ERC kannibalisiert PDeCAT wie C’s die PP! Kein Lagerwechsel bei Autonomiewahlen in CAT.

Das Centro de Investigaciones Sociológicas (CIS) erarbeitet stets Stimmungsbarometer in der spanischen Politik. Dabei stellte es sich heraus, daß auf beiden Seiten des polititschen Spektrums in Katalonien, heute definiert durch die großen Blöcke der Separatisten und Unionisten Wechsel und Verschiebungen fast ausschließlich im eigenen Lager und nur selten lagerüberschreitend stattfinden. Damit scheint die Kraft von Wahlen als Demonstration politischer Willensbildung in Frage gestellt? Hatte ich früher bereits darauf hingewiesen, daß der Zuwachs der C’s praktisch fast ausschließlich von der PP kam, so lassen die Untersuchungen des CIS ganz ähnliche Schlüsse auf der Seite der Separatisten zu.

Die CDC von Mas und Puigdemont, heute PDeCAT, gab seit 2016 rund 13% ihrer Wähler an die ERC ab. Da Artur Mas da schon weg war, muß Carles Puigdemont sich diesen Verlust voll anrechnen lassen!

3% wanderten von der CDC, alias PDeCAT, zur En Comú, der katalanischen PODEMOS-Variante ab.

15%, die größte Gruppe, welche die CDC-PDeCAT verließen legten sich nicht fest, bezeichneten sich als Unentschlossene, wechselte aber NICHT ins Lager der Unionisten hinüber!

Diese Ergebnisse sprechen zum Einen gegen eine erneute vorgezogene Autonomiewahl mit der Puigdemont unverholen droht, wenn er seinen Willen nicht bekäme, deren erstes Opfer er aber wohl selbst werden würde?

Die eigenen Wähler sind mit 91,7% der ERC so treu wie die keiner anderen Partei in Spanien!

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http://www.abc.es/espana/abci-puigdemont-engorda-esquerra-201802070259_noticia.html

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3 Responses to ERC kannibalisiert PDeCAT wie C’s die PP! Kein Lagerwechsel bei Autonomiewahlen in CAT.

  1. Leo Brux sagt:

    almabu,

    alles in allem bin ich in Sachen Katalonien anderer Ansicht als du.

    Zunächst einmal: Vermutlich hätte ich auch GEGEN die Abspaltung, GEGEN die Unabhängigkeit votiert.

    Aber ich hätte das gemacht, obwohl ich FÜR die Trennung Kataloniens von Spanien bin.

    Warum hätte ich contra gestimmt?
    Weil man so eine Trennung nur mit klarer Mehrheit, wenigstens zwei Dritteln der Bevölkerung machen darf; weil man nicht Bürgerkrieg spielen sollte; weil man aus so etwas Politischem keine Religion machen darf; weil man in der Politik bitte pragmatisch kühl bleiben sollte; weil mit dem unverantwortlichen Vorgehen der prokatalanischen Hälfte Katalonien Schaden erleiden wird.

    Warum bin ich aber grundsätzlich für die Unabhängigkeit Kataloniens?
    Ich bin für die Unabhängigkeit der Niederlande und Österreichs von Deutschland.
    Ich werfe einen Blick auf die Geschichte der iberischen Halbinsel. Für Katalonien war die Zwangsvereinigung mit Spanien immer eher ein Unglück.
    Die Katalonier bestehen heute aus einem spanisch-assimilierten und einem katalonisch-eigensinnigen Teil. Letzterem würde ich auf jeden Fall angehören. (Ich neige zu dieser Art von Patriotismus.) Eine katalonische Unabhängigkeit wäre für mich kein Muss, aber sie wäre historisch und kulturell naheliegend. So, wie die Unabhängigkeit der Slowakei. So wie die Unabhängigkeit der jugoslawischen Staaten. Ich würde auch den Schotten empfehlen, sich von GB zu trennen und sich auf eigene Beine zu stellen.

    Und Bayern? – Ich sehe keinerlei politischen, ökonomischen, kulturellen, historischen Anlass für einen bayerischen Separatismus. Er ist ja auch kein Thema bei uns. (Außer zum Spaß.)

    Südtirol: Die Lösung dort gefällt mir. Ein Lob den (deutschstämmigen) Südtirolern und den Italienern zu ihrem historischen und nachhaltigen Kompromiss.

    Die blutendste Wunde in dieser Hinsicht ist Kurdistan. Die völkisch verbohrten Türken lassen den türkischen Kurden keine andere Wahl – sie müssen sich von der Türkei freimachen. Das wird noch viel Zeit und Blut kosten. Aber irgendwann ist es so weit. Türkisch-Kurdistan braucht bis auf weiteres keine formelle Unabhängigkeit; die informelle ist gegeben. Wie sich die Situation in Nordsyrien für die Kurden entwickeln wird, ist offen. Ich vermute, am Ende werden sie mit Damaskus (Assad, Iran, Russland) eine gewisse Autonomie erreichen – gegen die Ansprüche einer aggressiven Türkei. Die Kurden im Iran werden ihre Lage kaum verändern können.

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  2. almabu sagt:

    „…alles in allem bin ich in Sachen Katalonien anderer Ansicht als du.“ Komisch, Leo, das geht mir umgekehrt ganz genauso! Details zu meiner Meinung kannst du in den letzten 5 Jahren (oder mehr?) dieses Blogs finden.

    Meine persönliche Sensibilisierung zu diesem Thema rührt aus der Mitte der 80er Jahre und bis nach der Olympiade Barcelona 1992.

    Dies ist ein nationalistisches, rechtspopulistisches, um nicht zu sagen „Pyrenäenfaschistisches“ Projekt, bei dem es in erster Linie um viel Geld geht und bei dem in allen Punkten so gelogen wurde und wird, wie du es dir wahrscheinlich in deinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen könntest. Wir brauchen mehr soziale Gerechtigkeit und Grundrechte ALLER Weltbürger und nicht neue kriminelle Zwergstaaten á la Kosovo.

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  3. Leo Brux sagt:

    Kosovo ist klein, korrupt und ziemlich verkommen – aber als unabhängiger Staat immer noch besser dran als wenn das Gebiet serbische Provinz wäre.

    Hätten die Serben 1999 das Gebiet behauptet, würden heute die 2 Millionen Kosovaren fast alle in Deutschland, Österreich, Schweiz leben.

    Dass die katalanischen Separatisten quasi Faschisten sind, nehm ich dir nicht ab. Dass es bei dem Projekt auch und nicht zuletzt um viel Geld geht, ist anzunehmen. Na und? Rajoy & Co geht es auch darum. Das ökonomische Kalkül ist nicht verboten – für beide Seiten.

    Ich schaue aus kühler Distanz zu und rate den separatistischen Katalanen zu mehr Geduld, Umsicht, Gelassenheit; ihren Gegnern zu mehr Freundlichkeit und Verständnis bei der Abwehr der – auch aus meiner Sicht – nicht hinreichend legitimierten Separation.

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