Wird Algerien zum Syrien 2.0?

Der Verfall der Gas- und Ölpreise beeinträchtigt erheblich die finanzielle Basis der algerischen Wirtschaft und könnte eine zusätzliche Migrationsbewegung (vulgo Flüchtlingswelle) nach Europa auslösen!

60% des algerischen Staatshaushaltes werden durch die Einnahmen aus dem Energiegeschäft abgedeckt. Die Regierung kann den sozialen Frieden nicht mehr durch großzügige Ausgaben nach dem Gießkannen-Prinzip gewährleisten. Für die Algerier wächst mit den Synonymen „Inflation“ und „Sparkurs“ die Unzufriedenheit in einen Bereich „der kritischen Masse“.

Der Präsident Bouteflika ist durch Krankheit ernthaft beeinträchtigt. Die ersten Stimmen im Land, die Chaos, Terror und Massenflucht nach Europa für eine reale Möglichkeit halten, sind bereits vernehmbar.

Hinter der libyschen Grenze breitet sich gerade DEASH (arabisch für den IS, oder ISIS) aus, rechtzeitig aus Syrien zurück importiert, bevor dort womöglich nach fünf Jahren des Krieges „der Frieden ausbricht“.

Da trifft es sich doch gut, daß Frankreich, zusammen mit dem UK und den USA, in Libyen bereits heimlich mit Spezialkräften am Boden DAESH/IS/ISIS bekämpfen.* Sollte der Terror aber auf Algerien überschwappen und dort eine neue Flüchtlingswelle auslösen, so wäre diese nur ein unvermeidlicher Kollateralschaden im „Kampf gegen den Terror“. Die Frage, wer diese „humanitären Angriffe“ auf Europa eigentlich orchestriert, wäre somit auch beantwortet…
__________
*Französische Behörden ermitteln ob diese von LE MONDE veröffentlichte Meldung Geheimnisverrat und Gefährdung der Sonderkommandos darstelle, worauf bis zu 3 Jahre Haft und 45.000 €uro Strafe stünden. Ob das schon eine Folge des Ausnahmezustandes ist?

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9 Responses to Wird Algerien zum Syrien 2.0?

  1. almabu sagt:

    Belgien hat in Aussetzung von Schengen seine Grenze zu Frankreich wieder der Kontrolle unterworfen. Auslöser dafür sei die teilweise Schließung des „Dschungels von Calais“, der illegalen Zelt- und Plakstikplanen-Siedlung von iIlegalen Migranten am französischen Eingang des EUROSTAR-Tunnels und des Fährhafens nach England.

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  2. Jakobiner sagt:

    Naja, die algerischen Militärs haben da wohl die extremsten Zustände erfolgreich bekämpft und völlig richtig reagiert, als die Islamistische Heilsfront demokratisch gewählt wurde–sie haben dem land einen weiteren Gottesstaat erspart und die 100 000 Toten waren das auch wert.. Und ob die Algerier bei allen Wirtschaftsproblemen bereit sind, ihr Land in ein Lybien oder Syrien verwandeln zu wollen, ist fraglich. Die abschreckenden Resultate des arabischen Frühlings haben auch ihren pädagogischen Wert.Genauso wie Al Sissi das bisher ganz gut im Griff hat.

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  3. almabu sagt:

    Mit den Methoden der Farben-Revolutionen und dem www. sind revolutionäre Stimmungen relativ schnell und sicher zu erzeugen. Da müsste der SPIEGEL schon einige hetzerische Leitartikel schreiben um ähnliche Wirkung zu erzielen?
    PS: Ich kann mir nicht vorstellen, daß etwas 100.000 Tote wert ist!

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  4. Jakobiner sagt:

    Die Farbenrevolutionen waren ja nur erfolgreich, weil die jeweiligen Herrscher auch brav zurückgetreten sind. In Staaten wie Syrien, Algerien, China, Russland, wo die Regierungen auf die Bevölkerung schiessen lassen und auch bereit sind, einen Bürgerkrieg auszufechten, scheitern diese Modelle.Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich inzwischen viele Farbenrevolutionäre fragen, ob es das wert ist, wenn sie nach Syrein und Lybien schaurn. Da dürfte auch eine gewisse Desillusionierung tsattgefunden haben.Modell war ja die friedliche Revolution in Europa (Ostblock), aber da gab es einen Gorbatschow–den gibt es dort unten nicht.

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  5. Jakobiner sagt:

    Das mit den 100 000 Toten klingt erst mal inhuman. Aber wäre es humaner, wenn in Algerien die Heilsfront an die Machtgekommen wäre und einen Gottestatt etabliert hätte, der dann ganz Nordafrika destabilisert hätte? Wäre es humaner, wenn das Militär zugesehen hätte, wie sich Algerine in ein Syrien verwandelt mit Hunderttausenden von Toten und Millionen Flüchtlingen? Da ist das wohl realpolitisch betrachtet das kleinere Übel.

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  6. Jakobiner sagt:

    So ein dritter Weg wäre mir natürlich auch sympathischer, aber dazu bedürfte es einer stark organisierten Partei und nicht ein paar lose agierender „Twitterrevolutionäre“. Dass es in Tunesien geklappt hat, dürfte wohl auch daran liegen, dass es da anders als in anderen arabischen Staaten eine gut organisierte Arbeiterklasse gab.Interessant ist auch, wie sich die Existentz einer organisierten Arbeiterklasse auf die Identitätsbildung und die politischen Positionen auswirkt. Juan Cole behauptet , dass Tunesiens demokratische Transistion deshalb funktioniert habe, da dort starke Gewerkschaften, eine organisierte Arbeiterklasse und eine starke Linke exitsierten–im Gegensatz zu anderen Ländern des arabischen Frühlings und anderen muslimischen Ländern, in denen die Menschen dann eher Zuflucht zu Identitäten wie Religion oder Stamm nehmen:

    “How many American news reports about the Nobel Peace Prize given to the Tunisian Quartet that pushed the country toward democracy and compromise will mention that two of the four organizations so honored are national labor unions of workers? A third was an attorneys’ guild.

    The four groups, who came together in summer, 2013, are The Tunisian General Labour Union (UGTT), The Tunisian Confederation of Industry, Trade and Handicrafts (UTICA), The Tunisian Human Rights League (LTDH), and the Tunisian Order of Lawyers.

    When Western reporters writing for corporate newspapers ponder why a transition to democracy has been difficult for some countries (and not just in the Arab world), they almost never suggest that it is because workers are not unionized enough or that unions are not sufficiently engaged in civic life. The sleight-of-hand of the editors for the rich is to focus on difficulties presented by “tribe” or sectarianism. But what institutions in the Middle East actively overcome these primordial identities? Labor unions and peace and human rights groups.

    With rates of unionization in single digits in the United States and would-be presidential candidates such as Scott Walker running on union-bashing (he had to withdraw from the race), it is hard for Americans with their plutocracy to imagine a place where unions remain active, networked and able to push society in progressive directions. But few social scientists think Germany, e.g. would be nearly as successful as a society without its labor unions. The dominance of oligarchs and lack of workers’ rights in some parts of the former East bloc probably played a role in their political failures and violent struggles.”

    http://www.juancole.com/2015/10/recognizes-democratic-transition.html

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  7. Jakobiner sagt:

    Die Frage ist aber, ob so ein dritter Weg angesichts solcher militanten Akteure wie Heilsfront, GIA, Taliban, Muslimbrüdern, Islamischer Staat und bewaffenten Islamistengruppen überhaupt möglich ist. Ein Mathatma Ghandi hatte ja solch zivilisierte Gegenspieler wie die Briten und die Otporrevolution in Serbien erfolgte zudem unter dem Bombardement der NATO, war also auch nicht ganz friedlich. Pazifistische Blümchen- und Twitterrevolutionen im Nahen Osten und den muslimischen Ländern halte ich für ausgeschlossen. Ein Mahatm,a Ghandi hätte im Greater Middle East keine Chancen gehabt.

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    • almabu sagt:

      Ich halte mich nicht für ausreichend informiert über die Komplexizität dieser Weltgegend und deren Kulturen und meine Kommentare oder Blogbeiträge sind deshalb immer subjektiver Natur!

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