Alles neu, alles anders macht PODEMOS?

Viele Spanier hoffen auf die neue Kraft in der spanischen Politik, die durch die Wahlen in diesem Jahr auch zu einer parlamentarischen Kraft werden soll. PODEMOS, die Gruppierung um Pablo Iglesias, will alles demokratischer, sozialer, gerechter und transparenter machen und vor allem der Korruption ein Ende bereiten, hehre Ziele fürwahr für die es sich zu kämpfen lohnte…

Jetzt wurden in den spanischen Städten, in denen PODEMOS zur Wahl antreten will und nach Umfragen zur zweit- bis drittstärksten Kraft werden könnte, die Kandidaten der Gruppierung gekürt. Es soll sich in allen Fällen um Personen aus dem engsten Zirkel von Pablo Iglesias handeln. Welchen Rückhalt haben diese in den eigenen Reihen?

Nehmen wir zum Beispiel Barcelona:
Der erst 23 Jahre junge Marc Bertomeu, der im vergangenen Mai schon versucht hatte ins Europa-Parlament gewählt zu werden, gewann die interne Wahl mit 59,3% oder 1.813 Stimmen der eingetragenen Wahlberechtigten. Für eine Millionenstadt kein herausragendes Ergebnis, wie ich meine? (In Catalunya nennt sich PODEMOS span.  PODEM cat., „Wir können!“)

Nehmen wir zum Beispiel Madrid:
Hier gewann der 51-jährige „Polit-Veteran“ Jesús Montero mit 61,5% von 6.413 abgegebenen Stimmen in der noch größeren Millionenstadt!

Nehmen wir zum Beispiel Zaragoza:
Die Kandidaten Maru Díaz holte gar 100% der abgegebenen Stimmen, deren genaue Zahl mir derzeit nicht bekannt ist.

Insgesamt hatten sich in Spanien 248.507 Interessierte in die PODEMOS-Wahllisten eintragen lassen und davon hatten danach 86.046 Personen an den Wahlen teilgenommen, was zu einer erstaunlich niedrigen Wahlbeteiligung von 34,6% (!) führte. Ist das nun die neue politische Hoffnung oder lediglich eine Kader-Partei, eine Polit-Sekte gar?

In Spanien gibt es 8.119 Orte, Dörfer, Städte. Podemos wird jetzt im ersten Anlauf in 770 von ihnen, das entspricht 9,5%, bei den Wahlen antreten. In diesen 770 Orten leben aber 80% der spanischen Bevölkerung. Eine handvoll ziemlich unbekannter Leute wird also das Geschick von 80% der Spanier direkt und damit prinzipiell aller Spanier beeinflussen. Was wissen wir über diese Menschen?

Ich teile die Hoffnung vieler Spanier durchaus nach reichlich frischem Wind in der verkrusteten, korruptionsbelasteten parlamentarischen Demokratie Spaniens.

Was diese internen Wahlen innerhalb der Unterstützer dieser Gruppe zeigen, ist zu Beginn des Wahljahres eine dünne Personaldecke mit nicht sehr überzeugendem Rückhalt bei nur 34,6% interner Wahlbeteiligung und das (noch) nicht Vorhandensein von Strukturen und Kandidaten in den Stadtteilen und kommunalen Gliederungen in denen gewählt werden wird. PODEMOS/PODEM genoß bisher hauptsächlich mediale Aufmerksamkeit. Sie steht jetzt vor der Anforderung, diese unter Zeitdruck in eine im traditionellen Sinne schlagkräftige Parteiorganisation umzusetzen! Ihre bisherige Stärke könnte sich in ihre zukünftige Schwäche wandeln, denn PODEMOS/PODEM wird nicht auf Dauer die One-Man-Show des Pablo Iglesias bleiben können?

In Barcelona bzw. Catalunya wird PODEM darüber hinaus den Eiertanz aufführen müssen, sich nicht offen für oder gegen die Unabhängigkeit der Autonomie aussprechen zu können. Ihr Guru Pablo Iglesias zumindest ist, reichlich verklausuliert zwar – im Prinzip zumindest – dagegen!

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3 Responses to Alles neu, alles anders macht PODEMOS?

  1. almabu sagt:

    Die Separatisten con CiU und ERC in Catalunya fetzen sich unterdessen vor den staunenden Augen von CUP und den Grünen und der latenten Drohung der Damen von ANC und Omnium um den richtigen Weg zu Neuwahlen…

    http://www.elperiodico.com/es/opinion/humor/ferreres-03-01-2015/69397.shtml?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=elPeriodico-ed07h

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  2. almabu sagt:

    Marc Bertomeu, frisch gewählter Generalsekretär von Podemos (Podem) in Barcelona sieht die Debatte der Unabhängigkeit Catalunyas nicht als Priorität an!
    Zwar spricht er sich generell für das berühmte „Recht, sich zu entscheiden“ aus, das den Kern-Slogan der Separatistenkampagne bildet, fasst diesen Begriff aber viel weiter und grundsätzlicher als diese:

    Dieses Recht, sich zu entscheiden gelte natürlich auch für den Gesundheits- und Bildungssektor, beides Bereiche, in denen CiU neoliberale Kahlschläge vollzog und in vielen anderen politischen Fragen.

    Bertomeu kündigte den Versuch an mit der Gruppierung „Guanyem Barcelona“ (Wir werden Barcelona gewinnen!) eine Gemeinschaftskandidatur zu vereinbaren, wobei er sich Ada Colau, deren Spitzenkandidatin, als geeignete Bürgermeisterin Barcelonas vorstellen kann…

    Irgendwie haben die Jungs von Podemos/Podem die Kungelei schon ganz gut verinnerlicht, finde ich?

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  3. almabu sagt:

    Artur Mas lockt die TV-Zuschauer nicht mehr mit seiner Separatismus-Masche an die Flachbildschirme!
    Seine Neujahrsansprache hörten dieses Mal 128.000 Zuschauer oder 20% weniger als im Jahr zuvor. Ein Zeichen an der Wand?

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