchte ich nur mal eben kurz über 2 Milliarden Euros von Ihnen“, antwortete der junge Mann.

„Welche Sicherheiten haben Sie denn, guter Mann“, wollte der erstaunte Banker wissen.

„Mein Name P___L sollte eigentlich genügen“, fand der junge Mann.

„Okay, wenn das so ist, dann haben Sie natürlich Recht“, sagte der Banker, „hier haben Sie die Kohle!“ Er schiebt einen ganzen Berg Geld über den Tisch.

„Jetzt habe ich Sie wohl glücklich gemacht“, wollte der Banker da gönnerhaft wissen.

„Genau, und dafür mache ich Sie jetzt glücklich“, antwortete der junge Mann großzügig. „Sie haben doch ihre 1.150 Bankfilialen überbewertet in ihren Büchern stehen, stimmt’s?“

Der Banker zuckte zusammen und nickte bekümmert.

„Ich habe hier zufällig über 2 Milliarden Euro und kaufe Ihnen den ganzen Ramsch ab. Sie mieten alles für 20 Jahre für eine fixe Pauschale von 40 Mio pro Jahr von mir zurück.“

Der junge Mann schiebt dem Banker den 2 Milliarden-Haufen wieder zu.

Der Banker zählt 40 Mio vom Stapel ab und gibt sie dem jungen Mann. Beide sind’s zufrieden und der junge Mann marschiert vergnügt pfeiffend mit 40 Mio in der Tasche aus der Bank…

Eine irre Geschichte, vollkommen unmöglich? Genauso war es sicher nicht, aber irgendwie so ähnlich soll es gewesen sein, damals im Jahre 2007, kurz vor dem Platzen der Immobilien-Blase in Spanien:

Die Sondereinheit für Finanz- und Korruptionsdelikte UDEF der spanischen Polizei hält dies so oder ähnlich für möglich.

Sie verhaftete heute Morgen in aller Hergottsfrühe Oleguer Pujol Ferrusola, heute 42 Jahre alt, den jüngsten Sohn von Kataloniens  vermutlich(!) größter Skandal- und Korruptionsfamilie, der des Ex-Präsidenten Jordi Pujol. Sie durchsuchte seine Wohnung und gleichzeitig weitere 6 Büros in Barcelona, Madrid, Valencia und der spanischen Exklave Melilla in Nordafrika. Dabei wurde sogar ein Bargeld-Spürhund eingesetzt.

In einem Pyramidenartig aufgebauten Firmengeflecht um Drago Capital, hatte Oleguer Pujol als Geschäftsführer nur einen seiner ingesamt 39 Führungspositionen in 18 Firmen.

Auch ein Geschäftspartner von Pujol wurde verhaftet. Der Verdacht lautet Geldwäsche und Steuerhinterziehung.

Die beiden Verdächtigen wurden nach der Razzia unter Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt. Sie müssen wohl verraten worden sein, denn beide sollten eigentlich in der Lage gewesen sein, per Knopfdruck einer(?) Taste ihrer Mobiltelefone sämtliche Computerfestplatten in ihren Büros zu löschen. Hat wohl nicht funktioniert, denn die Fahnder wirkten recht zufrieden mit ihren Ergebnissen?

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4 Responses to Märchenhafter Kapitalismus, jeder kriegt seine Chance!

  1. Oeconomicus sagt:

    Exzellenter Beitrag !

    Allerbesten Dank dafür !

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  2. almabu sagt:

    „Sale and lease back“ Geschäfte bestanden u.a. aus den 1.150 Filialen der BANCO SANTANDER (2 Milliarden), drei Immobilien des Medienhauses PRISA (300 Mio), das die Tageszeitung EL PAÍS herausgibt und 100 Filialen von BANKIA (100 Mio).

    Wenn Banken und Medien ihren Geschäftspartnern vom Pujol-Clan gewogen sind, dann kann das doch auch nützlich sein, oder?

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  3. almabu sagt:

    Der Brüller des Tages, oder „Es lebe die Selbstwahrnehmung!“:

    „Das sind ja beinahe schon italienische Verhältnisse bei uns!“

    Ein spanischer Politiker zu der Massierung von Korruptionsskandalen in seinem Land…

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  4. almabu sagt:

    Die kriminelle Energie des Oleguer Pujol und seines Partners Luis Iglesias führte soweit, dass diese seit Jahren die Daten aller ihrer zahlreichen Firmencomputer wöchentlich von den Rechnern in einer Cloud speicherten und dann von den Rechnern löschten.

    Die Rechner enthielten also maximal die Daten der jeweils abgelaufenen Woche.

    Zusätzlich konnten beide Partner unabhängig voneinander alle Daten in der Cloud mit einem Tastendruck ihrer Mobilphones löschen.

    Der Polizei gelang nicht nur der Zugriff auf die gesamten Daten in der Cloud, sie konnte durch die gleichzeitige Verhaftung der Protagonisten bei den Durchsuchungen die Löschung dieser Daten verhindern.

    Diese spezielle Form der Datenspeicherung und -sicherung begannen Pujol und Iglesias bereits im Jahr 2010. Sie ist an sich nicht strafbar, solange sie die Daten nicht vor der gesetzlich vorgeschriebenen Aufbewahrungsfrist (8 Jahre?) löschen. Sie müssen ihre Gründe dafür gehabt haben?

    Sie wollten mit allen Mitteln die Herkunft und die Verschiebung ihres Investitionskapitals in und aus Steuerparadiesen verschleiern. Das sind starke Hinweise auf Geldwäsche und Steuerhinterziehung.

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