Warum Theresa May gehen müsste!

Die Tories, die Konservativen von Theresa May haben keine eigene Mehrheit! Sie sind künftig auf eine offizielle Koalition oder eine stille Duldung nach Absprachen durch Oppositionsparteien angewiesen. Damit hat Theresa May sich ein Eigentor geschossen, die ihre Position eigentlich durch diese vollkommen unnötigen, vorgezogenen Neuwahlen verbessern wollte, sie hat sich klassisch verzockt! Auch enge Mitarbeiter Mays haben ihre Sitze verloren.

Nicht nur Labour-Führer Jeremy Corbyn hat sie aufgefordert, ihre Lage zu überdenken, auch eigene Tories und sogar Kabinettsmitglieder haben dies enttäuscht und wütend getan. Denen steht anscheinend eine Rebellion ins Haus? Eigentlich müsste sie unter diesen Umständen zurücktreten, aber sie wird wohl genügend wichtige Gründe finden, dies nicht zu tun?

Für uns EU-Kontinentaleuropäer scheint sich dadurch hingegen grundsätzlich erst einmal nichts zu ändern? Auch Jeremy Corbyn (der natürlich auch keine Mehrheit hat) ist ein BREXIT-Befürworter. Er war sogar sein ganzes politisches Leben lang europakritisch eingestellt! Wahrscheinlich hat sich die Position des UK in den BREXIT-Verhandlungen, die in ein paar Tagen(!) beginnen sollen verschlechtert und möglicherweise macht genau dieser Umstand  die Verhandlungen noch schwieriger?

Vorläufiges Fazit: Noch zu früh, ein definitives Fazit zu ziehen, kann man aber wohl schon sagen, daß diese Wahl und ihr Ergebnis ein Spiegelbild der zerissenen sozialen Gesellschaft des UK darstellt, denn die beiden größten Parteien waren offiziell Pro-BREXIT, boten dem Wählen in DIESER Frage also keine Alternative. Auch die schottischen Nationalisten haben deutlich verloren. Ihre Unabhängigkeitsbestrebungen bis nach einem erfolgten Brexit zurückzustellen, wozu Theresa May sie zwang und worin sie einwilligten, wurde vom Wähler nicht honoriert. Man darf aber wohl schon sagen, daß Labour-Führer Jeremy Corbyns Versuch die soziale Frage nach Jahren desaströsen Budgetkürzungen der Konservativen bei Bildung- und im Sozial- und Gesundheitsbereich, aber auch bei der Polizei, wieder ins Zentrum der Debatte zu stellen ein voller politischer Erfolg war! Man darf wohl auch schon sagen, daß dies Wahlergebnis eine Folge der erfolgreichen Reaktivierung zur Teilnahme JÜNGERER WÄHLER durch Jeremy Corbyns Labour war, während der BREXIT eine Folge der Alten, der abgehängten ländlichen Bevölkerung animiert und aufgehetzt durch die Clowns von UKIP war.

„Beinahe“ Endergebnis nach 648/650 ausgezählten Sitzen:

317 (-12) CON
261 (+31) LAB
012 (-03) LD
035 ( -19) SNP
010 (+02) DUP
000 (+-0) UKIP (!)
001 (+-0) GREEN
012 Diverse Andere Parteien.

Der Stimmenanteil, nicht die Anzahl der gewonnenen Sitze, macht die Sache noch klarer:

2015 = 37%, 2017 = 42% Konservative
2015 = 30%, 2017 = 40% Labour
Hier drückt sich klar eine soziale und politische Spaltung des Landes in zwei annähernd gleich große Hälften aus!

Das beste Ergebnis seit Tony Blairs 2001 = 41%! Es scheint, Labour hat sich bis zu 4 Mio Stimmen von UKIP-Wählern geholt?

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10 Responses to Warum Theresa May gehen müsste!

  1. almabu sagt:

    Kann es noch schlimmer kommen für die Briten UND die EU? Offenbar ja, denn die Buchmacher haben als Favoriten für Mays Nachfolge den unberechenbaren Aussenminister, mit US-türkischen Wurzeln, Boris Johnson auserkoren! Zusammen mit Donald Trump ein Albtraum-Duo für den Westen!

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  2. almabu sagt:

    Offenbar versucht Theresa May gerade eine Koalition mit der nordirischen Regionalpartei DUP (Democratic Unionist Party) zu bilden, was den Nordiren mit ihren 10 Sitzen wohl ein gewichtiges Wörtchen beim BREXIT geben dürfte und May zur Gefangenen der Iren machen könnte? Mal sehen, ob die messerwetzenden Tories das noch mitmachen?

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  3. almabu sagt:

    Die deutsche Sozialdemokratie sollte Labours Wahlkampf und vor allem deren Programm, das ihnen die Jugend zurück brachte, ab sofort detailliert studieren, denn sie liegt in Umfragen noch klarer zurück als Jeremy Corbyn und Labour in England!

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  4. almabu sagt:

    DU, ODER ICH? (Das allerletzte Gerücht!)
    Theresa May will offenbar in Kürze bei der Queen vorsprechen um diese davon zu überzeugen, daß sie die unangefochtene Wahlsiegerin sei und darum eine neue Regierung anführen müsse.
    Es ist nur ein Gerücht, daß ihr die Queen dann die Pistole auf die Brust setzen wolle und mit der Forderung DU, ODER ICH zum Rücktritt veranlassen wolle. Es stimmt auch nicht, daß die Queen für diesen Fall befürchte, daß May dann IHREN Job übernehmen wolle!

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  5. almabu sagt:

    Wie lange wird es wohl dauern, bis die „üblichen Verdächtigen“ die Russen und speziell Putin für Theresa Mays Wahlkatastrophe verantwortlich machen durch Einmischung und übles Hacking?

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  6. Jakobiner sagt:

    Bei der SPD und der Linkspartei erhopfft man sich nach dem Verpuffen des Schulzeffekts nun einen Corbyneffekt. Daran ist bei der SPD zweierlei falsch. Zum einen will Merkel keinen Dexit ala May, zum anderen hat Schulz durch seine Absage an rot-rot-grün und sein Umganren der neoliberalen FDP für alle Wähler klargemacht, dass ihm die soziale Gerechtigkeit ziemlich schnuppe ist trotz aller anderen großmäuligen Wahlversprechungen um die Rente. Interessant wie unisono die deutschen Medien jetzt behaupten, dass soziale Gerechtigkeit als Wahlkampfthema nicht relevant sei, sondern mehr EU-/Außen- und Sicherheitspolitik. Die Linkspartei hat auf ihrem Parteitag nun beschlossen nun sich als die Partei der sozialen Gerechtigkeit noch vor der Positionierung als die Friedenspartei zu definieren. Bei der SPD dürfte kein Corbnyneffekt möglich sein, bei der LInkspartei vielleicht. Aber die Klassengegensätze sind im Thatcher/Blairgeprägten GB intensiver als in Deutschland und zumal besteht für rot-rot-grün dank der Dominanz des Seeheimer Kreises in der SPD keine reale Machtperspektive.

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    • almabu sagt:

      Wenn man mit offenen Augen und nach längerer Zeit wieder einmal durch deutsche Großstädte kommt, dann sieht man schon ganz erstaunliche und wachsende Klassengegensätze. Die Unter-Mindestlohn-Klasse hat sich bisher nur nicht als solche definiert und solidarisiert, aber sie existiert als erhebliches Potential in unserer Gesellschaft!

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  7. Jakobiner sagt:

    Zumal Merkel auch nicht ala May als neue Maggie Thatcher auftritt und solche sozialen Hämmer wie eine Demenzsteuer fordert, die es Corbyn sehr leicht machte zu mobilisieren.Dazu kommt angesichts der Trumpschen Außenpolitik, der EU-Krise und Gabriels Warnung vor einem neuen Golfkrieg rund um die Katarkrise der Außenpolitik eine gewichtige Rolle zu, während die Linkspartei immer noch von einem Austritt Deutschalnds aus der NATO halluniziert

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  8. Jakobiner sagt:

    Merkel kann sich da als neue Führerin des liberalen Westens präsentieren, während die SPD da vor allem über Gabriel als Außenminister auf dem internationalen Parkett punkten kann, während Schulz hier nicht im Zentrum steht und Gabriel nicht Kanzlerkandidat ist.Zumal Schulz bisher zu außenpolitischen Fragen eher zurückhaltend aufgetreten ist und nur kurz mal versuchte seinen vermeintlichen Bonus als Mr. EU auszuspielen.

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  9. Jakobiner sagt:

    Dazu kommt angesichts der Trumpschen Außenpolitik (Trumpeffekt), der EU-Krise und Gabriels Warnung vor einem neuen Golfkrieg rund um die Katarkrise der Außenpolitik eine gewichtige Rolle zu, während die Linkspartei immer noch von einem Austritt Deutschlands aus der NATO halluniziert. Merkel kann sich da als neue Führerin des liberalen Westens präsentieren, während die SPD da vor allem über Gabriel als Außenminister auf dem internationalen Parkett punkten kann, während Schulz hier nicht im Zentrum steht und Gabriel nicht Kanzlerkandidat ist.Zumal Schulz bisher zu außenpolitischen Fragen eher zurückhaltend aufgetreten ist und nur kurz mal versuchte seinen vermeintlichen Bonus als Mr. EU auszuspielen. Und selbst in diesem Fall: Schulz würde bestenfalls als Mr. EU wahrgenommen, Merkel aber als Miss World. Allgemein ist überhaupt zu fragen, ob sich Parteien so auf kurzfristige Effekthaschereien verlassen sollten–da strahlt Merkel doch mehr Kontinuität aus, die weniger spontaner Emotionalität und Impulsivität geschuldet ist.

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