Artur Mas grübelt: „Wer die Wahl hat, hat die Qual!“

Artur Mas relativiert den Vorschlag „der Liste ohne Politiker“ für die angekündigte, jedoch noch nicht verbindlich vereinbarte Autonomiewahl des 27-S, die er ohne über die entsprechende Kompetenz zu verfügen, zum Plebiszit für die Unabhängigkeit Kataloniens umfunktionieren möchte.

Man müsse das alles genau prüfen, ob es der Sache wirklich diene, und ob die Liste ohne Politiker am Ende nicht mehr Probleme schaffe, als sie löse? (Ich hätte es selbst zwar kaum für möglich gehalten, aber hier stimme ich ihm einmal ausdrücklich zu;-) Mas drückt es bloß anders aus: „Man müsse ihn erst einmal davon überzeugen, dass die Politiker der Sache, dem hohen Ziel der Unabhängigkeit, mehr Schaden als Nutzen!“

Ich sagte ja bereits, dass SELBST WENN man die Wahl des 27-S als Unabhängigkeitsplebiszit betrachtet, trotzdem mit dieser Wahl gleichzeitig eine rechtmäßige Autonomie-Regierung gewählt wird, die ja wohl kaum aus politischen Laien und Amateuren bestehen kann? So wird jetzt schon von interessierten Kreisen eine sofortige Neuwahl nach dem 27-S ins Spiel gebracht, das Kasperletheater nähme dann eine neue Dimension an..

Mas kündigte an, in den kommenden Tagen wieder einmal einen CAT-SEP-Gipfel abzuhalten mit den entsprechenden Parteien und ihren zivilgesellschaftlichen Ablegern ANC, OMNIUM CULTURAL und AMI. Man bleibt unter sich. Der Rest der Katalanen bleibt wie üblich ausgeschlossen, wie Mas ja schon seit Jahren nur noch die CAT-SEP’s bedient und sein Präsidentenamt, zuständig für ALLE Katalanen, permanent missbraucht.

Er wolle wissen, wer aktiver Politiker sei und es in Zukunft auch bleiben wolle und wer, wie er, zu diesen Wahlen letztmalig (na komm‘ schon Artur, einmal noch!) antreten wolle.

Für diesen CAT-SEP-Basar bleiben also maximal drei Wochen Zeit, da er spätestens am 3. August die Wahl verbindlich ausschreiben muss um den Termin 27-S einhalten zu können. (Bei Uneinigkeit, muss er leider, leider den Wahlgang verschieben und so seine Legislaturperiode erstmalig zu Ende bringen, wie es sein CiU-Ex-Partner Unió stets gefordert hat!)

Die ganze Macht von Artur Mas liegt also derzeit in seiner Alleinstellung, die Wahl zum 27-S ansetzen oder verhindern zu können. Dazu gehört auch das konsequente Offenhalten der Frage, ob er, der Messias Artur Mas, den separatistischen Teil seiner Katalanen überhaupt in die gelobte, verklärte Unabhängigkeit führen will, oder ob er so scheinbar kurz vor dem Ziel großzügig einem Anderen den Vortritt lässt?

NACHTRAG:
Die katalanischen Kampfnonne im Sabat-Jahr, Teresa Forcades, fordert, inzwischen von ihrem maritimen Unwohlsein genesen, ZWEI aufeinander folgende Wahlen am 27-S: Die ERSTE sei das plebiszitäre Referendum zur Unabhängigkeit und die ZWEITE sei die eigentliche Autonomiewahl der Regierung, die die Unabhängigkeit gegen Spanien durchsetzen solle. Nur dann könne man eine Liste der Zivilgesellschaft OHNE Politiker präsentieren. Das impliziert aber, daß auch Forcades das Täuschungsmanöver des Artur Mas mitzugehen bereit ist, eine Autonomiewahl anzusetzen, die aber keine sein soll, sondern DAS ersehnte Plebiszit, weswegen die eigentliche Autonomiewahl hinterher, als Extra-Wahl, nachgeschoben werden soll, dann aber mit den „echten, korrupten, erfahrenen Politikern“.

Wenn Mas nun die zweite, die Autonomiewahl verhinderte, dann könnte er sozusagen kommissarisch im Amt bleiben bis zur Unabhängigkeit? Das würde ihm so gefallen, wetten?

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PS: Der Polit-Autist in Madrid könnte allerdings bei der Aufteilung des 27-S in zwei hintereinander gestaffelte Wahlen, von denen erst die zweite die eigentliche Autonomiewahl sein soll, auf die naheliegende Idee kommen, die erste Wahl, das PLEBISZIT nach bewährter Art per Verfassungsgericht verbieten zu lassen, wegen… genau, wegen fehlender Kompetenz der Generalitat de Catalunya! Ay, pobre Arturito;-)

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8 Responses to Artur Mas grübelt: „Wer die Wahl hat, hat die Qual!“

  1. almabu sagt:

    Artur Mas kann es nicht lassen, es ginge gegen seinen Charakter, der egomanisch, destruktiv spalterisch und stets taktierend ist. Jetzt erpresst er die anderen CAT-SEP-Parteien mit seiner exklusiven Möglichkeit am 27-S Wahlen auszurufen, oder eben nicht:

    “Soy el único que puede convocar estas elecciones, y cualquier cosa no la haré”, dijo anoche antes de añadir que no propiciará un “un escenario que no vea que es suficientemente sereno como para que podamos hacer las cosas que tenemos que hacer”. Así, el presidente catalán aseguró que no piensa llegar a las elecciones de septiembre si el soberanismo no es capaz de convertir las elecciones autonómicas en un plebiscito sobre la independencia. (EL PAÍS)

    „Ich bin DER EINZIGE, der diese Wahlen ausrufen kann und „einfach irgend etwas“ werde ich nicht tun“, sagte er gestern Abend und fügte hinzu, „dass er keine Szenarien unterstützen würde, die er nicht für seriös genug halten würde, die Dinge zu tun, die getan werden müssten!“

    Der CAT-SEP-Präsident versicherte, „dass er nicht denke, dass es Wahlen gäbe im September, wenn der Seperatismus nicht in der Lage sei, die Autonomiewahlen Kataloniens in ein Plebiszit über die Unabhängigkeit umzuwandeln!“

    In diesen Forderungen und offenen Erpressungen steckt einiges drin, was als Aussetzen der Wahlen interpretiert werden könnte und Artur Mas noch ein – wenn auch schwieriges – Jahr an der Spitze der Generalitat de Catalunya verschaffen würde, bevor er dann „in Schimpf und Schande“ vom Acker gejagt werden würde…
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    Hier die drei Haupt-Akteure von CDC, ERC und CUP, deren (Un)einigkeit man sogar ohne spezielle Kenntnisse der katalanischen Sprache erahnen kann;-)

    http://www.elperiodico.com/es/videos/politica/enredo-soberanista/3469400.shtml

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  2. almabu sagt:

    Erinnerungen an ein internationales Barcelona ohne engstirnige Pyrenäenseitentäler-Separatisten, wenngleich diese konkrete Aufnahme aus Bayonne, Frankreich stammt:

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  3. almabu sagt:

    Das fängt ja gut an!
    Artur Mas hatte seine CAT-SEP Verbündeten von ERC, CUP, ANC, Òmnium Cultural und AMI am Mittwoch Abend in einem längeren Interview in der TV-Sendung 8aldia von 8tv für Freitag Nachmittag zu einem Separatistengipfel einbestellt, ohne allerdings zunächst Ort und Zeit zu nennen. Diese lieferte er erst im Laufe des Donnerstags im katalanischen Parlament nach.

    Es überrascht bei dieser brüsken Form der Einladung dann nicht mehr, dass die Geladenene aus Termingründen absagten und der Gipfel auf die kommende Woche, wiederum ohne Datum, Ort und Zeit zu nennen, verschoben wurde.

    Da die CUP für eine Einigung ein Limit bis zum 18. Juli nannte, bleiben faktisch anstatt der ursprünglich von mir genannten drei Wochen bis zum 3. August, weniger als eine Woche für diese Einigung…
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    http://www.8tv.cat/8aldia/videos/artur-mas-dimecres-a-lentrevista-amb-josep-cuni/

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  4. almabu sagt:

    Endlich hat man auch in Madrid das Spektakel der CAT-SEP’s in Barcelona wahr genommen und kommentiert.

    Die neue Vize-Sekretärin für Studien und Programme, Andrea Levy hat Artur Mas vorgeworfen mit seinem „Listentheater“ die Katalanen davon abhalten zu wollen, seine Regierungsarbeit der letzten vier Jahre zu beurteilen am 27. September, wenn es denn überhaupt zu dieser Wahl komme?

    Dies sei überhaupt noch nicht klar, denn jeder Tag biete schließlich neue überraschende Wendungen bei Artur Mas..

    Da hat Andrea Levy den Nagel „auf den Kopf getroffen“!

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  5. almabu sagt:

    Die Sprecherin der Ciutatans (C’s), Inés Arrimadas warf Artur Mas vor, sich hinter den separatistischen Gruppen der „Zivilgesellschaft“ wie ANC und OMNIUM CULTURAL zu verstecken, denn er wisse dass seine CDC beschmutzt sei von Korruption und außerdem habe er weder ein Programm noch ein Team ein solches Programm umzusetzen. Politiker zu sein, das sei weder schändlich noch unehrenhaft und alle Politiker der C’s kämen aus der Zivilgesellschaft und hätten einen Beruf in dieser. Die Politiker müssten das Vertrauen der Bürger zurück gewinnen um die Dinge wieder zu verbessern.

    Die C’s hätten ein klares Projekt und ein Team und sie würden sich hinter niemanden und keiner zivilgesellschaftlichen Organisation verstecken!

    Mas würde diese Listen-Strategie fahren um die schlechte Bilanz seiner Regierungsarbeit sowie die grassierende Korruption von CiU und der CDC zu verschleiern!

    Mas hätte vor Jahren mutwillig aufgegeben, der Präsident ALLER Katalanen zu sein und müsse jetzt dafür die Konsequenzen tragen.

    Zum geplanten CAT-SEP-Gipfel sagte sie, man müsse jetzt damit aufhören Fotos zu machen und Zeit zu verschwenden, denn so löse man die Probleme der Katalanen nicht!

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  6. almabu sagt:

    Ob Artur Mas auf seiner Liste gesellschaftlicher Persönlichkeiten Kataloniens auch seinen Mentor, den „el Molt Despreciable“ Jordi Pujol i Soley aufgelistet hat und an welcher Stelle, oder gar den ganzen Pujol-Clan mit Marta und den sieben Zwergen?

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  7. almabu sagt:

    David Fernandez von CUP, der kleinsten CAT-SEP-Partei, sagt in „El matí de Catalunya Ràdio“ man dürfe nicht mit den Listen spielen und die Frage dürfe sich nicht darauf reduzieren, ob Artur Mas in der Liste stünde oder nicht, denn dies sei kein Referendum über Artur Mas, sondern über die Unabhängigkeit Kataloniens und täte man dies trotzdem würde man den „Prozess zerstören“. Diese Aussage, an Artur Mas und die CDC gerichtet, tätigte er über Radio in der Öffentlichkeit, ebenso wie Mas am Mittwoch seine missglückte Vorladung der CAT-SEP’s zu Freitag Nachmittag. Man spricht weniger miteinander, als öffentlich über Radio und TV übereinander. Eine typische CAT-SEP-Krankheit von Anbeginn an…

    Die Vertagung des Gipfels auf nächste Woche habe CUP offiziell beantragt, denn einerseits habe man Terminprobleme und andererseits habe man auch die Forderung dass diese Treffen diskret sein sollten und es keine Durchstechereien von interessierter Seite an die Medien gäbe. Mit bestimmten Formaten von Treffen könne CUP nicht arbeiten, denn es müsse Vertraulichkeit gewährleistet werden und Differenzen und Unterschiede „online“ in die Medien zu bringen würde nicht zum Gelingen der Verhandlungen beitragen! Welchen Politiker und oder welche Partei David Fernàndez damit wohl meint?

    CUP sei für eine Liste völlig ohne Politiker für das Plebiszit und in dreieinhalb Monaten solle, dann wieder mit den bewährten (berühmt-berüchtigten?) Politikern eine echte, unabhängige katalanische Regierung gewählt werden.

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    Einwand: Bei einer Wahl die offiziell etwas anderes ist, als eine katalanische Autonomiewahl, böte man Madrid meiner Meinung nach die Handhabe, die Wahl wegen ihres verfassungswidrigen Charakters gerichtlich verbieten zu lassen?

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  8. almabu sagt:

    Der Karrikaturist FERRERES bringt es in EL PERIÓDICO wieder einmal auf den Punkt:
    http://www.elperiodico.com/es/opinion/humor/ferreres-12-07-2015/76816.shtml?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=elPeriodico-ed07h

    Auf der Bühne des Separatistentheaters findet vor den staunenden Katalanen (von Links nach Rechts) die übliche Aufführung statt:

    Artur Mas, CDC: „Eine zivile Einheitsliste MIT dem Präsidenten!“
    Oriol Junqeras, ERC: „..Einheitsliste OHNE Politiker!“
    Muriel Casals, OC: „Wenn es keine Einheitsliste ist, dann haben wir nichts damit zu tun!“
    ???*, ANC (sprachlos!)
    CUP: Eine Kandidatur des Bruchs mit Spanien, aber ohne Parteien!“
    JA Duran Lleida, UDC (nur halb beteiligt in der Kulisse stehend): „Das alles ist lächerlich und in Europa versteht man es nicht!“

    Zuschauer im Publikum: „Ich hab’ schon vor einer Weile den Überblick verloren. Man muss doch nur in der Meridiana (eine Hauptstraße Barcelonas) wählen, ohne daß man von der Guardia Civil gesehen wird!“
    ____
    *Wurde der ANC bis Mai 2015 von der omnipräsenten Carme Forcadell geleitet, so ist ist Nachfolger Jordi Sánchez nahezu unsichtbar!

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