1. Wahlgang: Départementswahlen in Frankreich, 22. März 2015!

Was war nun das konkrete Ergebnis der Wahlen vom 22. März? Da gibt es eigentlich nur weiche Ergebnisse, politische Trends zu vermelden, da eigentliche Fakten erst nach dem zweiten Wahlgang geschaffen werden.
Aber einige Aussagen lassen sich schon jetzt treffen:

Es waren 43 Millionen Franzosen an die Urnen zur Wahl gerufen worden. Knapp die Hälfte (49,8%) folgten diesem Aufruf nicht, nur jeder zweite Franzose ging hin zur Wahl.
21,5 Millionen Stimmen wurden abgegeben, davon waren 1 Million ungültig und 20,5 Millionen wurden gewertet.

Nun wurden ja erstmals Päärchen gewählt, je ein Mann und eine Frau zusammen, die nicht einmal der gleichen Partei angehören mussten. Damit ist später im Départements-Rat die 50:50 Ausgewogenheit zwischen den Geschlechtern gewährleistet.

Fest stehen bisher eigentlich nur diejenigen Päärchen, die bereits gestern im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit direkt gewählt worden sind.

Dann kann man sagen, welche Päärchen in den zweiten Wahlgang, die Stichwahl am kommenden Sonntag gelangt sind und welchen dieses nicht gelang, die also bereits definitiv ausgeschieden sind.

Das Verhalten der Wähler in der Stichwahl ist oft von Taktik geprägt, z.B. das „kleinere Übel“ zu wählen und nicht die eigentliche Wunschpartei, wenn man damit den Sieg einer andere Partei verhindern kann.

Die folgenden Prozentsätze haben also keine direkte, unmittelbare Auswirkung. Sie sind eher als Stimmungsbild zu verstehen.

36,4% oder 7,4 Mio, UMP, UDI und andere Rechte.
28,0% oder 5,7 Mio, PS, PRG und andere Linke.
25,0% oder 5,1 Mio, FN, die Ultra-Rechten.
06,5% oder 1,3 Mio, FRONT DE GAUCHE.
02,2% oder 0,4 Mio Andere Gruppen und Parteien.

Wenn man die gesamten linken und rechten Parteien und Gruppen in politische Lager zusammenfasst und dabei die FN aussen vor lässt, dann wären die Linke und die Rechte mit jeweils 36,4% genau gleich groß! Wenn man die FN der Rechten zurechnet, was Sarkozy (der Sieger des ersten Wahlganges!) überhaupt nicht hören will, dann gäbe es nach dem ersten Wahlgang eine Zweidrittel-Mehrheit für das rechte Lager!

Ein Vergleich mit früheren Wahlen ist nur sehr bedingt möglich, durch die Päärchenbildung und durch Neuzuschnitte der Départements, bzw. der Kantone.

Fest steht aber bereits, dass die zerstrittene Linke aus ca. 500 Kantonen „rausgeflogen“ ist!

Der FN, die in Umfragen schon als größte Partei gesehen worden war, gelang es aber gestern mit 5 Mio ungefähr ihr Ergebnis der Europa-Wahl 2014 von 4,7 Mio Stimmen zu steigern, wenngleich dies nur zum dritten Platz reichte. Marine Le Pen forderte gestern Abend im TV übrigens Manuel Valls wegen seines destrasösen Ergebnisses zum Rücktritt auf! Die FN trat nur in 93% der 2054 Kantone zur Wahl an und schaffte es 5 Päärchen im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit in den Departements-Rat zu hieven! Sie gewannen l’Aisne, Haute-Marne, Doubs, Lot-et-Garonne  und in Haute-Marne.

Die PS feiert schon, nur mit einigen Schrammen davon gekommen zu sein im ersten Wahlgang. Sie könnte aber noch beträchtliche Verluste im zweiten Wahlgang der Stichwahl am 29. März erleiden, denn die Linke ist heillos zerstritten und es ist keineswegs sicher, dass sie „die Kröten“ Valls und Hollande zu schlucken bereit ist!

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2 Responses to 1. Wahlgang: Départementswahlen in Frankreich, 22. März 2015!

  1. almabu sagt:

    Bei der Stichwahl stehen in jedem einzelnen Wahlkreis mindestens zwei, manchmal drei, in einem Fall sogar vier(!) ganz konkrete Päärchen zur Wahl zur Verfügung. Da werden viele sich überwinden müssen, Hürden oder Barrrieren zu überspringen und Kompromisse zu machen.
    Beispiel:

    Wer die FN nicht will, der könnte UMP als kleineres Übel wählen?
    Wer Sarkozy nicht will, der wird wohl nicht FN wählen?
    Wer beide Rechten nicht will, der müsste den Rechten Valls wä..?
    Wer Hollande eins auswischen will, kann alles ausser PS wählen!

    Die FN wurde seit den Europawahlen 2014 medial in einzigartiger Weise „gehyped“ in Frankreich. Das hört jetzt sicher auf!

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  2. almabu sagt:

    Die Prozentangaben zu Wahlbeteiligung oder den Nichtwählern sind Durchschnittswerte von ganz Frankreich. Im konkreten Einzelfall können diese stark abweichen.

    So betrug die Wahlbeteiligung in Seine-Saint-Denis, einem Problembezirk nördlich von Paris, 28,5%, die Enthaltungen 71,5%.

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