Machtkampf um die IDF in Israel?

Der plötzliche Rücktritt des israelischen Verteidigungsministers Moshe Ya’alon, nur kurze Zeit nach dem „warnenden Zwischenfalls“ des stellvertretenden Generalstabschefs Yair Golan durch dessen Vergleich Israels mit Nazi-Deutschland und vor allem dessen Begründung hätte eigentlich ein mediales Erdbeben auslösen sollen, nicht gerade im traditionell eher vorsichtigen Deutschland. Moshe Ya’alon ist (noch?) Mitglied von Netanyahus Likud-Partei, „kein linker Spinner“

Die internationale Presse nahm aber davon schon Notiz, auch FAZ und SZ berichteten, wenn man von der New York Times absieht, die einmal mehr ihr „besonderes Verhältnis“ zum Staat Israel, bzw. zur Regierung Netanyahus bekundete, in dem sie den Rücktritt sozusagen zum Nicht-Ereignis herunterspielte, ebenso wie schon Yair Golans Warnung vor einigen Tagen.

In einer Pressekonferenz anläßlich seines Rücktritts warnte Ya’alon vor einem gefährlichen Abdriften Israels, hin zu extremistischen Positionen, die bereits in die Streitkräfte eindrängen und sie beschädigten, daß er kein Vertrauen mehr zu Netanyahu habe, deshalb sein Ministeramt und seinen Sitz in der Knesset aufgeben würde und eine politische Pause einlegen wolle:

“I fought with all my might against manifestations of extremism, violence and racism in Israeli society, which are threatening its sturdiness and trickling into the armed forces, hurting it already,” sagte Moshe Ya’alon.

Yaalon’s Sitz in der Knesset gehr an Yehuda Glick, einen geborenen US-Bürger des Likud und Aktivisten des Temple Institute, das die Zerstörung des islamischen Felsendoms in Jerusalem propagiert um dort Platz für einen dritten jüdischen Tempel zu schaffen.

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(See more at: http://mondoweiss.net/2016/05/extremism-headlines-paragraph/?utm_source=Mondoweiss+List&utm_campaign=14b37df8ef-RSS_EMAIL_CAMPAIGN&utm_medium=email&utm_term=0_b86bace129-14b37df8ef-398537293#sthash.GZ9qhgQv.dpuf)

Die BBC dazu: http://www.bbc.com/news/world-middle-east-36340185
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Die WASHINGTON POST zitiert Ya’alon so:

“To my great dismay extremist and dangerous elements have taken over Israel and also the Likud Party and have shaken the house and are threatening to hurt the inhabitants. This is not the Likud Party I joined“.
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https://www.washingtonpost.com/world/middle_east/israels-defense-minister-abruptly-resigns-in-protest-of-growing-extremism/2016/05/20/c5a3d99b-bc00-4143-a4e7-15c17c9ae05d_story.html

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Wer diese Aussagen nun zu willkommenen pauschalen Statements Ya’alons über den Staat Israel aufpuschen möchte, dem sei ein anderes Zitat entgegen gestellt, das aus der TIMES OF ISRAEL stammt:

“In general, Israeli society is a healthy society, and the majority here is sane and seeks a Jewish, democratic and liberal state, a state that accepts each person as a person, without distinction of religion, race, gender, ethnic origin or sexual orientation, a tolerant and accepting country for the weakest and the minorities, who we have a duty to embrace and not to incite against, a country that fights unequivocally against the marginalization of women, sexual harassment toward them, or turning the [woman who comes forward] into the accused.”

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http://www.timesofisrael.com/leaving-politics-yaalon-warns-of-extremist-dangerous-forces-who-took-over-likud-israel/
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Eine kürzliche Umfrage des Pew Research Centers aus Washington, DC ergab, daß 50% der Befragten Israelis der Aussage zustimmten, daß Araber aus Israel ausgewiesen oder deportiert werden sollten und sogar eine Mehrheit dafür war, daß jüdische Bürger bevorzugt behandelt werden sollten in Israel. Israels Präsident Reuven Rivlin nannte diese Umfrage „einen Weckruf für die israelische Gesellschaft!“

In der Konsequenz wäre ein solcher Staat wohl ein Religionsstaat und keine Demokratie?

In extremistischen sozialen Medien Israels wird sein, Moshe Yaalons, Bild mit dem Fadenkreuz eines Zielfernrohrs überlegt und zu seiner „politischen Ermordung“ aufgerufen.

Sein Nachfolger soll angeblich der ehemalige Nachtclub-Türsteher, Extremist, das Knesset Mitglied Avigdor Liberman, Führer von Yisrael Beytenu werden. Er gilt als Sprachrohr der rund 1 Million Israelis mit russischem Migrationshintergrund. Die Gespräche, Verhandlungen laufen anscheinend seit geraumer Zeit, der Deal sei aber noch nicht gemacht. Der gebürtige Moldawier und Bewohner einer illegalen Siedlung, der schon einmal Israels Außenminister war, bis er wegen Ermittlungen zurücktreten musste, würde Netanyahus knappe 1-Stimmen-Mehrheit von derzeit 61 Sitzen in der Knesset um satte 5 Sitze erhöhen!

Fachlich, das heisst in militärischer Kompetenz, könnte Liberman dem hochdekorierten Ya’alon, der zahlreiche militärische Ämter durchlaufen hat und Sondereinheiten angehörte, gewiss nicht das Wasser reichen. Er soll es in der IDF nur zum Artillerie-Korporal gebracht haben?

Dies könnte im Hintergrund der eigentliche Grund Netanyahus sein die Debatte seit der Rede von Yair Golans so zuzuspitzen, die Gelegenheit zu nutzen?

Gegen diese These spräche der Umstand, daß Netanyahu zur Zeit gerade versucht den auslaufenden Militärhilfe Vertrag mit den USA zu verlängern und dabei gleichzeitig von 30 auf 40 Milliarden US-Dollar zu erhöhen, was ein einzigartiger Wert wäre…

Gleichzeitig könnte er so die israelischen Streitkräfte IDF mehr nach Rechts zwingen, in denen es anscheinend noch zu viele Mitte-Links-Stimmen gab für Netanyahus Geschmack? Läuft Netanyahu jetzt aus dem Ruder oder mutiert er am Ende gar zu einer Art von „israelischem Erdogan“?

7 Antworten zu Machtkampf um die IDF in Israel?

  1. Jakobiner sagt:

    Israels Rechte erhoffen sich zudem auch noch kräftigen Rückenwind aus den USA. Trump erklärte bei dem AIPAC-Treffen, dass seine erste Amtshandlung die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt des „Heiligen Landes“und die Kündigung des Irandeals sein werde.Kommt der Absicht Netanjahus entgegen, Israel zu einem „jüdischen Staat“zu machen und doch noch einen Militärschlag gegen Iran zu führen.

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  2. Jakobiner sagt:

    Die NZZ kritisiert aber auch Yaalon zugleich:
    „Seine Einschätzung ist nur insofern fragwürdig, als Lieberman, Chef der Partei «Unser Zuhause Israel», im Vergleich zu den wirklich extremen Politikern eine fast schon zahme Figur abgibt. Im Likud-Block sitzen etliche schamlose Rassisten, Naftali Bennett, der Chef der Partei «Jüdisches Heim», hat sich damit gebrüstet, «schon viele Araber getötet» zu haben, und auch der rechte Mob, der in Jerusalems Strassen periodisch zur Lynchjustiz gegen Palästinenser aufruft, hat keine Freude an der Kompromissbereitschaft Liebermans, etwa in Bezug auf die Zweistaatenlösung.“

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  3. Jakobiner sagt:

    Es ist jetzt schon der vierte Kommentar, der von mir verschwindet.Werden die zensiert und warum?

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    • almabu sagt:

      Das entscheide ich ganz willkürlich, das heisst ein Beitrag sollte den Regeln meines Blogs entsprechen, nicht monoton-besessen rechte Themen verbreiten und last not least, ich muss Zeit und Lust haben meinen Blog zu bearbeiten. An der Zeit hapert es zuweilen und gerade im Moment recht häufig..

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  4. Jakobiner sagt:

    Wie weit rechts die Likudpartei Netanjahus gerutscht ist, sieht man ja schon an der Tatsache, dass Ariel Scharon und Tsivni Lippni ihre iegene Kadimapartei gründteten, da ihnen der Likud zu extrem wurde.

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