Zweierlei Maß: Keinen Valencia-Standard für alle Flüchtlinge, die nach Spanien kommen?

Seit heute Morgen vor den Kameras der Weltmedien die 630 Flüchtlinge aus 26 Nationen in drei Schiffen* der AQUARIUS-Flotte mit den derzeit höchsten Standards und mit etwa 4 Helfern pro Flüchtling in „ihrem Haus“ Spanien und der EU aufgenommen worden sind und selbst das zunächst „bockige“ Frankreich erklärte jeden der Flüchtlinge aufnehmen zu wollen, der vor den spanischen Behörden den Wunsch äußere nach Frankreich zu wollen, scheint der EU Dank Spaniens Haltung eine Art von „humanitärer Gesichtswahrung“ gelungen zu sein?

Ist das wirklich so? Ist diese von Spanien gelebte Solidarität eine Art neue Willkommenskultur Europas?

Es gibt aber noch eine andere Realität in Spanien:
In der vergangenen Woche sind 986 Flüchtlinge in 69 Schlauchbooten in der Meerenge von Gibraltar und dem Meer von Albaran (benannt nach einer kleinen, nur von spanischem Militär besetzten Inselgruppe, auf halbem Weg von Nordafrika nach Europa gelegen, nach Spanien gelangt.

Durchschnittlich etwa 15 Menschen pro Boot und unter katastrophalen Bedingungen und mit vier Toten an Bord, die höchsten Zahlen seit 2014! Diese Menschen wurden in unterschiedlichen Küstenstädten Andalusiens aufgenommen.

Auch durch den angekündigten Abbau des NATO- und Stacheldrahtes auf den 6 Meter hohen Zäunen der EU-Aussengrenzen in den nordafrikanischen spanischen Exklaven Ceuta und Melilla dürfte es einen Zuwachs an Flüchtlingszahlen auf diesem Wege geben und die marrokanische Polizei spricht von Zusammenballungen tausender Nordafrikaner um die Exklaven herum, die bei jeder Gelegenheit ihre Chance suchen. Gleichzeitig scheint sie ihre Aufmerksamkeit gesenkt zu haben, was am islamischen Zuckerfest, dem Ende des Ramadan liegen könnte?

Es darf vermutet werden, daß ihnen nicht soviel Aufmerksamkeit und Gastfreundschaft geschenkt wurde, wie den Menschen aus der AQUARIUS-Flotte in Valencia? Es hat als zumindest von außen betrachtet den Anschein, als ob es derzeit zweierlei Flüchtlinge gäbe in Spanien?

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* (Der größte Teil der ursprünglichen menschlichen AQUARIUS-Fracht von 630 Flüchtlingen war von den einlenkenden italienischen Behörden, wegen des insgesamt über eine Woche andauernden Reiseweges, der Versorgung und Ausstattung auf weit größere und bequemere Schiffe der italienischen Küstenwache, die DATTILO (274 Flüchtlinge) und der italienischen Marine, die ORIONE (250 Flüchtlinge) auf hoher See verfrachtet worden.)
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https://www.20minutos.es/noticia/3370284/0/llegada-inmigrantes-aquarius-puerto-valencia/

https://www.20minutos.es/noticia/3370505/0/rescate-inmigrantes-pateras-costa-andaluza-viernes-sabado/

https://politica.elpais.com/politica/2018/06/16/actualidad/1529159172_250118.html

https://www.elperiodico.com/es/sociedad/20180616/933-inmigrantes-llegan-entre-viernes-sabado-andalucia-6881000

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5 Responses to Zweierlei Maß: Keinen Valencia-Standard für alle Flüchtlinge, die nach Spanien kommen?

  1. almabu sagt:

    Auf den Willkommensplakaten für die Flüchtlinge in Valencia achtete man sogar darauf, wo möglich, die weibliche Form zu wählen, damit jede/r Flüchtling/in sich persönlich angesprochen fühlt, wow, während die anderswo in Spanien existierenden Sammel- und Aufnahmelager ob ihrer Bedingungen von UN- und EU-Organen kritisiert werden, aber dort werden ja auch die anderen Flüchtlinge verwaltet. Jene, die irgendwo in Andalusien ohne TV-Cameras angelandet werden und deren Zahl die 630 der AQUARIUS in nur zwei Tagen des letzten Wochenendes locker um das Doppelte übertraf!

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  2. almabu sagt:

    Von den ersten 157 bürokratisch bearbeiteten Flüchtlingen der AQUARIUS wollten nur 87, also gut die Hälfte, in Spanien bleiben, während 70 von ihnen lieber direkt der Einladung Macrons nach Frankreich folgen wollten! (Quelle: ABC, 18.06.2018)

    Es wird jetzt mehr und mehr die Frage laut, wie man den lieben Mitmenschen, die schließlich nach Hause, „in ihr Haus“ zurück gekommen seien, denen man ein auf 45 Tage verlängertes Aufenthaltsvisum und eine Krankenversicherungskarte für komplett freie medizinische Versorgung von der viele Spanier nur träumen können, überreichte anschließend die Einpferchung in Gefängnissen ähnliche Sammellager zumuten oder auch nur beibringen könne?

    Alle Flüchtling/innen wollen zu hundert Prozent in Spanien bleiben! (Quelle: EL MUNDO, 18.06.2018)
    Also was nun? Kompromiss von EL MUNDO: Die Flüchtling/innen hätten schließlich ein 45 Tage Visum und müssten sich nicht gleich bei der Ankunft entscheiden, wo sie aber bei der Aufnahme durchaus alle nach ihren Plänen und Absichten gefragt wurden.

    War hat doch viel Polit-Show im Falle der Aufnahme der AQUARIUS-Reisenden im Spiel. Der Alltag sieht dann anders aus!

    NACHTRAG: (18.06.2018 um 19 Uhr)
    ABC bleibt bei seiner Darstellung, wonach nach erfolgter Auszählung der 630 Wünsche der Flüchtling/innen der AQUARIUS 274 oder 44% nach Frankreich wollen und 355 oder 56% in Spanien bleiben wollen. Ein Schlaukopf stellte einen Antrag für beide Staaten!

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  3. almabu sagt:

    Die Anlandung der AQUARIUS-Flüchtling/innen in Valencia war für beobachtende Europäer anscheinend ein Kulturschock und sogleich Basis für Verschwörungstheorien:

    Es wurde u.A. festgehalten, daß es sich vorwiegend um „gut ernährte junge Männer im militärischen Alter handele, westlich gekleidet und mit Handys der neuesten Generation ausgestattet, die wunderbarer Weise die Woche im Mittelmeer heil überstanden hätten. Die erste Frage sei die nach Ladegeräten für die Handys gewesen.

    Dazu wurde bekannt, daß es in Afrika eine knappe Milliarde Handy Anschlüsse gäbe und praktisch 80%(!) aller Afrikaner ein solches Mobiltelefon besäßen!

    Soll hier etwa wieder eine Neid- und Gefährder-Debatte entfacht werden?

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  4. almabu sagt:

    En 2017 se presentaron en España 31.738 peticiones y únicamente consiguieron asilo 626 (1,9%), aunque también se otorgó protección subsidiaria -figura que autoriza a una estancia de cinco años revisables- a otras 4.192 personas, un 13,2% del total

    Zu den Chancen der Flüchtling/innen in Spanien:
    In 2017 wurden 31.738 Asylanträge in Spanien gestellt von denen NUR 626 = 1,9% anerkannt wurden! Weitere 4.192 erhielten einen 5-Jahres-Status weil noch Dinge zu klären waren, das wären dann in der Summe 13,2% der Asylanträge…

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