Andalusien wählt heute, was?

Susana Díaz, amtierende Präsidentin der Junta und PSOE-Kandidatin, will vermutlich die drohende Abstrafung durch den Wähler für mehrere Korruptionsskandale so klein wie möglich halten, aber dabei geht es auch um ein politisches Stimmungsbild, das weit über die südspanische Autonomie hinausreicht. Es geht um das wahrscheinliche Ende des faktischen Zwei-Parteien-Systems von PSOE und PP in Spanien? Die PSOE hat seit 33 Jahren ununterbrochen regiert in Andalusien!

2012 wäre es der PP beinahe erstmals gelungen die absolute Mehrheit zu erreichen, aber eben nur „beinahe“ denn dazu hätten sie auch flächenmäßig in den kleinen, ländlichen Dörfern Fuß fassen müssen, was ihr am Ende nicht ausreichend gelang. Die PSOE war von ihrem Allzeithoch 50,36% in 2004 auf 39,52% abgestürzt, während die PP mit 40,66% ihr bisher bestes Ergebnis in der Autonomie errang. Dann war da noch die IU, die Vereinigte Linke mit ihren 11,34%.

Heute gibt es auf beiden Seiten des politischen Spektrums junge, schmarotzende Parteien und Gruppen, die hemmungslos dazu bereit sind in ihren eigenen politischen Lagern zu schlemmen, zu wildern. Ciudadanos (Bürger) auf der Rechten und Podemos (Wir können!) auf der Linken sind die großen Fragezeichen, da sie erstmals antreten in Andalusien. Zum Abschluss der Kampagne am Freitag füllte Podemos „locker“ das Velódrom von „Dos Hermanas“ in Sevilla, was den beiden Alt-Parteien PSOE und PP nur zu den ganz großen Anlässen gelang…

Susana Díaz für die PSOE und José Manuel Moreno Bonilla für die PP werden sich also zu einem guten Teil in Schadensbegrenzung üben, wenn gleich sie dies natürlich niemals zugeben würden. Aber anders herum ausgedrückt: Es scheint für mich vollkommen ausgeschlossen, dass diese beiden Politiker und ihre Parteien ihr 2012er Ergebnis auch nur werden halten können. Man hofft auf Wunder und so spekuliert die PSOE sogar auf Wählerstimmen aus dem Lager der PP, die zum kleineren Übel PSOE umschwenken, nur um Podemos zu verhindern!

Wer regiert dann künftig in Andalusien? Ein Hinweis könnte die Unterstützung gewesen sein, welche die PSOE kürzlich bei den verschärften Sicherheitsgesetzen, dem sogenannten Anti-Djihadismus-Gesetz, der PP-Zentralregierung des Mariano Rajoy in Madrid, leistete. Man akzeptiert und toleriert grundsätzlich eine Minderheitenregierung in den wesentlichen Punkten wie Verabschiedung des Haushaltes. Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, das den bekundeten Wählerwillen gezielt umgeht, Politik halt!

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4 Responses to Andalusien wählt heute, was?

  1. almabu sagt:

    Andalusienwahl 22-M in Zahlen:

    6.500.000 Wahlberechtigte, davon
    245.202 Erstwähler
    210.000 Auslands-Andalusier, per Briefwahl

    109 Sitze im Parlament mit fester Aufteilung in 8 Wahlbezirke:

    Almería (12); Cádiz (15); Córdoba (12); Granada (13); Huelva (11); Jaén (11); Málaga (17) y Sevilla (18).

    Absolute Mehrheit beginnt mit 55 Sitzen.

    Die 224 Wahllokale sind von 09:00 Uhr bis 20:00 Uhr geöffnet.

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  2. almabu sagt:

    Andalusienwahl:

    14:00 Uhr, Wahlbeteiligung = 33,95%

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  3. almabu sagt:

    PSOE in Andalusien offenbar „unkaputtbar“!

    Susana Díaz hat die Wahl gewonnen. Sie hat die Zahl ihrer Sitze trotz weniger Prozente (36% statt 39%) und trotz der gravierenden Korruptionsskanale gehalten. Doch sie wird einen Koalitionspartner brauchen, da die PSOE zum zweiten Mal die absolute Mehrheit verfehlte. So haben die Andalusier abgestimmt:

    109 Sitze waren zu vergeben
    055 sind die absolute Mehrheit

    63,94% (60,87%) war die Wahlbeteiligung (sehr hoch, trotz Unwetter!)
    36,06% waren Nichtwähler
    01,36% gaben einen weissen Zettel ab! (Nullvotum, aber gültig)
    01,02% wählten ungültig.

    47 Sitze (47) PSOE 35,43%, in 7 von 8 Provinzen gewonnen!
    33 Sitze (50) PP-A 26,76%, 17 Sitze verloren, schlechtestes Ergebnis!
    15 Sitze (—) PODEMOS 14,84%, erstmals dabei, Dritter!
    09 Sitze (—) CIUDADANOS 09,28%, erstmals dabei, Vierter!
    05 Sitze (11) IU 06,89%, diesmals reicht’s nicht für Koalition!

    In Madrid dürfte dieses Ergebnis in der PP große Kopfschmerzen auslösen, da Präsident Mariano Rajoy sich im Wahlkampf in Andalusien persönlich stark engagiert hatte!

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  4. almabu sagt:

    Wie immer bei Wahlen interessant auch die Anzahl der Stimmen, die es für einen Sitz im Parlament benötigt. Da gibt es krasse Unterschiede:

    47 Sitze (47) PSOE 35,43%, = 29.979 St./Sitz = 100%
    33 Sitze (50) PP-A 26,76%, = 32.247 St./Sitz = 108%
    15 Sitze (—) PODEMOS 14,84%, = 39.333 St./Sitz = 131%
    09 Sitze (—) CIUDADANOS 09,28%, 40.998 St./Sitz = 137%
    05 Sitze (11) IU 06,89%, 54.785 St./Sitz = 183%

    Die Izquierda Unida, der alte Koalitionspartner der PSOE, braucht für einen Parlamentsitz 83% mehr Stimmen, als die PSOE!

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