Wozu braucht Spanien Panzer in Catalunya?

Was will das spanische Militär mit hundert gepanzerten Fahrzeugen im Norden Catalunyas, am Südrand der Pyrenäen und des Übergangs nach Frankreich bei La Jonquera und Le Perthus?

Das sei nur eine ganz normale Umorganisation, bei der aus einem Elite-Gebirgsjäger-Regiment, das logischerweise nahe den Bergen stationiert ist, ein ganz normales Infanterie-Regiment macht, dessen Hauptquartier sich in Zaragoza, Aragon befände und zu dem halt 100 Panzer, bzw. gepanzerte Fahrzeuge gehörten.

Wenn diese Panzer nicht kletterfest für die Pyrenäen sind, oder schwimmfähig für das nahe Mittelmeer der Bucht von Rosas, dann bleibt ihnen eigentlich nicht viel mehr übrig als auf der Autopista 7 nach Norden zu rumpeln „zum bösen Feind Frankreich“ oder nach Süden zu rasseln, nach Girona oder Barcelona z.B., aber was wollen, was sollen die da nur?

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http://www.lavanguardia.com/politica/20160313/40405981691/ejercito-blindados-catalunya.html

 

 

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20 Responses to Wozu braucht Spanien Panzer in Catalunya?

  1. Jakobiner sagt:

    Wäre auch einmal eine interessante Umfrage: Wieviel Prozent der Spanier würden eine Abspaltuzng Kataloniens und des Baskenlandes akzeptieren oder tolerieren? Wieveile würden vielleicht sogar den Einsatz des Militärs dagegen begrüssen? Scheinbar wird ja schon für den Tag X geübt…

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    • almabu sagt:

      Ich hoffe, daß Vernunft und kühle Köpfe auf allen Seiten die Oberhand behalten, sonst sieht’s beim spanischen Temperament der Beteiligten nämlich schlecht aus. Ich schätze, daß nur eine kleine Minderheit einen Bürgerkrieg wegen Katalonien riskieren würde, aber das ist meine Meinung aus 1.500km Entfernung…

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  2. Jakobiner sagt:

    Eine ähnliche Nachricht in den Deutschen Wirschaftsnachrichten, die sich auf einen Bericht der spanischen Zeitung Publico beziehen:

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/11/09/spanien-militaer-polizei-trainiert-armee-fuer-den-einsatz-gegen-zivilisten/

    Keine Ahnung, ob das zitierfähig ist, denn beide Quellen sind mir unbekannt….

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  3. Jakobiner sagt:

    Hier noch der österreichische Kurirer, der berichtet, dass die spanische Militärführung 2013 offen Gewalt gegen eine Seperation Kataloniens beüfrwortet. Vielleicht käme es dann sogar zu einem Militärputsch, sollte die zivile Regierung dem nicht nachkommen:

    http://kurier.at/politik/ausland/spanien-militaer-droht-losloesung-der-region-katalonien-mit-gewalt-zu-verhindern/4.095.262

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  4. Jakobiner sagt:

    Hier wird berichtet, dass man nicht das Militär, sondern die Guardia Civil einsetzen möchte:

    https//www.contra-magazin.com/2015/11/katalonien-losloesung-von-spanien-wird-eingeleitet-setzt-madrid-auf-waffengewalt/

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    • almabu sagt:

      Das sind alles reine Spekulationen, die sich letztlich auf zwei Fakten gründen:
      1. Die spanische Verfassung gebietet die Einheit, den Erhalt des Staatsgebietes der Monarchie.
      2. Die Streitkräfte sind dem König als Oberbefehlshaber unterstellt.

      Aus diesem konservativen, monarchistischen und legalistischen Blickwinkel sind Separatismusbestrebungen so etwas wie ein Staatsstreich. Wenn die Politik damit nicht fertig wird, fühlen Teile des Militärs sich dazu berufen, Spanien zu retten. Der Ansatz ist ähnlich wie seinerzeit bei Franco, was zum Spanischen Bürgerkrieg führte. Damit ist auch die Frage beantwortet, ob die Guardia Civil eingreifen könnte. Nein, sie könnte es nicht! Sie wäre viel zu klein eine 7,5 Mio Einwohner Autonomie wie Katalonien zu kontrollieren.

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  5. Jakobiner sagt:

    Mag zwar ein Bericht von 2013 sein, aber die Bereitschaft des Militärs einzugreifen dürfte wohl prinzipiell weiterbestehen–also keinesfalls „überholt“.Bleibt also nur das Militär? Gibt es einen Platz des Himmlischen Friedens in Barcelona?

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    • almabu sagt:

      Es sind, wenn überhaupt, nur einzelne Militärs, die in solchen Putsch-Kategorien denken mögen. Schließlich hat Spanien eine Freiwilligen-Armee in der nicht wenige Katalanen dienen.

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  6. Jakobiner sagt:

    Vielleicht sollte man auch mal über folgendes Szenario nachdenken. Da keine stabilen Merheiten mehr im Parlament zusammenkommen, das politische System paralysiert ist, die Katalonen die Unabhängigkeit versuchen und die Basken ihnen nachstreben–in solch einer Sitaution entscheiden sich entscheidenere Kräfte des Militärs das Vaterland zu retten–Militärputsch ala Chile–Durchpeitschen eines neoliberalen Wirtschaftsprogramms ala Pinochet und Niederschlagung der Seperatisten.

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    • almabu sagt:

      Es tut sich etwas bei der Regierungsbildung. Die gemeinsame Angst vor Neuwahlen lässt die Beteiligten offenbar konzilianter aufeinander zu gehen? Es gab ein Treffen Sánchez, PSOE mit Iglesias, PODEMOS und es soll noch vor Ostern ein zweites Treffen geben. Sánchez hat sich auch mit „der Rache von Artur Mas“, dem „Katalanen-Kasper, Karle Putschdämon“ getroffen. Man ist trotz allen Eigensinns dazu verdammt, sich zusammen zu setzen und zu kommunizieren. „Karle Putschdämon“ ist wegen seiner radikalen, aber unfundierten Sprüche, inzwischen schon öffentlich von seinem Entdecker Artur Mas kritisiert worden, daß „man nichts versprechen oder ankündigen solle, was man später nicht halten, einlösen kann“! Mas will sich offenbar als „Realist, mit dem man reden kann“ im Gespräch halten, während Putschdämon, Forcadell & Romeva sozusagen die Radikalen Separatisten verkörpern…

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    • almabu sagt:

      Das ist das selbstlose Schema jedes Militärputsches: Man verfolgt keine Eigeninteressen, iwo, man hat nur das höhere Wohl des Staates im Sinne…

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  7. Jakobiner sagt:

    Nicht vergessen: In diesen iberoamerikanischen und spanisch-portuguisischen Ländern gab es ja immer diese „Caudillotradition“, die Militärputsche begünstigte.Wäre dann die Frage, wie der König dazu steht. In den 80er Jahren betätigte er sich ja als Verteidiger der Demokratie, aber da war keine Staaatskrise als Tojero zu putschen versuchte. Auch konnte isch Tojero nicht aufs Militär stützen, sondern nur auf ein paar Leute aus der Guardia Civil und vielen Francoveteranen.Heute hätten wir aber eine veritable Staatskrise, in der sich dann auch ein König anders entscheiden könnte, bevvordas Land auseinanderbricht. Zumal das Königshaus infolge der zahlreichen Skandale ja auch mehr als Teil der Staatskrise gilt, als Teil des Problems statt seiner Lösung.Ein Militärputsch wäre also wahrscheinlicher möglich als in den 80er Jahren.

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    • almabu sagt:

      Es gab Gerüchte, der damalige Militärputsch sei „eigentlich ein Putsch im Putsch“ gewesen, bei dem die Putschisten unter dem „öffentlichen Gesicht“ Tejero von höheren Rängen des Militär, die sich zunächst als unterstützend, dann als ambivalent und zuletzt als pro-Demokratie und König Juan Carlos I agierend, fallen gelassen worden seien. Das Ziel der Übung sei es gewesen, den eigentlich von Franco ausgesuchten Juan Carlos, der ja auch für Monarchisten dynastisch „nicht der Richtige“ war, denn Francos hatte den Verzicht seines Vaters gefordert und zur Bedingung für die Inthronisierung von Juan Carlos I gemacht, für die Spanier als Retter der Demokratie akzeptabel zu machen, was ja zunächst auch gelang. Nur hatte er seinen „kleinen Freund“ nicht unter Kontrolle und sein Erwerbsinn war für einen der normalerweise stets chronisch finanziell leidenden Bourbonen sehr ausgeprägt. Die NYT schrieb vor einigen Jahren in einem Artikel über ihn und Spanien, daß sein Privatvermögen auf wundersame Weise auf rund 1,8 Mia US-Dollar angewachsen sei. Es kam kein Widerspruch aus Madrid! Er stand und steht als Ex-König sowieso über dem Gesetz und zahlt auch keine Steuern…

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  8. Jakobiner sagt:

    Die USA und die NATO oder gar Gladio dürften da auch nicht zugunsten Tejeros interveniert haben, ganz im Gegenteil, ein Interesse an der Demokratie gehabt haben, denn die Sozialisten unter Philip Gonzalez brachten das Land ja dann in die NATO und in die EU. Tejero und die ihn unterstützenden Kräfte dürften ja eher dem alten Franco- Neutralismus gehuldigt haben.

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    • almabu sagt:

      Der spanische NATO-Beitritt jährt sich dieses Jahr zum 30. Mal. Er ist auch heute noch als kleines Wunder (oder eine Manipulation?) zu betrachten, den Felipe González Márquez und seine PSOE hatte zunächst gegen die NATO (spanisch OTAN) agitiert und dann zweideutig „zuerst nicht!“ plakatiert und dann in einem Referendum für den NATO-Beitritt Spaniens gekämpft, der dann aber recht klar (52% JA / 40% NEIN / 6% EN BLANCO / 2% Ungültig), zu Stande kam…

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  9. Jakobiner sagt:

    Spanien und Portugal wären im Kriegsfall Hinterland für die NATO gewesen, sollten die Sowjets Deutschland und Frankreich überrennen. Quasi der strategische Brückenkopf für einen neuen D-Day. Ob das den Spaniern so bewusst war? Heutezutage hat die USA und die NATO doch kaum Basen auf der iberischen Halbinsel, oder? Hat sich Spanien eigentlöich am Afghanisatnkrieg, dem Irakkrieg und dem Lybienbombardment beteiligt. Ich glaube beim Irakkrieg schon unter Aznar, aber das war ja kein NATOkrieg.Die Bombe in der U-Bahn inj Madrid führte ja dann zu einem raschen Abzug der Spanier aus dem Irak. Jedenfalls scheint die NATO-Mitgliedschaft keine von Spaniens Parteien heute noch anzuzweifeln oder zu kritisieren- auch Podemos nicht.

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    • almabu sagt:

      Die USA unterhalten in Spanien wesentliche Basen ihrer europäischen Präsenz: Da wäre der Marinestützpunkt Rota, bei Cadiz mit angeschlossenem Militärflughafen, eine der größten Marinebasen Europas, wenn auch formal (wegen Verträgen Franco-Spaniens mit den USA von 1951) unter spanischem Oberkommando stehend. Dort sind beispielsweise 4 US-Aegis-Zerstörer stationiert, die Teil des famosen Rakentenabwehrschirmes sind. Von hier aus erfolgt die effektive Kontrolle des Mittelmeerzuganges und nicht vom nostalgischen Affenfelsen Gibraltar des UK. Rota ist auch Ausgangspunkt und Zwischenstation für US-Einsätze in Afrika und dem Mittleren Osten. Rota wird zu 80% von den USA genutzt, zu 20% von Spanien und wird auch regelmäßig von NATO-Schiffen angelaufen.

      Die USA nutzten bis 1992 auch den Flughafen von Torrejón de Ardoz (östlich Madrid) für strategische A-Bomber. Die NATO betreibt in Torrejon seit dem 7. Februar 2013 eines von zwei Combined Air Operations Centre (CAOC). Der Einsatzraum des hiesigen Zentrums erstreckt sich von den Azoren bis nach Ungarn und in die Türkei. (aus Wikipedia)

      Morón de la Frontera /südlich von Sevilla) wird gerade auf etwa 2.500 US-Marines als einer schnellen Eingreiftruppe mit 26 Flugzeugen ausgebaut, die in ganz Afrika zum Einsatz kommen sollen. Sie unterstehen AFRICOM in Stuttgart.

      Das „High Readiness Force Land Headquarters“ der NATO in Betera (Valencia) wäre noch zu erwähnen. Damit will die NATO „beim nächsten Fall Krim“ Putins geheimnisvollen grünen Männchen, schnellsten die Beute entreissen!

      Diese Liste ist nicht vollständig. Die Bedeutung der spanischen Stützpunkte für die USA kann mit Ramstein in Deutschland verglichen werden.

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  10. Jakobiner sagt:

    Danke für den detailierten Überblick. Sehr interessant. Aber auch, dass es scheinbar keine politische Partei in Spanien mehr zu geben scheint, die für einen NATO-Austritt wäre oder hefitigere Kritik an der NATO-Mitgliedschaft zu üben scheint. Auch scheint sich der Antiamerikanismus in Spanien in Grenzen zu halten. Anders als in Frankreich, das ja erst seit kurzem unter Sarkozy wieder NATO-Mitglied ist, wobei das ja nun von Le Pen infrage gestellt wird, zumal Le Pen ja auch übner eurasische Bündnisse mit Russland und Multipolarität, in deren Rahmen die Grand Nation der europäische Pol sein soll,nachdenkt.Spanien scheinen solche Großmachtgesten unbekannt. In GB ist nur Jeremy Corbyn ein NATO-Kritiker, konzentriert sich aber mehr auf die Abschaffung der Atomwaffen in GB und stellt die NATO-Mitgliedschaft und die special relations mit den USA nicht infrage.

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