Islamisten. Gefährliche Verbündete der CAT-SEPs?

Das Thema begleitet den katalanischen Separatismus (CAT-SEP) zwar prinzipiell schon länger, in den letzten Tagen und Wochen hat es sich aber real, rhetorisch, politisch-medial und polemisch zugespitzt.

Es geht um den Vorwurf von Madrid, dass die separatistischen Katalanen islamische Einwanderung nach Katalonien besonders gefördert und unter diesen Einwanderern besonders für ihre Zwecke geworben hätten.

Der unterstellte Hintergedanke: Diese Menschen sprächen weder Spanisch, noch fühlten sie sich Spanien, seiner Kultur und Geschichte verbunden und könnten deshalb schnell zu neuen Katalanen und damit zu CAT-SEP’s werden.

NOU CATALANS (1) heisst folglich der Verein, der mit Unterstützung der Generalitat unter den – hauptsächlich – Nordafrikanern aktiv für die Integration im Sinne der Separatisten wirbt. Speziell für diese Zielgruppe war das Wahlrecht bei Catalunyas Fake-Referendum so geändert worden, dass diese Einwanderer nach einem Jahr wahlberechtigt und damit Spaniern und Katalanen vollständig gleichgestellt waren in dieser iberischen Schicksalsfrage! Kein Wunder, dass Madrid dies nicht gerne sah. Man stelle sich einmal vor, Madrid ließe ein paar hunderttausend Chinesen einfliegen nach Barcelona, diese ein Jahr subventionieren und dann (ganz legal!) für den Verbleib Kataloniens in Spanien stimmen? Das Geschrei der Katalanen würde man bis nach Deutschland hören…

Die spanische Rechte wirft den CAT-SEP’s deshalb den Ausverkauf Kataloniens an die Araber vor und bedient damit latente alte Ängste einer Re-Reconquista der iberischen Halbinsel , diesmal durch den Islam und nicht von Süden, von Gibraltar her, sondern von den Großräumen Barcelona und Madrid ausgehend. Jüngst machte in der Ultra-Rechten Zeitung „LA RAZON“ ein Artikel über die CAT-SEP’s Furore, der in einer Art ‚Fake-Arabisch‘ geschrieben war und die Zukunft eines unabhängigen Kataloniens und dieses ‚Fake-Arabisch‘ als die zukünftige neue Sprache der Katalanen darstellen sollte. Polemik pur zwar, aber es wird darüber geredet…

Bekanntlich hat die Strategie bisher nicht funktioniert, denn trotz dieser Migranten-Unterstützung haben im November  nur ein Drittel der Wahlberechtigten, nämlich 80% der 40% der Wahlberechtigten, die an dieser Wahl teilgenommen haben, die Separatisten gewählt.

Nun gab es Festnahmen von Djihadisten im Metropolitan-Raum Barcelona. Nun wird in den Medien eine akute islamistische Gefahr beschworen und vor allem, nun wird die Schuldfrage gestellt. Es wurde angeblich Fotos von Sehenswürdigkeiten Barcelonas gefunden, die explizit unter deren strategischen Eignung für Anschläge aufgenommen worden seien und es soll Pläne gegeben haben eine Person in Spanien zu entführen, in einen der berüchtigten orangen Overalls zu kleiden und öffentlich á la IS zu enthaupten.

Die Katalanen werfen Madrid vor, nicht ausreichend über die Gefährdungslage informiert worden zu sein. Madrid wirft den CAT-SEPs gefährliche, unkritische Nähe zu Islamisten vor. Die autonome katalanische Polizei, die Mossos d’Esquadra, räumt mangelnde Koordination, Abstimmung und Information mit den nationalen Polizeien der Policía Nacional und der Guardia Civil ein. Alle schieben sich gegenseitig die Schuld an den Zuständen zu…

Die Gesetze sehen die Zuständigkeit Madrids für ALLE grenzüberschreitenden internationalen  Polizei- und Geheimdienstkontakte vor. Die Katalanen hingegen fordern, natürlich nicht ohne CAT-SEP-Hintergedanken, direkte Kontakte ihrer Mossos zu internationalen Polizeien und Geheimdiensten, eine faktische Anerkennung auf der Arbeitsebene sozusagen.

Tatsache ist, dass Madrid auf Hinweis seines Geheimdienstes vor über einem Jahr einen führenden Aktivisten von NOU CATALANS wegen „unerlaubten“ (geheimdienstlichen) Aktivitäten und wegen Salafismus unter Protest der CAT-SEP’s des Landes verwiesen hat. Ähnliches war dem mann zuvor schon in Belgien widerfahren. Ein Vorwurf Madrids an die Katalanen aus jüngster Zeit lautet, dass sich Vertreter der Generalitat de Catalunya mit diesem Islamisten in Nordafrika getroffen und Gespräche geführt hätten.

Inzwischen hat Barcelona erstmals eine Dienstvorschrift für die Mossos über den Umgang mit djihadistischen Personen, Gruppen, Ereignissen erstellt in der für jeden Mosso in jeder Lage und Situation der Umgang mit der islamistischen Gefahr geregelt wird. Das Innenministerium in Madrid hat u.a. die Bedrohungstufen neu geregelt. Bisher gab es vier Stufen mit jeweils drei Unterstufen, also 12(!) verschieden Stufen der islamistischen Bedrohung! Künftig wird es fünf Stufen der Bedrohung geben, ohne Unterstufen. Schöne Beispiele für die manchmal wahnwitzige spanisch/katalanische Bürokratie ;-)
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(1) http://www.nouscatalans.cat/

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2 Responses to Islamisten. Gefährliche Verbündete der CAT-SEPs?

  1. almabu sagt:

    Die Generalitat de Catalunya räumt inzwischen den Vorwurf von Madrid ein, dass sich ein hoher Mitarbeiter von Artur Mas am 15. Juni 2014 mit dem radikalen Islamisten Nouredinne Ziani in einem Hotel in Rabat, Marroco zu Gesprächen getroffen habe! Das Treffen sei zufällig und von kurzer Dauer gewesen.

    Ziani war ein Jahr zuvor auf Initiative des spanischen Geheimdienstes CNI aus Spanien ausgewiesen worden.

    Nouredinne Ziani war der Präsident der Union islamischer Zentren in Katalonien, UCCIC, Salafist, und arbeitet sehr eng mit der Stiftung NOU CATALANS zusammen. Wie heisst es doch so schön, „der Feind meines Feindes ist mein Freund“?

    Artur Mas sagte, im Parlament von Albert Rivera, C’s offiziell auf das Treffen angesprochen, er habe von dem Kontakt nichts gewusst…

    Die Generalitat de Catalunya versucht seit Jahren die ca. 400.000, meist nordafrikanischen, Muslime in Catalunya mit Geld und geldwerten Vorteilen für ihr CAT-SEP-Projekt zu gewinnen. Sie entsprechen rund 5% der Bevölkerung der Autonomie.

    Das spanische Innenministerium will die Generalitat seit 2012 vor den Salafisten gewarnt haben, deren erklärtes Ziel es sei, ein Kalifat in Catalunya zu errichten, von dem aus der Islam das restliche Spanien erobern könne, die sogenannte islamische Re-Reconquista…

    Nach dieser Argumentation müsste Madrid eigentlich die Katalanen so schnell wie möglich los werden wollen und eine hohe Mauer oder Zäune á la Melilla und Ceuta um die Autonomie errichten um die Salafisten aus Spanien fern zu halten ;-)

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  2. almabu sagt:

    Reus, Torredembarra, Vilanova i la Geltrú und Salt…

    Etwa 1.264 bekannte Moscheen befinden sich in Spanien. Davon sind 98 als salafistisch bekannt. Über 50 von ihnen befinden sich im kleinen Katalonien…
    Dies ist kein Zufall, das hat Gründe! Diese haben mit der proaktiven Haltung der Generalitat de Catalunya zur muslimischen Einwanderung in die Autonomie zu tun. Sie tat dies nicht aus Nächstenliebe, sondern um „Stimmvieh“ für ihren separatistischen Kampf gegen Madrid zu erzeugen, um „neue Katalanen“ zu züchten.

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