Bekommt Jan Böhmermann bald eine eigene Satire-Sendung mit Erdogan im türkischen TV?

Das folgende haltlose Gerücht ist so naheliegend, daß ich mich wundere nicht selbst darauf gekommen zu sein.

Es gibt derzeit ein deutsch-türkisches Dauerthema, das Schmähgedicht des Jan Böhmermann über Erdogan.

Was reizt die Öffentlichkeit so daran, warum reden alle darüber und was bedeutet dies für die Protagonisten?

Die Bekanntheitsgrade von Böhmermann und Erdogan sind wahnsinnig gestiegen. Kannte vorher kaum ein Deutscher den Türkendiktator, oder verwechselte ihn gar mit Clark Gable, so liegt Erdogans Bekanntheitsgrad bei Deutschen nach letzten Umfragen jetzt bei 123%. Bei Böhmermann verhält es sich ganz genau so: Ein deutscher Medien-Cäsar, nennen wir ihn hier kurz MD, bekennt öffentlich noch KEINE seiner Sendungen gesehen zu haben und kennt trotzdem den Namen Böhmermann, könnte ihn wohl sogar schreiben?

Jetzt sorgen entweder das Böhmermann-, oder das Erdogan-Marketing, wahrscheinlich aber beide, in koordinierter Form für Honorar steigernde Verknappung. Das ZDF ziert sich hinter den Kulissen bei Ablösepreisverhandlungen ihres Star-Comedians wie eine Jungfer mit dem türkischen Erdogan-TV.

Der Plan ist die Effizienzsteigerung der Zeit des Türkendiktators Erdogan, der sich derzeit mit 1.800(Weltrekord!) Beleidigungsklagen wegen Majestätsbeleidigung gegen türkische Bürger einzeln vor Gerichten streitet. Ein Wahnsinnsaufwand, Erdogan kommt praktisch zu nichts Anderem mehr!

Böhmermann wurde von Erdogans Marketing- und Medienberatern als geeignet befunden, Erdogan einmal wöchentlich zur besten Sendezeit auf das Übelste beleidigen zu dürfen und zwar in der Urform des deutschen Komikers, der des Hofnarren!

Dann tritt (Überraschung!) Erdogan live in der Sendung auf. Kopfschüttelnd, mit dem Zeigefinger drohend, gleich selbst zur Tat schreitend, den Frevel vor laufenden Kameras zu ahnden!

Die Berater erwarten eine wahnnsinnige Sehbeteiligung der Türken, eine weit über hundert Prozent liegende Zustimmungsrate zu ihrem Präsidenten und Freudenkundgebungen auf den Straßen wenn der den Frevler bestraft, die nur mit Wasserwerfern wieder unter Kontrolle zu bringen sein werden.

Leider kann Böhmermann dabei nicht hingerichtet werden, denn die Sendung ist als Fortsetzung angelegt, der Mann wird als Sidekick von Erdogan dringend gebraucht!

Von anfänglichen Überlegungen, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als Kommentatorin (und Kampfrichterin (5,7 – 5,9 – 6,0 wie beim Kunsteis-Lauf) in die Sendung einzubauen ist man abgerückt. Zu gering war ihr Bekanntheitsgrad in der Türkei und „zu unlustig“ ihre Mimik.

Es tritt also im ersten Akt einer auf, der sich ‚was traut, was viele vielleicht heimlich auch gerne mal täten? Die Zuschauer sind hin und her gerissen zwischen Bewunderung des Frevlers und der Vorfreude über sein sogleich folgende Bestrafung.

Im zweiten Akt kommt die alles überragende Vaterfigur Erdogan ins Spiel und benennt das Vergehen und beginnt mit der Bestrafung. Böhmermann kriecht und windet sich unter Qualen. Die Autorität des Staates wird wieder hergestellt.

Die Bürger sind froh nicht in der Haut des Übeltäters zu stecken und schlauer als dieser zu sein, denn dieses Ergebnis war natürlich absolut vorhersehbar, wie der Auftritt und das Übersehen des Krokodils bei Kasperle!

Die Moral von der Geschicht‘, Diktator Erdogan beleidigt man nicht!

4 Antworten zu Bekommt Jan Böhmermann bald eine eigene Satire-Sendung mit Erdogan im türkischen TV?

  1. Jakobiner sagt:

    Die Causa Böhmermann, deutsche Satiriker und das Menschenrecht sich totzulachen

    Die Causa Böhmermann, eine Causa Erdogan scheint es ja schon lange nicht mehr zu sein, erregt die Gemüter. Die Frage, was Satire darf, ob die deutsche Regierung erpressbar ist, erregt dieser Tage die öffentliche Debatte. 80% der Deutschen sind gegen die Entscheidung Merkels, dass die Bundesregierung das Gerichtsverfahren gegen Böhmermann aufgrund des Beleidigungsparagraphen gegen ausländische Staatsoberhäupter und Organe, sogenannter Majestätsbeleidigungsparagraph,zugelassen hat. Diese Fragen sollen hier nicht so im Zentrum stehen, sondern kurz über den Zustand der deutschen Satirikerszene reflektiert werden, die zunehmend von Comedians dominiert wird. Zuerst dazu Malte Fischer auf der Achse des Guten zu Böhmermann und seinen Anhängern:

    “Verschont mich mit Böhmermann! Und: Meta-Ebene my ass.

    Ich bin auch ein Fan der Pressefreiheit. Trotzdem ertappe ich mich in letzter Zeit dabei, klammheimlich zu hoffen, mit Krummdolchen bewaffnete Schergen Erdogans würden Böhmermann in irgendeinen Kerker im Orient verfrachten. Nichts Persönliches. Ich kann einfach seine Fresse nicht mehr sehen. Ich traue mich schon gar nicht mehr auf Facebook. Keine Zeitung kann man aufschlagen ohne in das nicht übertrieben schöne Gesicht des ZDF-Manns zu blicken. Danke, es reicht!

    Fast noch nerviger als Böhmermann selbst sind seine zahlreichen Fans in Deutschlands Redaktionen, die nicht müde werden, dem Normaldoof, der es womöglich selbst nicht checkt, die Genialität des Mannes und die 23 Meta-Ebenen seiner Aktionen zu erläutern. Und dann die Solidarität bekundenden Trittbrettfahrer: Döpfner, Didi, Varoufakis. Es weiß doch jeder inklusive Böhmermann, dass Böhmermann die Sache am Ende mehr nutzen als schaden wird. Solidarisiert man sich normalerweise nicht mit Menschen, denen Unrecht oder Leid zugefügt wurde?

    Wenn Spiegel-Autor Cordt Schnibben der Kanzlerin auf Facebook schreibt, es „sei nun mal genug“ und er könne angesichts der Leisetreterei von Merkel im Fall Böhmermann „nun nicht länger schweigen“, erscheint mir das angesichts der seit Monaten andauernden brutalen Repressionen gegen Kurden, Oppositionelle und Journalisten in der Türkei und dem aggressiven Auftreten von Erdogans Anhängern auch in Deutschland, beinahe obszön. Es gibt tausend bessere und wichtigere Gründe, Erdogan und zu kritisieren als ausgerechnet dafür dass er sich von einem deutschen Fernsehheini nicht Ziegenficker nennen lassen will. (…)

    Wahrscheinlich habe ich die genialen Meta-Ebenen einfach nicht gecheckt aber am Ende des Tages hat Böhmermann Erdogan einen stinkenden Ziegenficker und Päderasten genannt. Er hat damit weder der notwendigen Kritik an Erdogan noch der deutschen TV-Unterhaltung eine Sternstunde hinzugefügt. Er hat nur einen weiteren Beitrag zur Verrohung und Infantilisierung des politischen Diskurses geleistet. Meta-Ebene my ass. Das Gedicht bleibt eine Aneinanderreihung rassistischer antitürkischer Klischees. Hätte Akif Pirincci denselben Text auf seiner Homepage veröffentlicht, wäre niemand auf die Idee gekommen, ihn als Helden der Meinungsfreiheit zu feiern. „

    Sehr guter Kommentar auf der Achse des Guten, bei dem den deutschen Satire-Comedians eine “zunehmende Infantilisierung und Verrohung des politischen Diskurses”vorgeworfen wird. Man hat ohnehin den Eindruck, dass neben den üblichen Gewalten Exekutive, Legislative, Judikative, Medien und Wirtschaft diese unwahrscheinlich vulgären und seichten Comedians die sechste Gewalt im Staate wären. Und den Zuschauern scheint Politik nur noch als unterhaltender Konsum erlebbar–statt sich in Parteien oder andersweitig zu engagieren, kriegt man den Arsch von der Fernsehcouch und den neuesten Satirekonsum nicht mehr hoch, lacht sich über die politischen Zustände zu Tode und findet das Ganze nur noch amüsant, womit diese Sendungen mehr eine systemaffirmative Ventilfunktion haben, denn aufklärerisch und politisch inhaltlich oder gar aktivierend zu wirken. Eine Nation lacht sich über sich selbst zu Tode und sieht darin ihr grösstes Menschenrecht. Ernsthafte , inhaltliche Auseinandersetzungen finden kaum mehr statt. Die Heute Show strotzt vor primitiv-vulgärer Fäkalsprache, die inhaltliche Kritik weitgehend ersetzt. Ihre Figur des cholerisch-aufbrausenden Wutbürgers, der dann immer wieder wie Rumpelstilzchen hochgeht, sich aufregt und rumgeifert ist als Stilmittel auch schon so ausgelutscht und die Form scheint auch auf die zunehmend fehlenden Inhalte abzufärben.

    Wer noch mehr Niveau hat, ist „Die Anstalt“. Hatte sie unter Priol auch die Tendenz Politiker aufgrund ihrer Äußerlichkeiten zu kritisieren (Behinderung Schäubles, runterhängende Mundwinkel von Merkel, gefärbte Harre Schröders ), so hat doch inhaltliche Kritik unter den neuen Machern mehr eine Aufwertung erfahren. Die Anstalt ist da mehr die Ausnahme in dieser inflationären Flut von Comedian-Satirikern, die sich in ihren Ausfällen zu übertrumpfen suchen. Nuhr ist gemischt. Zwar hat er auch viel inhaltliche Kritik in seinem Programm, aber sein Tenor ist immer: Uns geht’s zu gut und wir machen uns zuviel German Angst, sind zu pesssimistisch, werden von den Medien hysterisiert und lassen uns gerne hysterisieren—eigentlich gebe es gar keine nennenswerten Probleme in Deutschland.Er ist also mehr ein Wellness-und Feelgood- Comedian, der zumal viele politischen Fragen auch ausklammert und sich mehr an Beobachtungen des Alltags und gewisser Modetrends von Veganertum bis Esoterik abarbeitet. Nuhr ist kein Gutmensch, aber ein Gutfühlmensch, der sich lieber mit menschlichen Macken und Wohlstandsproblemchen herumschlägt, um damit seine zentrale Botschaft rüberzubringen: Dass es gar keine realen Probleme in Deutschland gebe.

    Über Mario Barth, der sich neuerdings versucht investigativ gesellschaftskritisch zu geben, verliere ich hier lieber keine Zeile, da er das nicht wert ist. Es stünde einem guten Teil der deutschen Satirikerszene gut an, sich wieder mehr auf eine ernsthaftere inhaltliche Auseinandersetzung mit politischen Inhalten zu konzentrieren als der weiteren „Infantilisierung und Verrohung“der politischen Kultur, die mehr Wert auf eine knallig-vulgär-plakative Form legt Vorschub zu leisten.

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  2. Jakobiner sagt:

    Guter Kommentar von Michael Spreng:

    „Verantwortung

    Zwischen Jan Böhmermann und der Kanzlerin gibt es viele Unterschiede. Einer aber ist besonders aktuell: Böhmermann muss sich im schlimmsten, aber eher unwahrscheinlichen Fall dem Urteil eines deutschen Gerichts stellen, Angela Merkel aber täglich dem Urteil der internationalen Staatengemeinschaft. Jede ihre Handlungen hat Auswirkungen auf die Weltpolitik.

    Die Kanzlerin muss nationale und internationale, strategische und geopolitische Gesichtspunkte berücksichtigen. Sie muss permanent die Folgen ihrer Politik bedenken und einkalkulieren. Sie kann und darf es sich bei ihren Entscheidungen nicht leicht machen.

    Ein Komiker oder Satiriker dagegen kann es sich leicht machen. Er haut seine Witze, Beleidigungen und Verunglimpfungen raus, wie es ihm gerade passt. Er denkt nicht an die Folgen und berücksichtigt nicht die Reaktionen, wenn er die Provokationsspirale immer weiter dreht.

    Das Duell Böhmermann gegen Merkel war ein Duell der Verantwortlichkeit einer mächtigen Politikerin gegen die Verantwortungslosigkeit eines freischwebenden Satirikers.

    Auch wenn die Kanzlerin das Duell nach Meinung eines Teils der Bevölkerung verloren hat, sie konnte nicht anders, als die deutsche Justiz zu ermächtigen, gegen Böhmermann wegen Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes zu ermitteln.

    Sie musste bei ihrer Entscheidung unter anderem die Bedeutung des EU-Türkei-Abkommens über die Flüchtlinge berücksichtigen, die NATO-Mitgliedschaft der Türkei, die Gefühle der in Deutschland lebenden türkischen Wähler Erdogans, eines frei und demokratisch gewählten Staatsoberhauptes.

    Dabei spielt keine Rolle, dass uns seine Innenpolitik nicht passt und er dabei ist, die Türkei in einen autoritären Staat zu verwandeln.

    Wer Merkel jetzt dafür kritisiert, macht es sich sehr leicht. Um sich mit Böhmermann zu solidarisieren, genügt ein Click im Internet. Merkel jetzt einen Kotau vor Erdogan vorzuwerfen, kostet nichts, gibt aber dem Absender das mächtige Gefühl, die Freiheit zu verteidigen.

    Politik aber kann sich nicht an kurzfristigen Empörungsritualen orientieren. Sie muss immer auch die langfristigen Folgen berücksichtigen.

    Frau Merkel kann auch nicht wie Böhmermann abtauchen und eine Sendung ausfallen lassen. Für sie gibt es keine Flucht aus der Verantwortung.

    Deshalb hat sie richtig gehandelt. Bei der Justiz ist der Fall in den richtigen, unabhängigen Händen. Böhmermann hat mit seinem vulgären und rassistischen Gedicht nicht nur die Grenzen der Satire ausgelotet, sondern auch die Grenzen des Anstands überschritten. Dafür muss er sich verantworten. Was ist daran anstößig?“

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  3. Ich denke das die völlig Falsch liegst mit dem Diktator denn Präsident Erdogan ist vom mit 52% vom eigenen Volk gewählt worden. Aber wenn du einen Diktator suchst, dann schau dich mal in Europa um und auch Ägypten ist ein gutes beispiel, den EU gefördetes Militärputsch gegen legitim gewähltes Präsident Morsi. Europäer sind alle faschisten und Rassisten und pressen ihre eigene Volk wie eine Orange. Die Flüchtlinge kommen nicht Sie folgen den Weg des Geldes die Europäern geklaut worden sind. Die Türkei mit seine 3 Millionen Flüchtlinge in modernster Einrichtungen die seines gleichen suchen sollten die Europäer lieber den Maul halten.

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