Complutense schlägt zurück! Chaos in Madrid?

Das Theater um die geplante Straßennamen-Bereinigung, von Organisationen und Personen die mit der Franco-Diktatur verbunden sind, geht in eine neue Runde. Jetzt wehrt sich die Universität Complutense über die „rufschädigenden Behauptungen“, die im Umlauf seien!

So gäbe es keinen rechtsgültigen Vertrag mit der Stadt zu diesem Thema, sondern nur eine verbale Absichtserklärung zur Zusammenarbeit. Die Stadt sei damit inkompetent und unfähig umgegangen. In der von EL PAÍS veröffentlichten ominösen Liste von rund 254 Persönlichkeiten (die es eigentlich also gar nicht geben dürfte?) befänden sich Intellektuelle von globalem Niveau und ohne sichtbare Verbindung zum Franco-Regime.

Manuela Carmena, die Bürgermeisterin von Madrid, habe darauf, ohne sich sachkundig zu machen, öffentlich Stellung gegen die Universität Complutense bezogen, was man nicht hinnehmen könne.

Die Universität Complutense unterstütze ausdrücklich die Absicht des Rathauses von Madrid, einen Integrierten Plan der Erinnerung für Madrid zu erstellen. Dabei sollen, Vorgaben oder Empfehlungen der UN und des Menschenrechtsrates folgend, nicht nur die Namen von Kriegsverbrechern getilgt, sondern auch die Namen von Opfern des Franco-Regimes berücksichtigt werden, dem Gesetz 52/2007 des UN-Menschenrechtsrates folgend.

Die Universität Complutense hat aber bis heute keinerlei konkreten Vorschläge oder gar Namenslisten verabschiedet, von Namen, die aus dem Stadtbild von Madrid entfernt werden sollen. So sei bisher auch keinerlei Zahlung von Geld an die Uni Complutense oder an ihre Mitarbeiter oder Forschungs- und Lehrpersonal erfolgt. Es gäbe auch keine Vertragsgrundlage für eine solche Zahlung, denn es habe bisher lediglich einen mündlichen Gedankenaustausch zu diesem Thema gegeben, das Rathaus von Madrid in dieser Frage zu beraten.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern der  Universität Complutense arbeite unabhängig von der o.g. nicht existierenden Vertragsgrundlage seit Ende 2015 an diesem Thema. Daran habe es seit Beginn ein sehr hohes Medieninteresse gegeben. Ursprünglich seien einmal 30 Straßennamen öffentlich genannt, dann unmittelbar als Fehler erkannt und zurück gezogen worden. Der Rest sei pure Spekulation von interessierter Seite in Politik und Medien.

Niemand von EL PAÍS oder vom Rathaus habe sich hinsichtlich der veröffentlichten Liste von 254 Namen von umzubenennenden Straßen und Plätzen mit der Universität Complutense in Verbindung gesetzt, bzw. deren Richtigkeit und Authenzität überprüft!

In den vergangenen Tagen hätten Mitarbeiter des Rathauses Namensschilder und Denkmäler von Straßen und Plätzen entfernt. Die Universität Complutense habe damit nicht das Geringste zu tun! Sie widerufe deshalb jeglichen Vertrag mit dem Rathaus von Madrid in dieser Angelegenheit, angesichts dessen Unvermögen die dazu erforderlichen Mindestkonditionen für eine professionelle und seriöse Arbeit zu gewährleisten.
Madrid, 10. Februar 2016.
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Es wird nun zu klären sein, wer für diesen Schlamassel am Ende die Verantwortung trägt und seinen Sessel räumen muss? Aus großer Entfernung zumindest bekommt man den Eindruck, daß das Rathaus von Madrid entweder nicht oder anarchistisch geführt wird, oder daß gegen die linke Ex-Richterin im Pensionsalter Manuela Carmena ein Komplott im Gange ist, mit dem Ziel ihr die Leitung der (s)panischen Hauptstadt Madrid zu entreissen?

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2 Responses to Complutense schlägt zurück! Chaos in Madrid?

  1. almabu sagt:

    Im Chaos um die „politische Straßenreinigung in Madrid“, wehrt sich nun das Rathaus der spanischen Hauptstadt. Man habe zusätzliche Kapazitäten benennen und sozusagen als „Quereinsteiger in diese wissenschaftliche Arbeit“ einbringen wollen. Dem habe sich die Complutense verweigert und daraus sei der ganze Schlamassel entstanden. Damit wir zwar keine der offenen Fragen beantwortet, doch die Schuld am Skandal wird – wieder einmal – der jeweils anderen Seite zugeschoben…

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  2. almabu sagt:

    Das Rathaus von Madrid wird die irrtümlich (von einem Privatgrundstück) abmontierten Erinnerungsschilder an acht inzwischen vom Papst selig gesprochenen Nonnen vom Kamelittinnenorden, die im Spanischen Bürgerkrieg 1936 auf einem der Kirche gehörenden Friedhof, dem „cementerio parroquial de Carabanchel Bajo, erschossen worden sind, unverzüglich wieder anbringen…

    Ver más en: http://www.20minutos.es/noticia/2663748/0/ayuntamiento/repondra-placas/carmelitas-error/#xtor=AD-15&xts=467263
    _____
    Das nenne ich unverarbeitete, unbewältigte Vergangenheit! Welches politische Lager erschoss die acht Nonnen? Welches politische Lager erinnerte jahrzehntelang an sie? Welches politische Lager betrieb deren Seligsprechung? Welches politische Lager wollte die Nonnen jetzt dem Vergessen aussetzen? Welches politische Lager konnte dies jetzt wieder rückgängig machen? Hinter diesen nur scheinbar lächerlichen Ereignissen von Madrid (und anderswo) steckt die bisher unverarbeitete spanische Geschichte des vergangenen Jahrhunderts…

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