Separatisten-Kita in CAT-SEP-Propaganda 8TV!

Es war eine merkwürdige Gruselveranstaltung die 8tv ein katalanischer, dem Separatismus verbundener Privatsender in Barcelona, der über die Grupo Godo mit der LA VANGUARDIA verbunden ist, gestern Abend um 21:45 Uhr sendete. Das Gespräch war am Mittag aufgezeichnet worden. Vor der Sendung wurde die Spannung dadurch erhöht, dass in der rechten Hälfte eines geteilten Bildschirmes die beiden Protagonisten des Abends, der spanische Außenminister José Manuel García-Margallo und die Nummer 5 der Liste JUNTS PEL 3%? SÍ! und Parteiführer der ERC, Oriol Junqueras beim Anmarsch, ihrer Begrüßung und beim Schminken gezeigt wurden als stiegen sie zu einem Boxkampf in den Ring, während in der linken Bildhälfte eine Nymphe des katalanischen Victimismus mit weinerlicher Stimme laut jammerte und klagte, wie schlecht die Spanier die Katalanen doch behandelten. Ich habe selten so einen Gehirnwäsche-artigen Propaganda-Auftakt gesehen!

Das Gespräch der beiden –  nicht nur politischen – Schwergewichte verlief aber durchgehend höflich und fair, was den gegenseitigen Umgang betraft und es verlief, worauf entschuldigend hingewiesen wurde, in der Fremdsprache Spanisch! So wie der Sender 8tv und seine Moderatoren sich vorher positionierten, habe ich eigentlich mit Untertiteln in katalanischer Sprache gerechnet, darauf wurde aber dann doch großzügig verzichtet.

Das Gespräch war inhaltlich eine Enttäuschung, denn es wurden nur die alten, inzwischen sattsam bekannten, Argumente beider Seiten ausgetauscht. Nur eine Sache war neu und zugleich vollkommen absurd. In einem kürzlichen Interview des spanischen Ministerpräsidenten Rajoy hatte der ihn befragende Journalist Rajoy auf dem falschen Fuß erwischt und diesen damit konfrontiert, dass nach spanischem Recht und Gesetz die spanische Staatsbürgerschaft einem im Ausland lebenden Spanier nicht gegen seinen Willen aberkannt werden könne. Rajoy hatte dies abgewimmelt, sah dabei aber nicht gut aus.

Nun vertrat einer der obersten Protagonisten der CAT-SEP’s, Oriol Junqueras, gestern Abend die Position, daß die rund 1,8 Millionen Spanier, die sich als katalanische Separatisten verstehen, die 7,5 Millionen Spanier, die in Katalonien leben quasi als Geiseln nehmend, den einseitigen Bruch, die Sezession von Spanien „demokratisch“ betreiben können, einen katalanischen Staat gründen, dabei ihren Anteil an den spanischen Staatsschulden nicht übernehmend, jedoch spanische Renten kassierend und auch in Zukunft pünktlich erwartend, dabei dennoch ihre spanischen Pässe behalten zu können, Dank derer sie ja auch in jedem Moment des Prozesses bequemerweise Mitglieder der EU mit allen damit verbundenen Rechten bleiben würden. Natürlich könnten diese 7,5 Millionen Katalanisch-spanischen Doppelstaatler auch künftig per Briefwahl die Geschicke ihres „feindlichen“ Nachbarlandes Spanien mitbestimmen. (Ich habe das hier jetzt bewusst überspitzt formuliert, die einzelnen vorgebrachten Argumente sind jedoch alle so zutreffend Positionen der CAT-SEP’s!) Nur ein Punkt blieb offen: Artur Mas will „seinen“ katalanischen Staat ja auch als Mitglied der NATO sehen. Spanien hat aber bereits eine Armee, die Mitglied der NATO ist. Da müssten die Doppelstaatler dann wenigsten in diesem Falle einmal den katalanischen Pass zücken? In der EU übrigens, würden dem neuen katalanischen Staat mindestens(!) das Amt eines EU-Kommissars und rund ein Dutzend EU-Abgeordnete zustehen!

Das war an Groteske nicht zu überbieten und weil es substantiell nichts Neues zu hören gab, habe ich mir den Rest erspart und abgeschaltet…

CAT-SEP-Baumwurzel

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3 Responses to Separatisten-Kita in CAT-SEP-Propaganda 8TV!

  1. almabu sagt:

    Das katalanische Separatismus-Projekt in einem Satz:

    Rund 1,8 Millionen Spanier, sich als katalanische Separatisten verstehend, streben, die restlichen der insgesamt 7,5 Millionen Spanier in Katalonien quasi als Geiseln nehmend, den einseitigen Bruch, die Sezession von Spanien “demokratisch” betreibend, einen katalanischen Staat gründend, ihren Anteil an den spanischen Staatsschulden nicht übernehmend, jedoch spanische Renten kassierend und auch in Zukunft pünktlich erwartend, dabei gleichzeitig ihre spanischen Pässe behaltend, Dank derer sie in jedem Moment des Prozesses Mitglieder der EU mit allen damit verbundenen Rechten sein würden, wobei diese 7,5 Millionen katalanisch-spanischen Doppelstaatler auch künftig per Briefwahl die Geschicke ihres “feindlichen” Nachbarlandes Spanien mit zu bestimmen in der Lage wären.

    Verstanden? Alles klar? Das ist „der Prozess“, der Plan…

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  2. ich sagt:

    der wahlkampf von euch Unionisten hat mir sehr gut gefallen. Der kompetente Auftritt von Rajoy bei Onda Cero, Fernandez Diaz, der die Szenen auf dem Rathausbalkon mit der ETA vergleicht und einem der friedlichsten Unabhängigkeitsprozesse, den es jemals weltweit gegeben hat mit Terrorismus assoziiert. Der Banco de Espana Präsident, der sich selbst widersprechen muss aus Angst vor der Reaktion der Märkte, die Manipulation bei der Übersetzung der Antwort der EU-Kommission, die Margallo gestern noch bei der Diskussion vorgetragen hat. Die Aussagen von Pedro Sanchez, dass es mit der PSOE kein demokratisches Referendum über die Unabhängigkeit Catalunyas geben wird. Pablo Iglesias, der ethnozentrisch argumentiert im Gegensatz zu den Unabhängigkeitsbefürwortern. Dazu die gesamte Angstkampagne, anstatt Vorschläge für eine Verbesserung des Fiskalpakts, den Mittelmeerkorridor oder einem zukünftigen Spanien als föderalen Vielvölkerstaat zu machen.

    Wenn das am Sonntag nicht klappen sollte, lag es meiner Meinung nach sicher nicht am Wahlkampf der Gegenseite. Bin doch relativ optimistisch, dass diese Strategie der Unionisten gepaart mit den Diffamierungen der Katalanen, die in den sozialen Netzwerken oft ähnlich aussehen wie in diesem Blog, dem Unabhängigkeitslager mehr in die Karte gespielt hat als wenn man sich auf konstruktive Vorschläge konzentriert hätte, wie der spanische Föderalismus in Zukunft besser funktionieren könnte. Schlecht ist natürlich, dass die spanischen Botschaften es vielen Auslandskatalanen, die weniger prominent sind als Pep Guardiola schwer gemacht haben an die Wahlunterlagen zu kommen, während es für die Auslandssoldaten kein Problem darstellte. Aber was will man erwarten beim Zustand der spanischen Demokratie?

    Bin schon so nervös wie sonst vor einem Champions League Finale mit Barça Beteiligung. Da hatten wir ja alle gewonnen in den Zeiten, die ich bewusst miterlebt hatte außer Athen 1994. Würde auch ganz gut passen, wenn ich demnächst dann Barça noch mit halben Auge verfolge in der katalanischen Liga und dafür mit Catalunya endlich eine Nationalmannschaft hätte, die ich wirklich unterstützen kann. Ich war ja nie wirklich gegen die DFB-Elf, aber konnte mich nie wirklich dazu durchringen mit schwarz-rot-goldener Schminke zu den Public Viewings zu gehen aus verschiedenen Gründen. Katalanische Liga hätte außerdem auch interessante Aspekte, auch wenn Barça dann europäisch nur noch ein Provinzverein wäre. Aber die Seele des Vereins hat man leider eh schon die letzten Jahre durch den Qatar-Deal und andere Sachen zerstört.

    Insgesamt bin ich aber immernoch sehr skeptisch, was den Erfolg des Prozesses angeht, auch wenn mir euer Wahlkampf Hoffnung gemacht hat. Diesen Umfragen traue ich auch nicht. Hatte das mit den Zeitungsartikel am Wochenende nach der Diada 2014 erlebt, als es hieß das Yes führe in Schottland.

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  3. ich sagt:

    Denke übrigens auch, dass den Einwohnern Kataloniens, die keine rassistischen Bemerkungen über Moros machen und einen positiven Nationalismus leben wie diese Protagonisten
    http://www.naciodigital.cat/noticia/44304/ultres/protagonitzen/celebracio/roja/barcelona
    erlaubt würde für Spanien zu sein in einem hypothetischen WM-Duell zwischen Spanien-Katalonien. Gut franquistische und neonazistische Symbole wären sicherlich verboten, aber so wie ich Catalunya erlebt habe bei allen meinen Aufenthalten, glaube ich nicht, dass irgendjemand Angst haben müsste an so einem Tag mit einem Trikot der Furia Roja gesehen zu werden auf der Straße.
    Wie gesagt meine Überzeugung ist, dass die Leute, die gegen die Unabhängigkeit Catalunyas sind und votieren in einem unabhängigen Staat viel besser behandelt würden als die ethnischen Russen heutzutage im EU-Staat Lettland.

    Aber nunja, ich kann natürlich auch nicht in die Zukunft blicken und zum anderen bin ich wie gesagt immernoch skeptisch, dass wir jemals an diesen Punkt gelangen werden.

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