Schweden, jetzt ein bißchen NATO!

Schweden unterzeichnete – wie auch Finnland – am 09. September 2014 auf dem NATO-Gipfel von Wales, UK das sogenannte „Host Nation Support Agreement“. Dieses Abkommen wurde jetzt am 25. Mai 2016 vom schwedischen Parlament in Stockholm mit satter Mehrheit von 245 zu 40 Stimmen ratifiziert.

Damit ist das bisher neutrale Schweden  zwar auch künftig kein formelles NATO-Mitglied – höchstens NATO-light – räumt aber dem US-Vasallen-Bündnis weitgehende Vollmachten ein. So kann die NATO auf schwedischem Territorium Militärübungen absolvieren und Stützpunkte unterhalten zu deren Versorgung die Schweden beitragen dürfen, ohne jedoch „den militärischen Schutzanspruch eines Vollmitgliedes zu genießen“.

Damit hat die NATO alle nordischen Staaten entweder als Vollmitglieder oder als „Hiwi“ unter Vertrag und am Haken…

Eine Umfrage von Anfang Mai ergab erstmals eine scheinbare Mehrheit für das Abkommen, denn wenn man die Aussagemöglichkeiten in Pro, Contra und keine Meinung zum NATO-Abkommen gliedert, dann hatten die Befürworter erstmals mit 38% Pro gegen 31% Contra die Mehrheit. Wenn man jedoch die Schweden mit keiner Meinung berücksichtigt, dann haben sich 62%, fast zwei Drittel der Schweden, in der Umfrage NICHT für das Abkommen ausgesprochen! Das war den Parlamentariern egal, die Gelegenheit war günstig, die Mitte der politischen Parteien stimmte für das Abkommen, die extremen Linken und Rechten stimmten dagegen.

Dann haben die geheimnisvollen U-Boote in schwedischen Territorialgewässern am Ende wohl ihren Zweck erfüllt?
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http://thebarentsobserver.com/security/2016/05/sweden-votes-closer-contact-nato
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9 Antworten zu Schweden, jetzt ein bißchen NATO!

  1. almabu sagt:

    Schweden und Finnland prüfen die Möglichkeit eines bilateralen Verteidigungsbündnisses, da Schweden trotz des jüngst ratifizierten „Host Nation Support Agreement“ mit der NATO keine Gewähr auf deren Hilfe im Ernstfall hätte. Aber auch dem Bündnis mit Finnland stünden in beiden Ländern verfassungsmäßige Hürden im Weg, die erst gelöst werden müssten.

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  2. Jakobiner sagt:

    Tja, Putin ist der beste NATO-Rekruteur. Durch seine ständigen Drohungen gegen die Osteuropäer, Balten und Skandinavier, durch die ständigen militärischen Provokationen ud Grenzzwischenfälle treibt Putin diese Länder geradezu in die NATO.

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  3. Jakobiner sagt:

    Auch Georgien ist noch nicht verloren- so schreibt die Jamestown Foundation:

    The commander of US Army Europe, Lieutenant General Ben Hodges, personally unveiled plans to hold Noble Partner 2016 exercises back in fall 2015. While visiting the international conference “The New Geopolitical Landscape of Europe: Security, Economic Opportunities, Freedom and Human Dignity for the Frontline States” in Tbilisi, Lt. General Hodges stated that the primary objective of the future exercises would be “to check how quickly American military equipment and servicemen can arrive on Georgian soil, if necessary” (Kommersant, July 8, 2015). A number of Georgian analysts say that holding trilateral military exercises in a Tbilisi suburb and bringing M1A2 Abrams tanks to Georgia for the first time sends a “strong message” for all pro-Western forces in Georgia that favor the country’s further integration into Euro-Atlantic structures. “Georgia failed to receive a MAP [Membership Action Plan] at the NATO summit in Wales, in 2014. In Warsaw NATO will not include Georgia in its MAP.NATO is also offering new projects for Georgia. The North Atlantic Alliance’s Deputy Secretary General Alexander Vershbow recently spoke in favor of giving Georgia and Ukraine the status of “associated partners of NATO” and working out a military-political cooperation format on the Black Sea region, according to the formula “28 + 2” (Kommersant, April 17).

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  4. andthoro sagt:

    Ich lese gerade Astrid Lindgrens Tagebücher 1939-1945 – aktuell wie damals und erschreckend was die Militärdiplomatie so anstellt…“Die Welt hat den Verstand verloren“…

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  5. almabu sagt:

    Das entscheidende Moment bei einer durch die Einschnürung Russlands durch die USA ausgelösten militärischen Aktion dürfte es sein, den Konflikt ohne wesentlichen Zeitverlust auf US-Territorium zu übertragen. Dazu gibt es nicht allzu viel Möglichkeiten und alle sollten sie uns zu denken geben? Die Idee, die NATO an die russischen Grenzen zu stellen und dann aus nächster Nähe anzugreifen ist militärisch derart absurd, daß man nicht glauben kann, daß solcher Schwachsinn im Pentagon ausgebrütet wird…

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    • almabu sagt:

      Wird durch diese permanente NATO-Präsenz im Baltikum künftig die Lage der russischen Minderheiten (bis zu 40%!) beeinträchtigt werden? Immerhin stehen die nationalen Polit-Akteure jetzt indirekt unter US-Schutz…

      Interessant auch, daß die NATO gleich selbst interpretiert, WO sie WIE und WANN alte Vereinbarungen mit Russland bzw. der UdSSR bricht oder wie sie diese auslegt. Sehr praktisch…

      Wenn man weiter bedenkt, daß ohne den US-Putsch in Kiew und die darauf folgende russische Krim-Annektion, praktisch spannungsfreier Frieden in Osteuropa geherrscht hätte, dann kann man die ZUFRIEDENHEIT der diversen Rüstungsindustrieen nachvollziehen…

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