Türkei Wahlkampfthema in Deutschland?

Es deutet alles darauf hin, daß die Beziehungen zur Türkei zum Wahlkampfthema in Deutschland werden. Wer schlägt am stärksten zurück? Wer hat am wenigsten Angst vor’m bösen Recep Tayyip Erdoğan? Das wäre eine verhängnisvolle Entwicklung, denn die Türkei ist ein zu großes und wichtiges Land um von deutschen Parteien missbraucht zu werden. Wahlkampf rechtfertigt nicht JEDES Mittel!

Das unwürdige Affentheater um einen türkischen EU-Beitritt sollte schnellstens beendet werden. Darin stimme ich dem österreichischen Aussenminister Sebastian Kurz ausdrücklich zu. Dabei sollte man keinen Schuldigen suchen, denn dann fände man zwei Schuldige, uns Europäer nämlich auch, denn wir hielten die Türkei schon hin, als Erdogan noch in die Windeln machte!

Wir müssen unsere Beziehungen auf eine neue Grundlage stellen  und Recep Tayyip Erdoğan darf dabei kein entscheidender Hinderungsgrund sein. Seine Zeit ist begrenzt, sein Leben endlich, er ist nicht Allah!

Was uns unmittelbar betrifft in Deutschland: Wir dürfen keinen „Wahlkampf der Türkei-Kritiker“ betreiben, nach dem Motto: „Wer beschimpft die Türkei am härtesten, beleidigt ihre Menschen konsequent?“

Es mag Menschen im rechten Spektrum des politischen Deutschlands geben, denen eine deutsch-türkische Eskalation in die Karten spielt. Wir sollten denen nicht helfen!

AKTUALISIERUNG:
Die Türkei hat die Terrorliste auf der deutsche Firmen auftauchten als Kommunikations-Irrtum zurückgezogen und sich entschuldigt.

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6 Responses to Türkei Wahlkampfthema in Deutschland?

  1. Jakobiner sagt:

    Da muss man einmal unterscheiden: Es ist wohl richtig die drei wichtigsten Dinge zu fordern: Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen / Neuanfang mittels „pragmatischer Zusammenarbeit“ statt „privilegierter Partnerschaft“, Islamgesetz und Infragestellung der Zollunion als Druckmittel.Die ersten Beiden werden bisher nur von der CSU erhoben und finde ich richtig. Almabu stimmt ja inzwischen auch Kurz, wie der Brux inzwischen auch dem Kurz zu – welch ein Sinneswandel! Zu befürchten ist nur, dass Merkel und die EU dem nicht nachkommen werden–auf Druck der Wirtschaft. Falsch wäre es jedoch, einen Überbietungswettbewerb der radikalsten Forderungen, die zum Teil auch völlig nutzlos wären, zu veranstalten. Aber bisher sehe ich dies noch nicht: Grüne und Linkspartei können damit nicht gemeint sein. Der Wahlkampf wird vor allem durch die Flüchtliungspolitik, Türkeipolitik und Innere Sicherheit bestimmt werden, wobei Erdogan da ja nochmals Öl ins Feuer gießen könnte, sollte er den Türkeideal infrage stellen – alles miteinander verwoben. Soziale Gerechtigkeit hat Schulz schon selbst von der Agenda genommen und selbst die Flüchtlingspolitik zum Thema gemacht. Nicht ganz zu unrecht, da sich in Italien wieder hunderttausende von neuen Flüchtlingen sammeln, die letztendlich wieder versuchen werden in eines der wohlhabenderen Länder zu kommen.

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    • almabu sagt:

      Die Ursachen der Flüchtlingsbewegungen sind nirgendwo in Afrika und Asien beseitigt. Die Möglichkeit Menschenströme durch zuvor von uns zerstörte Staaten zu leiten haben wir, DER WESTEN, zwar selbst geschaffen, sie trifft uns aber in sehr unterschiedlichem Maße. Die USA mussten bisher noch für KEINEN der von ihnen verursachten Kriege in irgendeiner Form bezahlen. Alle anderen ihrer „Verbündeten“ sogar die special-relations Briten, haben zum Teil sehr hoch für die Kriege der USA bezahlt. Aus US-Sicht die beliebte win-win-Situation. Die Fluchtströme erfüllen den Zweck der Destabilisierung der EU, vermutlich mit dem Endziel ihrer Zerstörung und Ablösung durch national-populistische Systeme, wie wir sie heute schon beim BREXIT im UK, in Ungarn und Polen und in Ansätzen in Deutschland und Frankreich, in Spanien und Italien erleben.

      Die deutsche Wirtschaft ist durch ihre Exportlastigkeit viel anfälliger als viele glaubten. Unsere Sozialsysteme, deren Leistungsen sich bis in die letzten Winkel der Welt herumgesprochen haben, würden bei einem Einbruch der Wirtschaft in kürzester Zeit unfinanzierbar werden und hier die Gesellschaft auf den Kopf stellen. Vermutlich würde man dann versuchen die „Unberechtigten“ ala Leistungsempfänger auszusortieren und – wo möglich – außer Landes zu bringen? Dann hätten wir soziale Unruhen und Bürgerkrieg in Deutschland. Weit hergeholt? Hoffentlich, aber keineswegs unmöglich!

      Ausserdem basteln die USA politisch gerade daran uns per US-Gesetzen von der Energieversorgung aus Russland abzuschneiden und uns zum Verbrauch teurer US-Fracking-Brühe zu zwingen, für die uns bisher sogar jegliche Infrastruktur fehlt. Deutsche Exporte in beliebige, von den USA bestimmte Länder, werden dann sanktioniert. Es soll dann jede beliebige Form von Sanktionen gegen deutsche Firmen geben können, die zeigen, daß wir keineswegs ein unabhängiges Land, sondern lediglich eine US-Kolonie an bisher langer Leine sind, die gerade ein wenig eingeholt, verkürzt wird, „damit der Hund merkt, wer das Sagen hat“.

      Wir sind auch in der Interaktion mit der Türkei längst nicht so frei wie hier in Wahlkampfzeiten getan wird. Die USA werden sich der geostrategischen Lage der Türkei wegen, im Zweifelsfall von Herrn Erdogan mehr bieten lassen als von Frau Merkel. Die EU versucht gerade sich von der deutschen Dominanz etwas frei zu schwimmen. Mogherini wird im Ernstfall auf die USA hören. Deshalb sitzt sie da, wo sie sitzt! Sowie Trump, als auch Netanyahu und die Briten beteiligen sich an der Kommunikation mit den neuen, nord- und südosteuropäischen Ländergruppen, die sich in der EU gebildet haben. Merkel Deutschland wird da früher oder später vor die Wand fahren, wenn sie in Brüssel etwas durchsetzen wollen, da nehme ich Wetten an…

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  2. Jakobiner sagt:

    Den EU-Beitritt der Türkei habe ich auch schon abgelehnt, als diese noch demokratisch-säkular war und „Erdogan noch in den Windeln lag“. Aus folgenden Gründen: Erstens ist der Nationalstolz und Nationalismus bei den Türken stärker ausgeprägt als im westeuropäischen Durchschnitt, selbts mit CHP hätte man sich da eine türkische Orban/Kaczynski-Türkei reingeholt. Zweitens wäre die Türkei mit Deutschland dann mit 80 Millionen der größte EU-Staat gewesen, was die Machtverhältnisse nachhaltig geändert und die gut funktionierende deutsch-französische Achse infrage gestellt hätte. Drittens hätte man dann gemeinsame EU-Außengrenzen zu Syrien, Irak, Iran, Kaukasus/Zentralasien–alles konfliktgeladene Pulverfässer–schon jetzt mit der NATO ein Problem.Zudem sah ich in Erdogan eben keine muslimische CDU, sondern eine islamofaschistische Mulsimbruderpartei – so auch in meinem ersten IG Blogbeitrag 2011 – damals wurde man aber für diese Ansichten noch als „Türkenfeind“, „islamophob“ und als „Antieuropäer“denunziert und angegriffen.

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  3. Jakobiner sagt:

    Während die Türkei die deutschen Gemüter erregt, so investiert die deutsche Wirtschaft immer noch in die Türkei und verhandelt die EU mit der Türkei sogar eine Ausweitung der Zollunion:

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsdrohungen-lassen-ankara-kalt-15121080.html

    Auch bezeichnend, dass die Türkei nach Gabriels Hermesbürgschaften-Boybott nun die Terroristenunterstützer-Liste von BASF, Daimler und anderen Konzernen zurückgezogen hat. Wenn es um Menschenrechtler geht, halb so schlimm, wenn es um die Interessen der deutschen Wirtschaft geht: Gotteslästerung im Lande des Exportweltmeisters, der heutezutage sein Selbstverständnis aus wirtschaftlichen statt militärischen Eroberungen der Welt bezieht.

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  4. […] über Türkei Wahlkampfthema in Deutschland? — almabus blog […]

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