Separatisten-Klatsche, Katalanen wählen in Würde und Besonnenheit die Vernunft!

Ausnahmsweise gibt es aus dem angelsächsischen Raum mal Stimmen (spanische Stimmen), die den katalanischen Separatismus nicht romantisch beleuchten und verklären, sondern die Dinge nüchtern und sachlich auf den Punkt bringen:
http://www.nytimes.com/2014/11/08/opinion/a-threat-to-spanish-democracy.html?mabReward=RI%3A13&action=click&pgtype=Homepage&region=CColumn&module=Recommendation&src=rechp&WT.nav=RecEngine&_r=2

Morgens:
Die katalanische Separatisten-Farce verläuft friedlich und eher schleppend. Insofern verstehe ich den Titel “Brisante Situation in Barcelona” nicht so richtig? Ich habe zumindest bisher von keinerlei nennenswerten Zwischenfällen gehört.
Um 13 Uhr hatten gerade einmal ganze 18% der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, manche vermutlich aus Begeisterung sogar mehrmals?
Aber da bis 22 Uhr und auch noch in den kommenden Tagen gewählt werden kann, kann sich der Eindruck noch ändern?
Saubere Kontrollen für eine korrekte und demokratische Durchführung dieses Separatisten-Happenings gibt es nicht. Die Aktivisten werden sich selbst kontrollieren und vermutlich ein ihnen genehmes Ergebnis aus dem Zylinder zaubern?
Trotzdem werden die Separatisten um Mas dies als Erfolg verkaufen wollen, während die ERC um Junqueras richtig erkennen, was Sache ist: Um Unabhängigkeit muss man nicht betteln oder feilschen, man muss sie einfach machen, wenn man stark genug und dazu in der Lage ist!
Mas wird versuchen entweder als Kandidat einer Einheitsliste vorgezogene Neuwahlen mit plebiszitärem Charakter durchzuführen (Der 15. Februar wird als möglicher Termin gehandelt, der Sonntag in der KW 07/15!) oder – falls ihm dieses nicht gelingt – wird er versuchen die Wahlen auf den “Sanktnimmerleinstag” zu verschieben, weil ihm und der CiU eine üble Abstrafung durch die Wähler droht.
Noch ein paar Gedanken zu dieser Möchte-gerne-Wahl in Katalonien. Laut aktuellen Umfragen wollen sich 55% der Wahlberechtigten oder 2,9 Millionen der 5,4 Mio Berechtigten beteiligen. 45% oder 2,4 Mio wollen hingegen zu Hause bleiben.

Mittags:
Bis 13 Uhr sollen laut verschiedenen Medien zwischen 18% und 21% gewählt haben. Traditionell ist die Beteiligung in der zweiten Hälfte des Wahltages höher. Sie dürfte wohl am Ende zwischen 50% und 60% landen. Wenn man einmal den Separatisten eine höhere Motivation unterstellt, sich an dieser Abstimmung zu beteiligen, könnte ein sí/sí, ein doppeltes Ja also, von etwa 80% der Wahlberechtigten gewählt werden. Daraus ergäbe sich dann eine hochgerechnete Zustimmung zum Separatismus-Projekt von 40% bis 48%, aber keine klare Mehrheit der Katalanen. Was werden wohl die Aktivisten tun, wenn es eng wird? Werden sie dann der Versuchung widerstehen können, das Ergebnis zu schönen?
Um 18:00 Uhr verkündete die Generalitat eine Zahl der Wahlbeteiligten von knapp 2 Millionen oder 37% der 5,4 Millionen Wahlberechtigten.
All diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, fehlen doch alle Voraussetzungen die für korrekte, demokratische Wahlen notwendig sind.
Der Trend dürfte wohl auf meine obige Prognose hinauslaufen?

Abends:
Es ist vollbracht!
 Am Ende eines langen „Wahltages“ der überwiegend friedlich und würdevoll-heiter abgelaufen sein soll, was ein Kompliment für die Beteiligten ist, stellt die Generalitat ihre eigene Niederlage fest, Sie formuliert es nur anders:
Bei der mit vielen missbräuchlich eingesetzten Haushaltsgeldern zur Schicksalsfrage der Katalanen hochstilisierten Unabhängigkeitsfrage ging überwiegend nur der harte Kern der Separatisten an die Wahlurne. Dieser stimmte zu 80 Prozent für die Unabhängigkeit im eigenen Staat. 10 Prozent wollten zwar Unabhängigkeit, aber keinen Bruch mit Spanien und 4 Prozent lehnten beides ab und wollten, dass alles bleibt, wie es ist…

Die geschätze(!) Wahlbeteiligung soll bei 41 Prozent(!) gelegen haben. Das ist die eigentliche Antwort der Katalanen in dieser „Schicksalsfrage“ eine schallende Ohrfeige für die Separatisten und das eigentlich Ende für Artur Mas, wenn er denn Charakter hätte. 33 Prozent, genau ein Drittel der Katalanen, stimmte für die Unabhängigkeit, zwei Drittel taten dies nicht! Ist das eine Chance für die Vernunft?

Mas, Junqueras und Co. müssten eigentlich die Konsequenzen aus dieser Klatsche ziehen, was sie gewiss nicht tun werden? Wie es scheint, ist meine Prognose eingetreten? Da noch gezählt wird, und im Ausland angeblich sogar noch gewählt wird, kann sich dieses Bild zwar noch geringfügig ändern. Es wird jedoch Kosmetik sein!

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9 Responses to Separatisten-Klatsche, Katalanen wählen in Würde und Besonnenheit die Vernunft!

  1. almabu sagt:

    „…La Generalitat prevé poder disponer en unas horas de los resultados definitivos del 9N, una vez concluya el recuento de todas las mesas, aunque la cifra de participantes podría aumentar dado que en algunos puntos de Catalunya y del extranjero se permitirá votar durante las próximas dos semanas…“

    Leer más: http://www.lavanguardia.com/politica/20141110/54419122198/resultados-9n.html#ixzz3IdpIX2B0
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    Da in Teilen noch bis zu zwei Wochen nachgewählt werden darf, kann die Generalitat hier noch Kosmetik betreiben, bei dieser Farce!

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  2. almabu sagt:

    Bisher war das 8.000 Einwohner Dorf Arenys de Munt, Maresme, Barcelona das Symbol für die ans Lächerliche grenzende Denkweise der Separatisten. Das Rathaus von Arenys de Munt hatte am 13.09.2009 ein Unabhängigkeitsreferendum durchgeführt (für das es natürlich nicht kompetent war!) und stolz eine 96%-ige Zustimmung verkündet, bei einer Wahlbeteiligung von 33% der Einwohner des Dorfes.

    Die Separatisten haben also auch damals schon, wie Gestern auch wieder, nur ein Drittel der Wahlberechtigten überzeugen können, aber sie schreien und trommeln, als ob sie die Wahlen gewonnen hätten.

    Arenys war über Jahre der Brüller des katalanischen Separatismus. Gestern hat Artur Mas dieses Ergebnis noch übertroffen. Da helfen ihm auch seine ganzen aufgeregten Siegesmeldungen nicht drüber hinweg.

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  3. Hatte Rajoy nicht angekündigt die Verfassung zu verteidigen? Gab es nicht 4.500 Militärs im Hintergrund. Daher war es schon brisant in Barcelona, als die Katalanen die Wahllokale öffneten, denn die Verfassung ist anscheinend nichts wert in Spanien. Jetzt ist sie sogar Verhandlungsfähig zwischen Rajoy und Mas. Das ist wirklich brisant!
    Aber in einem sind wir uns einig. Das die Generalitat ihre eigene Niederlage feststellt, da hilft auch die stärkste Schminke nichts mehr.

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    • almabu sagt:

      Hallo Angelika,
      mein Kompliment an die Katalanen, die gestern die Ruhe und damit ihre Würde behielten! Es war klar, dass vor allem der harte Kern der Separatisten abstimmen würde und siehe da: Es sind nicht mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten trotz der jahrzehntelangen Indoktrination an Kindergärten, Schulen und Universitäten und durch TV3 und die subventionierten Medien. Das sind die harten Fakten!

      Der katalanische Separatismus ist ein Minderheitenprojekt! „Arenys de Munt“ lässt grüßen!

      Ich gehe davon aus, dass der ANC, Omnium und die ERC Artur Mas nun über die Klinge springen lassen?

      Es ist doch geradezu absurd, wenn eine Minderheit, die Mehrheit der eigenen Autonomie in Geiselhaft nehmen will, um die Gesamtheit der Spanier dazu zu bringen ihre Verfassung zu brechen, damit die radikale Minderheit austreten und Spanien verlassen kann?

      An diesem Punkt gebe ich dem Dorfbürgermeister von Sant Vicenc dels Horts, einem gewissen Oriol Junqueras, ERC Recht, wenn er sagt, „eine Unabhängigkeit die macht man, wenn man stark genug und deshalb dazu in der Lage ist und man bettelt und schachert nicht mit Denen, von denen man sich lösen will!“ Ich finde, da hat der Dicke mal Recht!

      Da ja teilweise noch zwei Wochen nachgewählt werden kann, noch so ein Unding, wird man sicher noch Wahlkosmetik betreiben wollen, aber die grundlegende Schlappe lässt sich nicht unter den Teppich kehren ;-)

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  4. almabu sagt:

    67,76% der Berechtigten beteiligten sich 2012 an den CAT-Wahlen.
    66,83% der Berechtigten beteiligten sich 2011 an den ESP-Wahlen.
    47,63% der Berechtigten beteiligten sich 2014 an den EU-Wahlen.

    41,00 % der Berechtigten beteiligten sich 2014 an der katalanischen Schicksalswahl der letzten 500 Jahre? War wohl nicht so groß das Interesse? Am Ende kommt immer – trotz der ganzen Propaganda und Agitations-Millionen – ein separatistisches Drittel heraus, nada Mas!

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  5. almabu sagt:

    Wer jetzt von demokratischen Grundrechten auf Abspaltung redet, die den armen Katalanen von Madrid verweigert werden, der sollte sich einmal im spanischen politischen Spektrum umsehen.
    Da wäre zum Beispiel PODEMOS, aus den „Empörten“ der Straßen und Plätze Spaniens hervorgegangen und als Basisdemokratisch schlechthin geltend. Hat PODEMOS irgend etwas zum gestrigen 9-N gesagt?
    Ich habe zumindest nichts gehört? Generell sollen sie dem „Recht, zu entscheiden“ zwar irgendwie zustimmen, wollen aber gleichzeitig nicht, dass Katalonien sich aus Spanien davon stiehlt!
    Einzelne PODEMOS-Führungskader wie der Ex-Staatsanwalt Carlos Jiménez Villarejo nannten das Separatisten-Spektakel „antidemokratisch und illegal“. Die Generalitat betröge ihre eigenen Menschen mit einer Scheinwahl, die keine sei und breche ihre eigenen Gesetze als Autonomieregierung. Deutlicher sagen es die Konservativen auch nicht!
    Rajoy und Mas sind zwei Räuber, die um einen möglichst großen Anteil der Beute kämpfen, finde ich. Anders ist ihr Verhalten schwer zu erklären.

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  6. Leo Brux sagt:

    Ich hab ein paar deutsche Zeitungsartikel dazu gelesen.

    Wenn ich nicht durch dich, almabu, vorgewarnt gewesen wäre, hätte hätte beim Überfliegen gar nicht gemerkt, dass das „überwältigende JA!“ schlicht an der Wahlbeteiligung gelegen hat. Am Wahlboykott derer, die gegen die katalonische Unabhängigkeit sind.

    Ich würde die Abspaltung akzeptieren, wenn sie eine klare Mehrheit fände. Das tut sie aber nicht.

    Hinzu kommt, dass man wenig Grund hat, Mas & Co zu trauen.

    Obwohl ich also eigentlich eher zu denen neige, die aus großen Nationen mehrere kleinere machen wollen (Vorbild: Tschechoslowakei), würde ich mich in Spanien gegen die Separation aussprechen. Soweit ich sehe, hat sich die Automomie bewährt.

    Und natürlich muss man gemeinsam versuchen, in Madrid eine kompetente Regierung zu bekommen. Durch Separatismus kriegt man die nicht.

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    • almabu sagt:

      Tja Leo, ich bin da ein bißchen ratlos in dieser Frage. Sind deutsche Journalisten so oberflächlich, was ich mir ehrlich nicht vorstellen möchte, oder schreiben sie absichtlich so und wenn, zu welchem Zweck, mit welcher Absicht? Zu dieser Pseudo-Wahl und ihrem Ergebnis nur soviel in Kürze: Wahlbeobachter in einem Drittwelt-Land, oder sagen wir bei deinem speziellen Freund Putin, hätten diese Wahl reklamiert, wegen schwerwiegender demokratischer Mängel. Es gibt keinen klaren Zensus. Es gibt keine Kontrolle vor Missbrauch. Die Wahl wurde von den Aktivisten der Separatisten organisiert, durchgeführt und ausgezählt UND sie ist noch nicht vorbei! Offiziell war sie am Sonntag Abend um 21 Uhr zu Ende. Die langen Schlangen vor Ort durften aber weiterhin wählen, was ich verstehe. Unter bestimmten Gründen und an bestimmten Orten darf aber bis zu 2 Wochen nachgewählt werden, wenn das vorläufige Ergebnis bereits bekannt war und in den Medien diskutiert wurde. Andernorts werden Exit-Polls, also Nachwahl-Befragungen verboten, wegen ihrer Beeinflussungsmöglichkeit einer laufenden Wahl…
      Jetzt geht der Streit erst richtig los, denn die Hardcore-Separatisten um Oriol Junqueras, ERC und ANC verlangen sofortige plebiszitäre Neuwahlen mit Parteienlisten (die er sicher gewinnen würde), während Mas dazu nur unter einer Einheitsliste mit seinem Namen an der Spitze bereit ist. Sein CiU-Partner Unió will überhaupt keine Neuwahlen und die Legislaturperiode zu Ende bringen (dann erstmalig in den drei Wahlen unter Artur Mas, der wiederum zum Totengräber seines CiU-Bündnisses werden könnte und die Partei von 64 über 50 auf in Umfragen ermittelte 32 Sitze im Parlament halbieren würde!). So bekäme also die Variante von Verhandlungen mit Madrid für Artur Mas den Charakter eines Fluchtweges aus seiner prekären Lage. Er hat allerdings hohe Erwartungen geweckt und zwei Jahre befeuert und es würde nicht leicht für ihn werden, diese halbwegs plausibel und glaubwürdig zu überstehen. Sein Gegenspieler in Madrid, Ministerpräsident Rajoy, ist eine Art politischer Autist und dazu sind beide Seiten von grassierenden Korruptionsskandalen gebeutelt. Es bleibt auf jeden Fall spannend in Spanien…

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      • almabu sagt:

        Eines vergaß ich noch zu erwähnen:
        Es hat im Vorfeld dieser Wahl-Farce im Hintergrund Gespräche über Mittelsmänner mit Madrid gegeben. Von einigen sind sogar die Namen bekannt, sie liegen mir aber momentan leider nicht vor. Das ist in Spanien Gottseidank fast immer so. Das hat gewiss dazu beigetragen dieses Spektakel ruhig, würdevoll und ohne nennenswerte Zwischenfälle über die Bühne zu bringen. Dieser Umstand könnte den Beginn von Verhandlungen erleichtern. Es war auch vorgesehen bei Aktionen bei und um die Wahl die katalanische Polizei, die Mossos d’Escuadra, und nicht etwa die „spanische“ Policía Nacional oder gar die Guardia Civil einzusetzen. Dies war nicht ohne Absprachen im Hintergrund möglich. Darauf kann man eine gewisse Hoffnung setzen für die Zukunft…

        Gerüchte von spanischem Militär im Hintergrund dürften von interessierter Seite gestreut worden sein? Für mich ist das nicht belegbar und nicht denkbar, denn dies würde Bürgerkrieg bedeuten!

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