Stutenterror: In Madrid fliegen die Fetzen zwischen Cospedal und Aguirre, während Rajoy vermasselt, äh.. vermittelt!

Esperanza Aguirre(1), die alte Kampfstute, bewährt in zahllosen Schlachten selbst gegen die Verkehrspolizei, resolut zu nennen, dürfte eine charmante Untertreibung sein? Das musste auch die selbst nicht zimperliche PP-Generalsekretärin María Dolores (de) Cospedal(2) erfahren, als sie am vergangenen Freitag Abend mal eben die Kandidaturen für das Bürgermeisteramt und die Comunidad de Madrid mit Esperanza Aguirre und Cristina Cifuentes klar machen wollte. Der Sultan Rajoy weilte derweil in Guatemala, weit vom Schuss entfernt.

Alles schien seinen geordneten Gang zu gehen, bis Cospedal Aguirre offenbar aufforderte, VOR ihrer Kandidatur für das Bürgermeisteramt von Madrid JETZT SOFORT ihren Vorsitz der PP in der Comunidad de Madrid und damit ihre Machtbasis, abzugeben! Cospedal wollte Aguirre kastrieren, sie ihrer Machtbasis berauben und zur bloßen Grüss-Auguste degradieren!

In der PP-Struktur ist die 15 Jahre ältere Aguirre, übrigens auch BILDERBERGERIN, aber das ist ein anderes Thema, unbestritten mindestens die starke Nummer zwei hinter Cospedal und empfindet sich dieser gegenüber offenbar als durchaus gleichwertig oder gar als überlegen?

Der Witz an dieser Forderung Cospedals ist es, dass sie selbst ebenfalls Partei- und Regierungsämter häuft und zwar noch mehr als dies Aguirre beabsichtigt: Sie IST Präsidentin der Comunidades von Castilla-La Mancha. Sie IST in diesen Comunidades auch PP-Regionalchefin und sie IST Generalsekretärin der PP für ganz Spanien. Sie IST ausserdem noch BILDERBERGERIN, aber das ist ein anderes Thema. Ihre Forderung an Aguirre, ihr Parteiamt abzugeben entbehrt also zumindest nicht einer gewissen Komik und Chuzpe.

Aguirre weigerte sich glatt, vehement und lautstark und drohte eher auf die Kandidatur für das Bürgermeisteramt Madrids zu verzichten, als auf den Parteivorsitz in der Comunidad de Madrid. Darin liegt die eigentliche Macht und die Entscheidung über Kandidaten, Listen und damit Pfründe und Gefolgschaft in der von Bestechungsskandalen gebeutelten PP.

Jemand stach dies (live!) an die Presse durch und schnell gelangte die Meldung nach Guatemala zu Rajoy, der in Madrid anrief und zu schlichten versuchte. Dann wurde gemeldet, alles sei nur ein Missverständnis gewesen! Aguirre solle selbstverständlich nur NACH einer Wahl zur Bürgermeisterin ihr Parteiamt ablegen. Das dürfte der selbstbewussten Esperanza auch nicht gefallen haben, aber der Schein wurde wenigstens notdürftig gewahrt!

Cospedal wollte Madrid sofort kontrollieren doch Aguirre biss sie erst einmal hinweg…

Diese Ereignisse lassen auch Rückschlüsse auf die miserablen Führungseigenschaften von Mariano Rajoy zu, dem offenbar die Fäden aus der Hand gerieten, kaum da er Madrid und Spanien verlassen hatte?

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(1) http://es.wikipedia.org/wiki/Esperanza_Aguirre
(2) http://es.wikipedia.org/wiki/Mar%C3%ADa_Dolores_de_Cospedal

María Dolores (de) Cospedal, die an einem Punkt ihrer beachtlichen Karriere befand, dass es nun an der Zeit sei, das adelige  de(=von) vor ihren Familiennamen zu fügen, was ihr Bruder ablehnte, ihr Vater aber nachträglich ebenfalls übernahm…

 

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3 Responses to Stutenterror: In Madrid fliegen die Fetzen zwischen Cospedal und Aguirre, während Rajoy vermasselt, äh.. vermittelt!

  1. almabu sagt:

    Esperanza, „die Hoffnung“, Aguirre hat seit bald 20 Jahren regelmäßig Stress mit Rajoy, seit der ihr 1996 als Nachfolger im Bildungs- und Kulturministerium im Kabinett Aznar folgte. Es gab eine wechselseitige Folge von Illoyalitäten und auch die an diesem Wochenende erfolgte offizielle Benennung als Kandidatin für das Amt der Bürgermeisterin von Madrid hat Aguirre sich praktisch in Eigeninitative seit Dezember 2014 erzwungen, als sie sich ungebeten als Kandidatin ins Spiel brachte und Rajoy monatelang zu den Vorgängen in Madrid schwieg, bis dies Schweigen schon zum Politikum wurde. Einen direkten Affront stellte dies für die zuständige PP-Generalsekretärin María Dolores (de) Cospedal dar, während die Dritte der Powerfrauen um Rajoy herum, die Vize-Präsidentin Soraya Sáenz de Santamaría, vornehm schwieg zu den Vorgängen in der Hauptstadt-PP…

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  2. almabu sagt:

    Esperanza Aguirre führt seit 2004 die PP der Comunidad de Madrid. In diesen elf Jahren fand dort ein nahezu endloser Reigen an Skandalen um Korruption, Machtmissbrauch und Bereicherung statt. Es ist mit 100.000 Mitgliedern der stärkste und – weil konzentriert –auch der effektivste der Regionalverbände der PP. Die PP von Madrid teilt sich den Sitz, das Gebäude mit der nationalen PP Spaniens.

    Bis zur Übernahme durch Esperanza Aguirre waren die Madrider PP und das Präsidentenamt personell stets getrennt, weil die Machtfülle offenkundig war. Als sie die Doppelfunktion erreichte und die damit verbunden Machtfülle, da stellte sie praktisch eine Art „loose cannon“ dar in der PP, eine Gefahr für jeden PP-Präsidenten.

    Als Mariano Rajoy 2008 auf dem Nationalkongress der PP in Valencia gegen die alte Garde mühsam und unkonsolidiert an die Macht gekommen war, sah er sich unvermittelt mit der selbstbewussten und unkontrollierbaren Esperanza Aguirre konfrontiert, die damals nur aus taktischen Gründen darauf verzichtet hatte, selbst gegen Rajoy zu kandidieren. Vermutlich hält sie sich für besser als Rajoy? Sie war ab diesem Tag eine latente Gefahr für seine eher unspektakuläre Führung der Partei.

    Esperanza Aguirre ist offen, kommunikativ und nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie beherrscht „das Spiel über Bande“ mit den Medien perfekt und vertritt knüppelharte, konservative Positionen. Sie spricht derbe und unverblümt die Sprache der Madrilenen, wirkt dabei sehr spontan und ist entsprechend beliebt. Sie ist quasi ein weiblicher Franz-Josef-Strauß und entsprechend polarisierend. Man mag sie, oder man hasst sie, sogar innerhalb der PP.

    Ähnlich zu Strauß, wurde sie persönlich von den zahlreichen Skandalen unter ihrer Verantwortung bisher nicht näher tangiert…

    Aguirre hat von allen denkbaren Kandidaten der PP voraussichtlich die besten Chancen auf die Präsidentschaft der Communidad de Madrid und deshalb musste Rajoy letztlich in den sehr sauren Apfel beissen und sie nach langem Zögern nominieren.

    Diese Geschichte hat alle Zutaten um auch weiterhin spannende Fortsetzungen zu kreiieren, warten wir’s ab, Esperanza wird liefern, sie kann gar nicht anders!

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  3. almabu sagt:

    Eine der üblichen Bereicherungsformen – nicht nur in Madrid, aber hier besonders – ist es scheinbar wertloses Land zu kaufen, direkt, über Familienangehörige oder Strohleute, dass dann in zwei, drei Jahren durch Projekte, an deren zu Stande kommen man selbst wesentlich beteiligt ist, seinen Wert verzehnfacht. Beispiel: Land, finanziert mit einem Kredit über eine Million Euro und einer Laufzeit von fünf Jahren, wird nach drei vier Jahren für zehn, zwölf Millionen verkauft. Da ist dann auch noch die Vorfälligkeitsentschädigung für den vorzeitig zurück gezahlten Kredit leistbar ;-)

    Da werden sogar Bahnhöfe der Hochgeschwindigkeitsbahn TALGO nicht in die entsprechende Stadt, sondern auf die einige Kilometer entfernten „bereitstehenden Gründstücke interessierter Kreise“ gebaut, mitten in die Einöde mit ca. 70 täglichen Passagieren ;-)

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