Hat die EU in ihrer heutigen Form eine Zukunft?

Die EU hat in den letzten Jahren praktisch ausschließlich Wirtschaftspolitik betrieben. Dabei hat sie vergessen sich der Interessen der kleinen Leute, ihrer Bürger in den verschiedenen Mitgliedstaaten, anzunehmen. Diese sind durchaus unterschiedlicher, aber stets nachvollziehbarer Natur und unterscheiden sich von denen der Wirtschaft oft diametral. Die Unterstützung, die Akzeptanz dieser EU bei den Bürgern der Mitgliedstaaten, dürfte darum heute wohl niedriger denn je sein und dies obwohl die „Verwirtschaftlichung“ der Politik kein Phänomen der EU, sondern international ist?

Dazu wurde sie indirekt durch die Auswahl entsprechenden Führungspersonals von den USA ferngesteuert. Die maßlosen EU-Erweiterungen nach Mittel-, Nord- und Südosteuropa waren eher strategische Maßnahmen gegen Russland als erforderliches und erklärbares Eigeninteresse der Europäer.

Doch, je uneinheitlicher diese EU wurde, desto mehr tauchten Risse an alten und ganz alten Stellen wieder auf, die man längst überwunden, abgehakt und erledigt glaubte. Man hatte eben ersichtlich keine gemeinsame Basis der Völker.

Der BREXIT, der Absprung der Insel-Briten von der Festlands-EU, war die Initialzündung, der Startschuss für schlummernde Uraltkonflikte entlang hysterisch-historischer Bruchstellen. Wir erleben gerade eine Dezentralisierung der EU bei der Skandinavien und die Benelux-Staaten sich wohl wieder stärker am UK orientieren werden. Die Visegrad-Staaten, verstärkt durch das Baltikum, Österreich und den Balkan, werden eine Art parlamentarischer Donaumonarchie 2.0 anstreben und sich von Russland und Deutschland klar abgrenzen. Griechenland, Zypern, Malta, Italien, Spanien und Portugal werden eine Art Mittelmeerzone bilden, der ähnliche Traditionen, Seefahrt und Handel und vor allem ähnliche Probleme zugrunde liegen. Das Mittelmeer, heute die Flüchtlings-Abschreckungs- und Todesfalle der EU, wird wieder was es über Jahrtausende war, ein verbindendes Verkehrselement ihrer Anrainerstaaten und -völker.

Vor dieser Ausgangsposition haben stärkere EU-Integrationsversuche einen schweren Stand. Outside-Player wie die USA, das UK, Russland, China aber auch die Türkei, können gezielt IHRE Interessen an die jeweiligen nationalen EU-Staaten und -Fraktionen herantragen und so zumindest eine stärkere EU blockieren. Was Erdogan mit seinen EU-Türken vorexerzieren will, können die anderen Outside-Player mit ihren spezifischen EU-Ansprechpartnern nachvollziehen und das Ergebnis wird ein heillos untereinander zerstrittener, handlungsunfähiger „Sauhaufen“ sein!

Die USA haben schon seit Zeiten von Henry Kissinger, Donald Rumsfeld und Dick Cheney, aber besonders jetzt wieder seit Donald Trump, auf nationale Karten gesetzt anstatt auf eine geschlossene, starke EU, lieber auf viele kleine Bantustans, die gebückt Befehle entgegen nehmen. Die widersprechen nicht, haben keinen komplizierten Meinungsbildungspreozess und funktionieren einfach nach dem Motto: „Wegtreten!“

Die EU setzt dagegen auf Zentralisierung. einen EU-Wirtschaftsminister, Etats, steuerliche Anpassungen. Zugegeben, das wäre zumindest AUCH eine Lösung, so die USA sie denn ließen. Es wäre aber eine Lösung der Vereinheitlichung NACH UNTEN, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Die Mitteleuropäer müssten praktisch auf allen Feldern Federn lassen um die Ost- und Südeuropäer mit ins Boote zu holen. Die derzeitige wirtschaftliche Ausbeutung Süd- und Osteuropas wäre zu Ende, denn sie würde künftig gleich hier vor Ort, in unserem Mitteleuropa stattfinden und wir wären nicht Zuschauer sondern Betroffene….

Dann will die EU noch eine Armee, zumindest militärische Oberstrukturen, ein HQ über die diversen nationalen Armeen. Sie will anscheinend Kriege führen? Für wen und warum? Wenn man sich so umsieht, wer bliebe da als böser Feind außer Russland, Weissrussland und der Türkei?

Eine Art von „kontrolliertem WW3“, begrenzt auf das eurasische Territorium wäre wohl der „feuchte Traum“ der US-Finanz- und Rüstungsindustrien. Ich fürchte, ein, zwei weitere „vollkommen überraschend-unerwartete“ Flüchtlingsmillionen in die EU und wir werden die Initialzündung der Spaltung LIVE erleben müssen..?

 

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7 Responses to Hat die EU in ihrer heutigen Form eine Zukunft?

  1. almabu sagt:

    „…Asylwerber dürfen in Österreich nämlich nur als Saisonarbeiter, Prostituierte oder Ehrenamtliche arbeiten…“
    – derstandard.at/2000061528783/Wenig-Asylwerber-als-Erntearbeiter-auf-dem-Feld

    Wie ist das eigentlich in Deutschland geregelt?

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  2. almabu sagt:

    Saisonarbeiter in der Landwirtschaft seien es z.Z. gerade mal 100 von 70.000 Antragstellern, weil die Arbeit so anstrengend sei…

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  3. Antonio sagt:

    Aus Standpunkt der anderen Staaten Russland, China und die Türkei ist das Böse in der EU, USA und Israel zu suchen.

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  4. Jakobiner sagt:

    Klingt mir etwas nach Verschwörungstheorie und reichsbürgermäßig: Das „ferngesteuerte Führungspersonal“der EU und dann widersetzt sich eben diese ferngesteuerte EU den USA, weswegen sie gespalten werden müsse–was nun? Wenn jemand in der EU das Sagen hat, so Deutschland, auch wenn es jetzt immer mehr Gegenwind gibt. Richtig daran ist, dass die konservativen Parteien der USA und GBS sowie die Nationalisten in Europa ein Interesse an einer Schwächung der bestehenden EU haben (selbst die CSU ist für gewisse „Renationalisierungen“und ein „Europa der Regionen“). Und es liegt an der EU ihre Außengrenzen zu schützen vor neuen Flüchtlingsströmen oder eben nicht–da haben die USa ja wenig zu melden, zumal sie eben auch nicht die Flüchtlingsströme lenken können.Es war zu befürchten, dass die nächste Flüchtlingswelle von Medien und Politik nicht thematisiert worden wäre während des Wahlkampfs,obgleich die Warnsignale ja deutlich vrohanden sind. Insofern ist es gut, dass Schulz auf die neuankommenden Flüchtlinge in Italien hinweist. Die CDU/CSU hat in ihrem Wahlprogramm auch nur die Formulierung, dass „sich 2015 nicht wiederholen darf“. Darf ist eben nicht wird. Das Versiegen des Flüchtklingsstrom ist im wesentlichen Orban und Östereichs Politik der Sperrung der Balkanroute geschuldet und nicht Merkels entschiedenem Eingreifen. Der Türkeideal hat die BRD zudem in Abhängigkeit von Erdogan gebracht, der jederzeit die Flüchtlingsschleusen wieder öffnen kann und der vielbeschworene „Schutz der EU-Außengrenzen“ist bisher trotz vollmundiger Sonntagsreden immer noch ein Phantom und nicht existent, wie nun die Flüchtlingswelle nach Italien beweist.Zudem hat die EU auch auf Druck Deutschlands Italien dazu gewzungen, die Häfen offenzuhalten und nicht zu schließen.Schulz will nun die neuankommenden Flüchtlinge wieder europaweit verteilen, was wieder nicht klappen wird. Grundsätzlich ist aber seitens Merkels und der EU keinerlei Maßnahmen zu sehen, die den Flüchtlingsstrom grundsätzlich begrenzen.Denn wenn man die Häfen und den Landweg nicht schließt, dann wird dieser Zustrom jedes Jahr so weitergehen über die nächsten Jahrzehnte und nicht abbrechen.Wichtig wäre es die Flüchtlingslager vor Ort mit einer soliden Finanzbasis so auszustatten, dass die Menschen nicht mehr wegen ausbleibender Nahrungsmittelhilfe, mangelnder Infrastruktur,etc. den Weg nach Europa antreten.Der Vorschlag von Entwicklungsminsiter Müller (CSU) einen festen EU-Fonds und einen UNO-Fonds dafür einzurichten, wird bisher nicht nachgekommen. Auch die Gelegenheit, dies beim G-20-Gipfel zu beschliessen, wurde verpasst– Afrikaplan hin oder her.

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    • almabu sagt:

      Ich bin kein Hellsehr, eher manchmal ein Schwarzseher, allerdings ein ziemlich optimistischer Schwarzseher ;-))
      Letztlich ist es aber für mich verblüffend und unübersehbar, daß sich Risse entlang alter, historischer Grenzen bilden, wahrgenommen und gefördert werden. Zwei Beispiele in jüngster Zeit: Trump in Polen und Netanyahu in Ungarn. Warten wir ab, wie sich das BREXIT-UK künftig in innereuropäischen Angelegenheiten positioniert und agiert. Die FINANCIAL TIMES schreibt jedenfalls schon mal wohlwollend über den nationalkatalanistischen Separatismus in Barcelona, was vor dem BREXIT nicht geschah. Spanien bemüht gleichzeitig Gibraltar…

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  5. almabu sagt:

    Hier ein sehr interessanter Beitrag des DER STANDARD zum Thema Rechtsruck, Populismus, Abkehr von etablierten Parteien:
    http://derstandard.at/2000061338030/Warum-die-Populisten-die-Welt-erobern-und-was-sie-aufhalten?ref=nl&userid=193567&nlid=2

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  6. […] über Hat die EU in ihrer heutigen Form eine Zukunft? — almabus blog […]

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