Geschwister Scholl Kaserne, Augustdorf?

Als ich im Jahre 1978 aus Westberlin nach Ostwestfalen kam stieß ich recht früh beim Joggen auf eine große Bundeswehr-Kaserne in Augustdorf. In Detmold behinderten zu dieser Zeit noch die Briten mit Öl-leckenden Schrottpanzern den Verkehr in die Senne.

Diese Kaserne in Augustdorf hieß für mich geradezu unfassbar „Generalfeldmarschall Erwin Rommel Kaserne“. Sie war nach Hitlers Propaganda-Polit-General Erwin Rommel dem wüsten Fuchs, aka „Wüstenfuchs“ benannt und keinen schien es zu stören?

Wir haben diesen Namen gelegentlich in privater Runde thematisiert. Er wurde im Allgemeinen als für den Russen abschreckend und in diesem Sinne als geeignet für eine Panzer-Kaserne bewertet. Damals hatten die Straßen über den Teutoburger Wald alle Sprengkammern, mit denen sie im Ernstfall zerstört worden wären um den bösen Russen zweihundert Kilometer hinter dem Eisernen Vorhang endlich aufzuhalten, an seinem Vormarsch auf den Rhein zu hindern.

Die Jahre vergingen. Der Russe kam nicht. Die Sprengkammern wurden beseitigt. Der Name des „Wüstenfuchses“ blieb in Augustdorf bestehen. Jetzt steht er offenbar endlich zur Diskussion. Wird auch langsam höchste Zeit, finde ich?

Doch wie soll der Standort künftig heissen? Doktor-Ursula-von-der-Leine-Kaserne? Zu lang, zu abschreckend (für deutsche Soldaten, zumindest)?

––––––
https://de.wikipedia.org/wiki/Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne_(Augustdorf)

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7 Responses to Geschwister Scholl Kaserne, Augustdorf?

  1. Mein Vater (Jahrgang 14) war in der Senne in der Soldatenausbildung und kam zurück mit dem immer wieder zitierten Spruch: was schuf der Herrgott in seinem Zorn? Es ist die Senne bei Paderborn. 😎

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    • almabu sagt:

      Ich habe in der Senne jahrelang Marathon-Training gelaufen, denn die gesperrten Straßen im Übungsplatz sind asphaltiert, was bekanntlich bei Marathons Bedingung ist. Aber ich quälte mich freiwillig, war kein Soldat ;-)

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  2. Ralf Ostner sagt:

    Wie wär´s denn mit Biene-Maja-kaserne? Oder Georg-Elsewr-Kaserne? Oder Stauffenberg-Kaserne?

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  3. Ralf Ostner sagt:

    Bundeswehr und die Wehrmacht- von der Demokratie- und Traditionsdebatte zur Kapitalismusdebatte

    Erschreckend wie alte und junge deutsche Militaristen die Wehrmacht in den Leserbriefen vieler Zeitungen und auch des Münchner Merkurs hochleben lassen. Das Massenverhungernlassen von 3 Millionen slawischen Untermenschen/Russen sei legitim, weil Russland nicht die Konventionen des Internationalen Roten Kreuzes unterzeichnet habe. Quasi: Selbst schuld.Kaum an Zynismus zu überbieten. Dass die deutsche Wehrmacht ganz Europa in Schutt und Asche legte, mit 30 Millionen Kriegstoten und 6 Millionen ermorderten Juden, wird scheinbar als Kavaliersdelikt gesehen. Krieg ist eben Krieg, egal auch wenn man selbst der Aggressor ist, denn diese Partisanen waren ja sehr grausam, als sie sich gegen die Besetzung ihrer Länder wehrten. Am schockierendsten wird es aber, wenn ein Herr Riegert im Münchner Merkur den israelischen Militärhistoriker Martin von Creveld zur Legitimation des Vorbildcharakters der deutschen Wehrmacht zitiert: „Aber er hat sie in Sachen Organsition, Training, Lehre und Taktik, aber auch wasDisziplin und Moral der Soldaten betrifft als (auch heute noch) vorbildhaft bezeichnet“. Ein Israeli/Jude, der die Nazi-Wehrmacht als Vorbiild sieht–dann muss es ja stimmen, wenn man sich nicht in den Verdacht eines Antisemiten begeben will, wenn man diese Vorbildlichkeit infrage stellt.Der nächste rhetorische Kunstgriff ist, Fragen der Effektifität mit denen der Moral, wenn schon nicht der Demokratie oder Menschenrechte zu vermengen. Wenn Creveld von Moral der Truppe spricht, so meint er Kampfesmoral/fanatismus und Kampfesgeist/willen, nicht aber eben Moral oder humane Werte oder Verhältnismäßigkeit der Mittel. Eine Wehrmacht, die ganz Europa und Rußland in Schutt und Asche legte mit 30 Millionen Toten und 6 Millionen ermordeten Juden, auch Millionen von Deutschen, die sich scheinbar selber gar nicht als Kriesgoppfer einer verbrecherischen deutschen Dikatur sehen, sondern nur volksgemeinschaftlich als Opfer fremder Mächte, war allerdings effizient. Wenn man nur Effizienzkriterien anlegt, könnte man auch die KZ und den Holocaust als effiziente Organisation sehen oder Pol Pots Geheimdienst oder Stalins Gulags und Vernichtung von Kulaken und Oppositionellen mittels seiner durchaus effizienten Tscheka.Auch dies wären dann morlaische Vorbilder für Herrn Riegert. Und wenn Helmut Schmidt als nächster Kronzeuge zitiert wird, so antwortete Oskar Lafontaine seinem Altmeister auch schon mal: „Mit diesen deutschen Primärtugenden von Effizienz, Pünkltlichkeit und Disziplin konnte man auch KZs betreiben“. Vorbildlich bezüglich Organisation, Effizienz und „Moral“. Aber auch Schmidt war Wehrmachtler wie FJ Strauss und sind da noch als kontaminiert bei ihrer Weltsicht auf die Wehrmacht zu betrachten.

    So berechtigt es von der Leyen ist gegen Wehrmachtsglorifizierung in der Bundeswehr vorzugehen, so überhysterisch ist doch die nun veranstaltete Symbolpolitik, selbst Bilder mit Wehrmachtsuniformen, inklusive eben Helmut Schmidts zu exorizieren. Sinnvoller wäre es das Photo zu belassen und eben anhand der Persons Helmut Schmidts oder der abgebildeten Truppenteile einmal die Wehrmachtsgeschichte und deren Wirken zu analysieren und zu diskutieren.Das erinnert ein wenig an Stalinsche und Orwellsche Unpersonensäuberung, bei der Photos von unliebigen historischen Personen einfach wegretuschiert und die Leute historisch nicht existent gemacht werden.Der Schwerpunkt bei der Aufarbeitung sollte bei der politischen und geschichtlichen Bildung der Bundeswehrangehörigen liegen. Hier muss man intensiv inhaltlich arbeiten und sich nicht nur an Beseitigung einiger Wehrmachtsdevotionalien abarbeiten– zumal auch aufgrund eines unreflektierten Befehls von oben, der nur den alten Untertanengeist perpetuiert..Eine breite Diskussion innerhalb der Truppe wie auch der Bevökerung ist von Nöten, um einen neuen Konsens bezüglich der Tradition der Bundeswehr zu erzielen.Dabei sollte man sich auch Leute mit konservativeren Ansichten artikulieren lassen ohne gleich als Rückmeldung nach oben als Rechtsradikaler. Ansonsten züchtet man nur eine Angstatmosphäre, in der eine offene und ehrliche Auseinandersetzung nicht möglich ist.Es gibt auch andere Gruppen wie etwa die Scharnhorstgesellschaft (Politisch-Militärische Gesellschaft), die ihre Tradition nicht in die Reihe des Militärs des 1. und 2. Weltkriegs stellt, sondern bei den preußischen Reformern ansetzt, wenngleich auch Preußen etwas umstritten, aber bei weitem nicht so belastet ist. Auch gibt es die Clausewitzgesellschaft unter dem „Philosophengeneral “ Reinhardt, die sich mehr mit militärischen und militärphilosphischen Fragen der Gegenwart im Diktum von Clausewitzs „Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ und der Diskussion der Politik beschäftigt. Zu diskutieren wäre ja auch mal, ob man überhaupt eine Tradition braucht oder wenn man diese meint haben zu müssen, deutet es ja auch daraufhin, dass man mit fragwürdigen Tradititionen der Vergangenheit gar nicht brechen will und sich eher in einer Kontinuität sieht.Wobei vielleicht auch mal zu fragen wäre: Braucht man denn überhaupt Traditionen und Traditionspflege oder sollte man auch selbst das beseitigen im Sinne eines klaren Schnitts und Neuanfangs?

    Zuletzt oder aber zuerst wäre von links zu fragen, was die Funktion des Militärs in einer kapitalistischen globalisierten Gesellschaft ist, die aufgrund ihrer Kapitalakkumalation eben auf einen wirtschaftlichen und dann militärischen Expansionismus systembedingt drängt,auf die Eroberung und Herstellung von Auslandsmärkten, Rohstoffen, Handelsrouten, Pipelines, etc., EU und NATO im Stechschritt gemeinsam expandieren oder China seine Neuen Seidenstrassen in Konkurrenz zu den USA wie damals Deutschland die Bagdadbahn in Konkurrenz mit dem British Empire vorantreibt, die Börsen, multinationalen Konzernen und das Finanzkapital nach immer weiteren Anlagesphären oder der Zurichtung ganzer Staaten und Großraümen als Kapitalanlagefeldern strebt , die sich dann eben konfliktträchtig in der Konkurrenz zwischen Nationalstaaten und Kapitalfraktionen in Kriegen und Weltkriegen entlädt mit Millionen von Toten. Von daher ist die gesamte Bundeswehrdebatte als Demokratiedebatte doch sehr stark verengt und sollte die Linke diese Diskussion um eine Grundsatzdiskussion über Kapitalismus und Militarismus erweitern. Vielleicht wird dann auch einigen Leuten klar, was es bedeutet, dass „Deutschland eben am Hindukusch verteidigt wird“. Kurz bedeutet dies, dass selbst der entlegenste und unattrakivste Winkel der Welt im Rahmen der weltweiten Expansion des deutschen und westlichen Kapitals nicht vor deutschen oder westlichen Truppen sicher ist, die den geopolitischen Raum Zentralasiens und Südasiens oder andere geopolitische Räume zwecks zukünftiger Geschäfte für die jeweiligen imperialistischen Staaten und das Finanzkapital und die multinationalen Konzerne stabilisieren und ausbeutbar machen sollen.Es geht nicht um Afghanistan selbst oder um irgendwelche Rohstoffen in Afghanistan, sondern dass Afghanistan ein Störfaktor für die wirtschaftliche Expansion westlichen Kapitals im Großraum Zentralasien/Südasien geworden ist, der stabilisiert werden muss, will man da längerfristig noch Geschäfte in diesem geopolitischen Großwirtschaftsraum machen. Wie die NATO der EU bei ihrer Ukraineexpansion hinterherschreitet und uns den Ukrainekonflikt mit Russland bringt, so eben werden deutsche oder westliche Truppen auch überall hinmarschieren, wo die internationalen Kapitalinteressen der USA, Deutschlands oder anderer westlicher Staaten berührt sind. Von daher gilt: Deutsche Truppen, deutsches Geld, weltweit in der Welt–deswegen auch am Hindukusch, wenngleich jetzt wieder die Zentralfront mit Rußland wiederbelebt wird, da es nach 2 Jahrzehnten der westlichen Globalisierung jetzt nach der Finanz- und Globalisierungskrise von 2008 zu Gegenreaktionen Rußlands und Chinas kommt, die nun auch wieder Großmachtkonflikte, transregionale Kriege oder eben Weltkriege wieder möglich machen.

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  4. almabu sagt:

    OFF TOPIC:
    Helle Aufregung wegen der Indiskretionen von Plappermäulchen Trump über die Erkenntnisse eines engen US-Verbündeten über Pläne, Absichten und Methoden des IS beim Terror.

    Man fürchtet, „the trumpet“ könnte die Quelle/n in Gefahr bringen und die Insider-News gar über die Russen „per stille Post“ an den Iran gehen!

    Die NYT schreibt heute, dieser enge Verbündete sei Israel! Gerüchte, daß Israel sehr, sehr nah am IS dran sei sind nicht neu. Gerätselt wird nur ob als Spionage-Ziel oder als lokaler Verbündeter?

    Es bleibt spannend mit Trump. Heute ist Erdogan bei ihm zu Besuch. Die Beiden zusammen sind auch immer eine Nachricht wert…

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