Artur Mas ehrt Lluis Companys und knüpft so an Bürgerkriegsgreuel an!

Heute war der Tag der Vernehmung des katalanischen Interims-Präsidenten Artur Mas durch das Oberste Katalanische Gericht TSJC zu den Vorwürfen wegen der Planung und Durchführung des illegalen Referendums vom 9. November 2014.

Die Nationalkatalanisten lamentierten in erprobtem Victimismus, dass dies auch der 75. Jahrestag der Erschiessung eines seiner Vorgänger, Lluís Companys, durch die Franco-Truppen und gewiss kein Zufall sei.

Die Straße, in der das TSJC liegt, ist nach diesem Lluis Companys benannt. Noch so ein geplanter Zufall?

Am Morgen vor seiner Vernehmung durch das Gericht, hatten Artur Mas noch einen Kranz niedergelegt am Ort der Hinrichtung im Wallgraben der Festung Montjuïc, hoch über dem Hafen von Barcelona.

Für die Nationalkatalanisten ist Lluís Companys i Jover (* 21. Juni 1882 in El Tarròs; † 15. Oktober 1940 in Barcelona) ein Opfer und ein Vorbild, ein Kämpfer für ein freies Katalonien. (Siehe dazu der Link am Fuß des Artikels!)

Aber er war in seinen verschiedenen Funktionen und Etappen seines politischen Lebens auch ein Akteur und Massenmörder an Katalanen, dazu natürlich kein Sterbenswörtchen von Artur Mas & Co…

Er hat sich mit einem Staatsstreich am 6. Oktober 1934 an die Macht gebracht, der in den ersten zehn Stunden 107 Opfer kostete. Er ließ den Pöbel bewaffnen und in Barcelona wüten.

Er ließ am 26. Juli 1936 per Dekret die Antifaschistischen Milizen Catalunyas gründen, die für Folter und Tod Tausender (zumeist Katalanen) verantwortlich waren.

Er hat Polizeichefs und Autonomie-Minister eingesetzt die unvorstellbare Gräueltaten zu verantworten hatten.

Er ließ Eigentum der Kirche beschlagnahmen und über 500 Fabriken enteignen.

Unter seiner Verantwortung und in seinem Namen wurden über 8.000 (zumeist) Katalanen (zumeist) ohne Gerichtsverfahren hingerichtet, ermordet. Er ließ Männer, Frauen und Kinder, darunter Priester, Nonnen und Journalisten ermorden und Konzentrationslager einrichten, in denen grauenhafte Zustände herrschten.

Er war für die größte religiöse Verfolgung Spaniens seit dem Mittelalter verantwortlich der 4 Bischöfe, 1.536 Priester (ein Drittel aller Priester Kataloniens!) und tausende Katholiken zum Opfer fielen. Er verbot die Katholische Religionsausübung und ließ 7.000 religiöse Gebäude, Kirchen und Kapellen zerstören. Darüber ließ er sich sogar Stolz gegenüber einer französischen Zeitung aus „Die Frage einer Restauration des Katholizismus stelle sich nicht, da alle Kirchen zerstört worden seien!“

Er ließ Teile des katalanischen Kunst- und Kulturgutes zerstören und die weltberühmte Kirche des Architekten Antoni Gaudí, die Sagrada Familia in Barcelona, anzünden…

Zugegeben, es waren Bürgerkriegszeiten in Spanien und Katalonien. Bei diesem Bürgerkrieg hat Lluis Companys aber entscheidend mitgewirkt. Er war in seinem Leben abwechselnd Täter und Opfer. Er floh nach Frankreich als das Blatt sich gegen die Republik wendete, wurde dort nach Einmarsch der Deutschen verpfiffen und von diesen an Franco ausgeliefert. Der ließ ihn monatelang durch verschiedene Haftanstalten schleppen, foltern und nach der Farce eines eintägigen Kriegsgerichtsprozesses hinrichten.

Diese letzte Etappe seines Lebens macht ihn zum Idol der Nationalkatalanisten, besonders der ERC, die mit seinem sonstigen Wirken offenbar keine Probleme haben. Artur Mas knüpft mit dieser Ehrung ganz bewusst an den Spanischen Bürgerkrieg an und versucht eine durchgehende Linie zu seinem Amtsvorgänger herzustellen. Das läßt die angeblich demokratisch geprägten Ansichten und Aktionen der CAT-SEP’s dann doch in einem etwas anderen Licht erscheinen?

Die im Grunde bis heute unaufgearbeitete Geschichte des spanischen Bürgerkrieges und seiner Gräuel in der spanischen Gesellschaft, sowie die Unfähigkeit zum Kompromiss und zur Einhaltung von Gesetzen und Strukturen durch die Protagonisten sowohl des Nationalkatalanismus als auch der zentralistischen politischen Kräfte und Parteien machen den „(Unabhängigkeits-)PROZESS“ der Katalanen zu einer potentiellen Zeitbombe, deren Zünder Artur Mas heissen könnte?
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https://de.wikipedia.org/wiki/Llu%C3%ADs_Companys_i_Jover

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4 Responses to Artur Mas ehrt Lluis Companys und knüpft so an Bürgerkriegsgreuel an!

  1. almabu sagt:

    Zum Verfahren vor dem TSJC selbst:

    Die drei Befragten verfolgten an unterschiedlichen Tagen die gleiche Strategie.

    Wie arabischen Familienclans erschienen sie mit großem Gefolge vor Gericht. Vor dem Gericht lärmten tausende Unterstützer. Das ist wohl ein super-demokratisches Zeichen der grundsätzlichen Akzeptanz der Gewaltenteilung durch die Autonomie-Politiker?

    Die katalanische Polizei, die Mossos nahmen teilweise Angesichts der Befragten ehrerbietig Haltung an!

    Die CAT-SEP’s gaben eigene Erklärungen ab, die von demokratischen Rechten nur so durchdrungen waren.

    Sie erklärten sich im Sinne der Anklage für unschuldig, da sie nur superdemokratisch die Stimmung der Straße aufgenommen hätten und das konkrete Farce-Referendum sei dann von unbekannten Freiwilligen durchgeführt worden.

    Sie antworteten nur auf Fragen des Vorsitzenden Richters, der als einer der Ihren gilt. Andere Fragen beantworteten sie nicht.

    Sie hielten alle ungefähr den Zeitrahmen von einer Stunde ein, dann durften sie wieder gehen, nicht ohne die Unparteilichkeit des höchsten Katalanischen Gerichtes TSJC in Frage zu stellen.

    Nebenkläger wurden vor dem Gericht bedroht.

    Dann wurde wieder vor dem Eingang der Gerichtes in Siegerpose der rechte Arme gestreckt empor gerissen, nach Art des Nationalkatalanismus, der uns Deutschen manchmal so bekannt vor kommt…

    Die CAT-SEP-Meute johlte, skandierte und sang und schwang die „Cubana“, nicht die offizielle Katalanische Fahne „Senyera“.

    Alles wie gehabt, also. Glaubt wirklich jemand, daß dieser undemokratische Pöbel sich an Wahlen und Referenden hielte und sich deren Ergebnissen akzeptierend unterordnete? Träumt weiter!

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  2. ich sagt:

    unabhängig davon ob man die katalanische Unabhängigkeit befürwortet oder nicht ist es für deutsche Linke völlig unmöglich sich mit dem spanischen Nationalismus, Webseiten wie Dolca Catalunya oder der SCC zu solidarisieren. Sowas macht ja auch niemand in den linken deutschen Medien und wäre auch völlig absurd, aber das weisst du eh auch selber.

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  3. almabu sagt:

    Auf der anderen Seite stehen apologetische Bewertungen wie die des US-amerikanischen Historikers Stanley G. Payne, dessen Buch The Spanish Civil War, the Soviet Union and Communism Antony Beevor wie folgt zusammenfasste:

    „Das Buch liefert eine Neueinschätzung des […] großen Mythos, nach welchem der spanische Bürgerkrieg ein Kampf zwischen Demokratie und Faschismus gewesen sei. […] [Der wichtigste Aspekt …] ist die abschreckende Mahnung, dass viele linke Führer die Aussichten auf einen Bürgerkrieg begrüßt haben. Sie glaubten irrtümlich, dass ein Konflikt zu einem wesentlich schnelleren Sieg der Revolution führen würde als der russische Bürgerkrieg, vor allem, weil sie annahmen, dass sie Hilfe von außen bekämen. Waren sie gedankenlos gegenüber dem erwartbaren schrecklichen Leiden, oder war es revolutionäre Besessenheit? Auf jeden Fall war es eine schreckliche Fehleinschätzung, die zu einer fundamentalen Unehrlichkeit führte. Der Krieg in Spanien war nie ein Krieg zwischen liberaler Demokratie und Faschismus […] Es gab nur zwei Möglichkeiten: eine stalinistische Diktatur, die all ihre Rivalen innerhalb der Linken zerschmettert hätte, oder das grausame – reaktionäre, militärische und klerikale – Regime mit oberflächlich faschistischem Putz, das der siegreiche Franco zuwege brachte.“[48]

    (Quelle: Wikipedia)

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