TV France 2: Geisterstunde begann um 20:15 Uhr!

Es muss für die Franzosen ein befremdliches, vielleicht gar ein beklemmendes Ereignis gewesen sein, am gestrigen Abend? Zur bester Sendezeit sprach ihr Präsident 90 Minuten zu ihnen, nannte dies „Bürgerdialoge“ und hinterließ bei vielen Unverständnis, Ratlosigkeit, Ablehnung. Umfragen einiger Zeitungen nach diesem Auftritt von François Hollande ergaben übereinstimmend, daß über 90% der Franzosen, neun von zehn(!) NICHT von ihm und seinen Aussagen überzeugt worden waren!  Fast 80% wollten ihn im kommenden Jahr nicht erneut für das Präsidentenamt kandidieren sehen! Hollande selbst, will sich erst zum Jahresende 2016 zu diesem Thema äußern!

Seine Bilanz sieht ernüchternd aus, für Linke sogar eher katastrophal! Außer bellizistischen Aktionen in Zentralafrika und im Nahen und Mittleren Osten, war da nicht viel. Frankreich schrumpfte unter Hollande auf das offensichtliche Niveau eines schlichten Befehlsempfängers der USA. Der Abstand zu Deutschland ist gewachsen und mit ihm der für Europa so wesentliche Gleichklang in grundsätzlichen Fragen der EU gesunken. Unsere Beziehungen waren schon besser…

In Frankreich selbst stagniert die Wirtschaft. Der Staatsanteil ist überhöht. Die Arbeitslosigkeit, besonders junger Menschen, ist anscheinend nicht in den Griff zu bekommen. In den Banlieus wächst eine radikalisierte Generation junger Franzosen auf, von denen einige ihre Zukunft in islamistischem Terror suchen.

Dies Problem droht ein europäisches zu werden, denn die nahezu verschmolzenen Großräume von Paris und Brüssel weisen ähnliche Probleme auf. Nationale Belgier machen Terroranschläge in Paris und nationale Franzosen machen Terror, auch in Brüssel. Hier ist François Hollande, außer den Ausnahmezustand zu verhängen und dem missglückten, inzwischen abgebrochenen Versuch verurteilten Terroristen die französische Staatsangehörigkeit abzuerkennen, nicht viel eingefallen.

Die Popularität ihres Präsidenten ist bei den Franzosen von etwa 60% im Mai 2012 auf etwa 17% im März 2016 gefallen. Ein einzigartiger Negativrekord französischer Präsidenten!

Doch der sieht sich von Verrätern umgeben, die seine Leistung und seine Erfolge selbstsüchtig leugneten. Ganze 90% seiner geplanten 60 Vorhaben seien entweder bereits erfolgt oder „gerade in Durchführung“ und nur ein paar wenige „nicht verfolgt“erzählt der Präsident seinen staunenden Landsleuten. Der Mann redet von einem ganz anderen Frankreich, als das Land, dass die Franzosen täglich „Live“ erleben? Das glauben ihm mittlerweile nicht einmal mehr die eigenen Parteifreunde der Sozialistischen Partei! Nur seine „Ex“ und ein paar Getreue pflichten ihm noch bei. Andere jedoch gehen so langsam in die Startlöcher für eigene Ambitionen im kommenden Wahljahr. Sie müssen dabei  vorsichtig sein, denn Hollande gilt als nachtragend und er kann jeden von ihnen noch rechtzeitig ablösen oder mit unpopulären Aufgaben kaltstellen, wie es ihm mit Premier Manuel Valls einigermaßen gelang, der ebenfalls erheblich an Zustimmung verlor, wenn auch nicht ganz so dramatisch wie sein Chef und Präsident.

Die anderen Parteien widersprechen Hollande vehement. Das gilt besonders für die LR und natürlich für die FN. Nach der Sendung wurden die Franzosen gefragt, ob sie Interesse daran gehabt hätten, was François Hollande gesagt habe:

71% aller Franzosen hatten KEIN Interesse!
29% aller Franzosen, hatten Interesse!

52% der Linken hatten Interesse!
80% der Rechten hatten kein Interesse!
84% der Front National hatten kein Interesse!

Wenn man grundsätzlich von zwei etwa gleich großen politischen Lagern „Links“ und „Rechts“ ausgeht in Frankreich, dann bedeutet es halt rund dreiviertel Ablehnung, wenn man nur die Hälfte des eigenen Lagers zu überzeugen vermag…

Ein ebenso dramatisch-klares Bild gibt die Entwicklung der Zuschauerzahlen der TV-Auftritte des französischen Präsidenten François Hollande:

06,5 Mio im Juli 2012
12,0 Mio im Dezember 2012
10,0 Mio im Dezember 2013
07,2 Mio im Juli 2014
07,9 Mio im November 2014
09,7 Mio im Dezember 2014
11,0 Mio im Dezember 2015
09,9 Mio im Februar 2016
03,5 Mio am 14. April 2016

Das war weniger als die Hälfte der Sehbeteiligung seines bisher schlechtesten TV-Auftritts vom Juli 2012!

Eine Antwort zu TV France 2: Geisterstunde begann um 20:15 Uhr!

  1. almabu sagt:

    Die neueste Umfrage nach dem Beliebtheitsgrad ihres Präsidenten war zweigeteilt. Die Hälfte der Befragten wurde VOR, die andere Hälfte NACH François Hollandes befremdlichem TV-Auftritt befragt. Dabei stellten die vor der Sendung befragten ihrem Präsidenten mit 15% positiver Meinung zwar eine gegenüber März nochmals um -2% schlechtere Benotung aus, ABER um +3% bessere Note, als die NACH der TV-Sendung Befragten, die nur zu 12% mit Hollande zufrieden waren. Der Schuss ging für Hollande also ganz klar nach hinten los!

    Sein Mantra „Es wird besser“ verfing bei den Franzosen nicht. Sie glauben ihm nicht mehr!

    Für die Wahlen 2017 wollen die Franzosen jeden anderen Kandidaten AUSSER François Hollande und Nicolas Sarkozy!

    Als potentieller Kandidat würde François Hollande im ersten Wahlgang scheitern, wenn er gegen Juppé, LR und Le Pen, FN antreten müsste!

    Hollande ist also verbraucht und hat zudem seinen potentiellen Rivalen, den ehrgeizigen Premierminister Manuel Valls, in den letzten beiden Jahren in der Regierungverantwortung verschlissen. Valls erhält mittlerweise ähnlich unterirdische Zustimmungswerte wie Hollande!

    Die besten Chancen als Kandidat der PS hätte wohl derzeit der Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, dem nicht nur zugetraut wird die erste Runde zu überstehen, sondern evtl. sogar die Stichwahl zu gewinnen! Seine Kür könnte aber nicht nur an Hollande, sondern auch an den zahlreichen Platzhirschen und Hirschkühen der PS scheitern, die oft eigene, durchaus unrealistische Ambitionen hegen.

    Aktuelle Umfrage TNS Sofres – OnePoint für Le Figaro, LCI und RTL:

    Das Dilemma des chancenlosen Präsidenten François Hollande rückt in den Hintergrund der Umfrageergebnisse vor dem Umstand, daß Marine Le Pen von der Rechtsradikalen Front National praktisch in allen untersuchten personellen Konstellationen als Siegerin des Ersten Wahlganges da stehen würde! Nur ein Kandidat Alain Juppé für die Les Républicaines, LR könnte genügend Stimmen der Rechten binden um einen Erstrundensieg von Marine Le Pen zu verhindern:

    Modell Erster Wahlgang mit Hollande für die PS:

    1.) 25-32% Le Pen, FN, Rechtsradikale
    2.) 20-25% Sarkozy, oder Fillon oder Le Maire, LR, Mitte-Rechts
    3.) 12-16% Jean Luc Mélenchon, Parti de Gauche, Linke
    4.) 13-16% François Hollande, PS, Mitte-Links

    Das wäre wohl ein ziemlich einzigartiges Ergebnis, wenn der amtierende Präsident im Ersten Wahlgang nur den vierten Platz belegen, so die Stichwahl verpassen und ausscheiden würde?

    74% der Franzosen wollen eine Vorwahl zur Kürung des Präsidentschaftskandidaten der PS, ähnlich wie es die LR im Herbst machen werden um ihren Kandidaten zu küren.

    Als mögliche Kandidaten der PS sehen die Franzosen zu

    28% den Wirtschaftsminister Emmanuel Macron,
    14% den Premierminister Manuel Valls und zu
    12% die Bürgermeisterin von Lille, Martine Aubry.

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