Zahlreiche Brände in Israel!

24. November 2016

Wie die JERUSALEM POST und HAARETZ berichten, ist es in vielen Gegenden Israels in den letzten Tagen zu Bränden, teils Großbränden gekommen, deren Umstände und zeitliche Parallelität an organisierte Brandstiftungen denken lassen. Genau bekannt sind die Ursachen jedoch noch nicht, aber nach der Polizei ermittelt inzwischen auch der Geheimdienst in diesem Phänomen.

Am dritten Tag der Feuer wurden 60.000 Israelis in Haifa aufgerufen sofort sichere Zonen aufzusuchen, eine Massenevakuierung!

Die Türkei, Russland, Griechenland, Italien, Kroatien und Zypern helfen mit Löschflugzeugen.

Starke Winde und extreme Trockenheit fördern die Ausbreitung der Feuer.
______
http://www.jpost.com/Israel-News/Fires-continue-to-rage-across-Israel-473517

NACHTRAG, 25.11.2016:

Die ca. 50 verschiedenen Brände sollen angeblich jetzt unter Kontrolle, wenn auch noch nicht gelöscht sein?

Zusätzlich zu den 14 israelischen Löschflugzeugen sind inzwischen weitere 10 Flugzeuge aus Russland, Griechenland, Italien, Zypern und der Türkei vor Ort im Einsatz.

Auch Frankreich und die Ukraine haben Hilfe angeboten, die heute im Laufe des Tages eingetroffen sein sollte?

Aus den USA sollte bis Freitag Abend eine Lösch-Version des BOEING 747 Supertankers eintreffen, die dann als einzige aller Maschinen vor Ort Nachtflugtauglich sein würde.

Israel setze inzwischen Aufklärungsdrohnen ein um Brandstifter auf frischer Tat zu erwischen.

Auch Ägypten und Jordanien senden Hilfe. Israel akkzeptiert auch ein palästinensisches Hilfsangebot.

Jetzt brennte es auch in der Nähe von Jerusalem. Die angeblich bis zu 80.000 evakuierten Einwohner von Haifa durften inzwischen in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren.

Inzwischen brennt es in Israel seit vier aufeinanderfolgenden Tagen an circa 50 verschiedenen Stellen über das ganze Land verbreitet und in unterschiedlicher Intensität.

Beim letzten Großfeuer in Israel im Jahre 2010 waren 42 Tote zu beklagen. Diesmal scheint es bisher glücklicherweise keine Todesopfer zu geben?

Die Ermittler scheinen teilweise Schwierigkeiten zu haben die Brandursache zu bestimmen. Unter den gegenwärtigen Bedingungen genüge ein Streichholz, das keine Spuren hinterlasse. Trotzdem soll es auch Hinweise auf Feuerbomben geben, die über Grenzzäune geworfen worden sein könnten?

Erste Stimmen werden laut, die Benjamin Netanyahu zumindest eine Mitschuld an den aktuellen Problemen geben. Die Brände von 2010 waren ihm angelastet worden und er hatte eine Verstärkung und Verbesserung der Feuerschutzmaßnahmen versprochen. Jetzt wird ihm im Prinzip vorgeworfen sechs Jahre Zeit mit starken Worten verplempert zu haben?

2010 hatte er die Schuld auf Ariel Sharon, Tzipi Livni und Andere zu schieben versucht. Wen wird er sich wohl diesmal als Sündenbock ausgucken?

Feuerexperten behaupten sogar, daß vor Netanyahus 14 neuen Löschflugzeugen und -Taktiken Häuser nur bei den größten Bränden wie den Carmel-Feuern abbrannten. Jetzt geschehe dies bei jedem Feuer! Die Staffel der Löschflugzeuge funktioniere nur wenn sie nicht wirklich gebraucht würden. Wenn dies wie jetzt aber der Fall sei, dann versagten sie…

Die Piloten der kleineren Sprühflugzeuge, die vor 2010 zum Einsatz kamen, sollen dies vorausgesagt haben! Die Löschtanker flögen zu hoch und waagerecht an und ließen Tonnen von Wasser bombengleich zu Boden fallen ohne jede Sicherheit die Feuer überhaupt zu treffen. Sie würden aber Sachschäden am Boden auslösen und getroffene Häuser müssten später oft abgerissen werden?

Die Kosten der Brandbekämpfung durch die größeren Flugzeuge seien im Vergleich zu 2010 um das zehnfache gestiegen aber heute würden im Gegensatz zu früher Häuser abbrennen?

Angeblich soll es in der Carmel-Region in dieser Woche Feuerschutzübungen mit echtem Feuer gegeben haben, was bei der Hitze und dem starken Wind verboten sei? Alles nur die üblichen Gerüchte, Verdächtigungen und Unterstellungen?
______
http://www.haaretz.com/israel-news/.premium-1.755238

 

 

Advertisements

Bestach deutsche Werft israelische Politiker?

18. November 2016

Das könnte man zumindest meinen, wenn man einem Artikel der LA VANGUARDIA aus Barcelona folgte, der am 18. November 2016 veröffentlicht wurde:

http://www.lavanguardia.com/internacional/20161118/411950483906/netanyahu-investigado-corrupcion-subamirnos-alemanes.html

Darin wird u.a. geschrieben, daß deutsche Behörden bereits seit 2013, also seit nun drei Jahren gegen die Firma in Kiel ermittelten und daß die Firma deshalb schon einen Teil ihres Vorstandes vorbeugend ausgetauscht habe? Ähnlich zweifelhafte Vertriebsmethoden wie in Israel gäbe es zudem in der Türkei, in Südkorea, in Indonesien und in Pakistan.

In Israel brachten die Vertriebswege der Werft nun sogar den leibhaftigen Premierminister Benyamin Netanyahu wegen Korruptionverdacht ins Gerede!

Im werde u.a. vorgeworfen, eigenmächtig und am zuständigen Verteidigungsministerium vorbei, weitere drei deutsche U-Boote von der Kieler Werft zu kaufen versucht zu haben, zusätzlich zu den sechs bereits gekauften und weitgehend ausgelieferten U-Booten.

Netanyahu habe vom Verteidigungsminister darauf hin zur Rede gestellt, damit argumentiert, daß in Deutschland womöglich bald Merkel nicht mehr an der Regierung sei und damit künftig die äußerst günstigen Einkaufs- und Zahlungsmodalitäten („kaufe Drei und bezahle Zwei, das Dritte bezahlt dir der deutsche Steuerzahler!) gefährdet sein könnten? Drei Monate nach dem Krach wurde der Verteidigungsminister Yaalon von Netanyahu entlassen… Freunde für’s Leben werden die Beiden wohl nicht mehr?

Netanyahu behauptete damals, daß der Kauf mit den Spitzen des Aussen- und Verteidigungsministeriums abgesprochen gewesen sei. Zu keinem Zeitpunkt dieser U-Boot Deals habe man die Möglichkeit erwogen, diese Schiffe in einem anderen Land zu erwerben oder diese Beschaffungsprojekte im Milliardenwert gar international auszuschreiben, „wegen der engen Beziehungen zwischen Israel und Deutschlands“.

Als nun auch noch raus kam. daß der Anwalt von Netanyahu und seiner Frau gleichzeitig der Repräsentant der deutschen Werft in Israel sei, habe der israelische Generalstaatsanwalt eine Ermittlung in dieser Sache eingeleitet, gegen den Anwalt vermutlich?


Machtkampf um die IDF in Israel?

21. Mai 2016

Der plötzliche Rücktritt des israelischen Verteidigungsministers Moshe Ya’alon, nur kurze Zeit nach dem „warnenden Zwischenfalls“ des stellvertretenden Generalstabschefs Yair Golan durch dessen Vergleich Israels mit Nazi-Deutschland und vor allem dessen Begründung hätte eigentlich ein mediales Erdbeben auslösen sollen, nicht gerade im traditionell eher vorsichtigen Deutschland. Moshe Ya’alon ist (noch?) Mitglied von Netanyahus Likud-Partei, „kein linker Spinner“

Die internationale Presse nahm aber davon schon Notiz, auch FAZ und SZ berichteten, wenn man von der New York Times absieht, die einmal mehr ihr „besonderes Verhältnis“ zum Staat Israel, bzw. zur Regierung Netanyahus bekundete, in dem sie den Rücktritt sozusagen zum Nicht-Ereignis herunterspielte, ebenso wie schon Yair Golans Warnung vor einigen Tagen.

In einer Pressekonferenz anläßlich seines Rücktritts warnte Ya’alon vor einem gefährlichen Abdriften Israels, hin zu extremistischen Positionen, die bereits in die Streitkräfte eindrängen und sie beschädigten, daß er kein Vertrauen mehr zu Netanyahu habe, deshalb sein Ministeramt und seinen Sitz in der Knesset aufgeben würde und eine politische Pause einlegen wolle:

“I fought with all my might against manifestations of extremism, violence and racism in Israeli society, which are threatening its sturdiness and trickling into the armed forces, hurting it already,” sagte Moshe Ya’alon.

Yaalon’s Sitz in der Knesset gehr an Yehuda Glick, einen geborenen US-Bürger des Likud und Aktivisten des Temple Institute, das die Zerstörung des islamischen Felsendoms in Jerusalem propagiert um dort Platz für einen dritten jüdischen Tempel zu schaffen.

__________
(See more at: http://mondoweiss.net/2016/05/extremism-headlines-paragraph/?utm_source=Mondoweiss+List&utm_campaign=14b37df8ef-RSS_EMAIL_CAMPAIGN&utm_medium=email&utm_term=0_b86bace129-14b37df8ef-398537293#sthash.GZ9qhgQv.dpuf)

Die BBC dazu: http://www.bbc.com/news/world-middle-east-36340185
__________

Die WASHINGTON POST zitiert Ya’alon so:

“To my great dismay extremist and dangerous elements have taken over Israel and also the Likud Party and have shaken the house and are threatening to hurt the inhabitants. This is not the Likud Party I joined“.
__________

https://www.washingtonpost.com/world/middle_east/israels-defense-minister-abruptly-resigns-in-protest-of-growing-extremism/2016/05/20/c5a3d99b-bc00-4143-a4e7-15c17c9ae05d_story.html

__________

Wer diese Aussagen nun zu willkommenen pauschalen Statements Ya’alons über den Staat Israel aufpuschen möchte, dem sei ein anderes Zitat entgegen gestellt, das aus der TIMES OF ISRAEL stammt:

“In general, Israeli society is a healthy society, and the majority here is sane and seeks a Jewish, democratic and liberal state, a state that accepts each person as a person, without distinction of religion, race, gender, ethnic origin or sexual orientation, a tolerant and accepting country for the weakest and the minorities, who we have a duty to embrace and not to incite against, a country that fights unequivocally against the marginalization of women, sexual harassment toward them, or turning the [woman who comes forward] into the accused.”

__________
http://www.timesofisrael.com/leaving-politics-yaalon-warns-of-extremist-dangerous-forces-who-took-over-likud-israel/
__________

Eine kürzliche Umfrage des Pew Research Centers aus Washington, DC ergab, daß 50% der Befragten Israelis der Aussage zustimmten, daß Araber aus Israel ausgewiesen oder deportiert werden sollten und sogar eine Mehrheit dafür war, daß jüdische Bürger bevorzugt behandelt werden sollten in Israel. Israels Präsident Reuven Rivlin nannte diese Umfrage „einen Weckruf für die israelische Gesellschaft!“

In der Konsequenz wäre ein solcher Staat wohl ein Religionsstaat und keine Demokratie?

In extremistischen sozialen Medien Israels wird sein, Moshe Yaalons, Bild mit dem Fadenkreuz eines Zielfernrohrs überlegt und zu seiner „politischen Ermordung“ aufgerufen.

Sein Nachfolger soll angeblich der ehemalige Nachtclub-Türsteher, Extremist, das Knesset Mitglied Avigdor Liberman, Führer von Yisrael Beytenu werden. Er gilt als Sprachrohr der rund 1 Million Israelis mit russischem Migrationshintergrund. Die Gespräche, Verhandlungen laufen anscheinend seit geraumer Zeit, der Deal sei aber noch nicht gemacht. Der gebürtige Moldawier und Bewohner einer illegalen Siedlung, der schon einmal Israels Außenminister war, bis er wegen Ermittlungen zurücktreten musste, würde Netanyahus knappe 1-Stimmen-Mehrheit von derzeit 61 Sitzen in der Knesset um satte 5 Sitze erhöhen!

Fachlich, das heisst in militärischer Kompetenz, könnte Liberman dem hochdekorierten Ya’alon, der zahlreiche militärische Ämter durchlaufen hat und Sondereinheiten angehörte, gewiss nicht das Wasser reichen. Er soll es in der IDF nur zum Artillerie-Korporal gebracht haben?

Dies könnte im Hintergrund der eigentliche Grund Netanyahus sein die Debatte seit der Rede von Yair Golans so zuzuspitzen, die Gelegenheit zu nutzen?

Gegen diese These spräche der Umstand, daß Netanyahu zur Zeit gerade versucht den auslaufenden Militärhilfe Vertrag mit den USA zu verlängern und dabei gleichzeitig von 30 auf 40 Milliarden US-Dollar zu erhöhen, was ein einzigartiger Wert wäre…

Gleichzeitig könnte er so die israelischen Streitkräfte IDF mehr nach Rechts zwingen, in denen es anscheinend noch zu viele Mitte-Links-Stimmen gab für Netanyahus Geschmack? Läuft Netanyahu jetzt aus dem Ruder oder mutiert er am Ende gar zu einer Art von „israelischem Erdogan“?


Verglich IDF-General das Netanyahu-Israel mit Hitler-Deutschland?

5. Mai 2016

IDF-Generalmajor Yair Golan (wie das besetzte syrische Territorium an Israels Nordgrenze!) bringt das Israel Netanyahus mit dem Deutschland Hitlers in Verbindung! So lautete der sofort massenhaft erhobene Vorwurf der israelischen Rechten an den Spitzen-Militär.

Seine Rede am Mittwoch-Abend, die das Israel von Heute mit dem Deutschland der 30er Jahre in Verbindung brachte, versetzte den Juden-Staat in helle Aufregung. Er sprach an einem Holocaust-Gedächtnis-Tag in Tel Yitzhak.

„It’s scary to see horrifying developments that took place in Europe begin to unfold here,“ war wohl der Aufreger der letzten Zeit in Israel?

Ein Shitsstorm brach los gegen Golan, der nur einfach sagte, was in Europa seit Jahren zunehmend viele denken.

„The Holocaust, in my view, must lead us to deep soul-searching about the nature of man,“ sagte Golan. „It must bring us to conduct some soul-searching as to the responsibility of leadership and the quality of our society. It must lead us to fundamentally rethink how we, here and now, behave towards the other.“

Der Mann spricht mir aus der Seele, in dem er ein Thema formuliert, das mich seit Jahren beschäftigt. Wenn das unmenschliche Verbrechen des Holocaust nachträglich überhaupt zu etwas „nützlich“ sein soll, dann doch wohl als klares, unmissverständliches und unumstrittenes Beispiel der Unmenschlichkeit zur Abschreckung von Nachahmern? Generalmajor Golans Rede gab diesem Gedenktag des Grauens einen positiven Sinn für Gegenwart und Zukunft.

Dann liest er speziell „seiner“ IDF „die Leviten“ über ihren Umgang mit Fehlverhalten und Verbrechen von Soldaten. Da habe es früher eine klare, eindeutige Linie gegeben. Heute gebe es Beifall für einen Soldaten der einen am Boden liegenden, wehrlosen, verletzten palästinensischen Attentäter kaltblütig mit der Pistole erschoss, was ihn in Rechten- und Siedlerkreisen sofort zum Helden machte. Golan appelierte an die Ehre der IDF und der Israelis im Ganzen:

„Most of all, we should ask how it is that we are to realize our purpose as a light unto the nations and a model society,“ sagte er. „Only this kind of remembrance can serve as a living and breathing monument for our people – a worthy monument, a monument of truth.“
––––––––––
http://www.jpost.com/Israel-News/Politics-And-Diplomacy/IDF-general-in-bombshell-speech-Israel-today-shows-signs-of-1930s-Germany-453142
––––––––––

Der israelische Verteidigungsminister Moshe Ya’alon nahm Tags darauf seinen stellvertretenden Generalstabschef Golan in Schutz gegen die Angriffe der Rechten:

„I have full belief in the Deputy Chief of Staff Yair Golan, an appreciated, principled and decorated fighter and commander,“ sagte Ya’alon.

Der bei Golans Rede am Mittwoch anwesende Bildungsminister Naftali Bennett hatte Golan am späten Mittwoch Abend dazu aufgefordert seine Aussagen zu korrigieren und dessen Bayit Yehudi Kollege und Knesset-Mitglied Bezalel Smotrich beschuldigte Golan “injuring the memory of the Holocaust.“
––––––––––
http://www.jpost.com/Israel-News/Yaalon-backs-deputy-IDF-chief-against-accusations-he-compared-Israel-to-Nazis-453231

Am nächsten Tag war der Machtkampf zwischen IDF und Israels Rechten anscheinend zu Gunsten der Rechten entschieden. Es sei ein Missverständnis und gar nicht so gemeint gewesen, ließ Generalmajor Golan wissen:

„I had no intention of comparing the IDF and the State of Israel with things that went on during the Nazi period,“ soll der General im Army Radio gesagt haben. „The comparison is absurd and lacks any foundation, and there was no intent to draw such a parallel or to criticize the civilian leadership.“

Oppositionsführer Isaac Herzog sprang dem bedrängten General bei. Bei Twitter schrieb er: „The deputy chief of staff is a courageous commander. The disturbed people who will now begin to scream against him need to know: This is how morality and responsibility sound. We will not be frightened by screams and epithets, and we will continue to back the IDF and its commanders.“
––––––––––
http://www.jpost.com/Israel-News/IDF-general-backtracks-I-had-no-intent-to-compare-IDF-with-Nazis-453169

––––––––––
Die Zitate sind im englischen Original der JERUSALEM POST  entnommen, um ihre Aussage nicht durch unbeabsichtigte Übersetzungsfehler oder -spielräume zu beeinflussen.


Bewegt sich diesmal etwas in Syrien?

22. Februar 2016

Die Aussenminister der USA und Russlands, Kerry und Lawrov haben über das Wochenende erneut die Möglichkeiten und Voraussetzungen eines Waffenstillstandes in Syrien diskutiert. Jetzt soll eine Arbeitsebene das Thema im Detail angehen. Am Ende sollen dann wieder Obama und Putin zum Telefonhörer greifen.

Gleichzeitig veröffentlichte die spanische Tageszeitung EL PAÍS aus Madrid, die Positionen der spanischen Regierung zu Syrien, die durch den Außenminister José Manuel García-Margallo vorgetragen wurden:

Demnach sei Bashar al Assad zwar Teil der Verhandlungen, aber nicht Teil der Lösung.

Diese bestünde in einem ungeteilten(!), demokratischen(!) und laizistischen(!) künftigen syrischen Staat.

Damit ist die offizielle spanische Position weniger hart für das syrische Regime, oder „die rechtmäßig-gewählte syrische Regierung“ des Bashar al Assad.

Wie müssen wir uns das vorstellen?

Ungeteilt: Syrien soll in seiner heutigen Form erhalten bleiben. Es sollen keine Grenzveränderungen stattfinden. Es gäbe keine Ausweitung türkischen Einflusses und keinen Kurdenstaat. Das Israel bei dieser Gelegenheit die besetzten syrischen Golanhöhen zurück geben könnte, ist natürlich nur ein übles Gerücht!

Demokratisch: Es sollen freie Wahlen stattfinden, in denen die Syrer keineswegs al Assad wählen dürfen! Diese freien Wahlen werden wahrscheinlich von den Demokratien Türkei, Iran, Saudi Arabien und Irak überwacht, dazu der per Definition demokratische Westen (einschließlich Israels), nicht aber das Reich des Bösen, das Russland Putins?

Laizistisch: Das böse, alte Syrien der Assad-Sippe war im Prinzip immer laizistisch und bot eine relative Religionsfreiheit von denen der Iran, Saudi Arabien, die Golfstaaten, Israel UND die Türkei nur (alb)träumen können, die im Prinzip alle Religionsstaaten sind, bzw. im Falle der Türkei gerade mit aller Kraft daran arbeiten einer zu werden!

Spanien kündigte an, seine Positionen in der EU und der UN zu vertreten, dann aber etwaige anders lautende Beschlüsse dieser Institutionen loyal zu vertreten.

Syrien würde auch die Agenda der Mediterranen Gruppe der EU, der Med-7, gebildet aus Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland, Malta und Zypern beherrschen, die sich diese Woche in Zypern treffen würde.


War die SU-24 nur ein Bauernopfer Putins?

25. November 2015

Der hochriskante und eigentlich unerklärliche Abschuß der SU-24 durch die Türkei schien zunächst die Ouverture zu sein, um den NATO-Staaten UK, Frankreich und evt. den Niederlanden Zeit für eine schnelle Verlegung ihrer Luftwaffen an den syrischen Schauplatz zu geben und die Initiative des Handelns von Putin zurück zu gewinnen. Nebenbei sollte dem Franzosen Hollande der Gedanke vergällt werden, „Seit an Seit“ mit Russland zu agieren, denn Russland ist für Obama immer noch, oder schon wieder, der Hauptfeind auf diesem Globus und nicht etwa das Eigengewächs IS, wie zuvor schon Al-Kaida.

Russland hat etwas drei Dutzend Maschinen vor Ort in Syrien und zeitweilig Langstreckenbomber aus Russland im Überflug.

Diese Menge an Fluggeräten hat alleine schon Frankreich im Einsatz, auf dem Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ und in Jordanien.

Die USA sind im türkischen Incirlik stationiert und die Türkei auf mehreren Stützpunkten ihres Landes.

UK-Cameron will sich kommende Woche das okay seiner Parlamentarier geben lassen und hat wahrscheinlich schon vorbeugend Kräfte auf seinen Stützpunkt auf der Insel Zypern verlegt.

Dann wäre da noch Israel, das heimlich, still und leise, hin und wieder, Syrien bombardiert, sogar in Damaskus, wo es garantiert keinen IS gibt.

NATO und Israel hätten also Putin ab kommender Woche locker um das 4 bis 5-fache an Fluggeräten übertreffen können und mit der so zwingenden Koordination dieses bellizistischen Flugverkehrs faktisch neutralisieren können. Der eine oder andere Partner hätte vielleicht sogar Al Assad direkt bombardiert, bevor er sinnlos am Himmel über Syrien im Stau steht?

Doch jetzt ist alles anders! Die SU-24 und zwei Menschenleben waren menschlich ein hoher Preis, aber für einen zweimonatigen Kriegseinsatz einer Luftwaffe doch eher ein zu erwartender militärisch-politischer Preis?

Jetzt hat Putin – wie der Zauberer das Kaninchen aus dem Zylinder – den Lenkwaffenzerstörer „Moskva“ vor Latakia liegen und S-400 Flugabwehrraketen angekündigt und womöglich auch schon in begrenzter Zahl vor Ort stehen?

Damit ist der Luftraum über Syrien faktisch eine „russische no-fly-zone“ geworden und niemand wird riskieren, dort ohne Absprache mit Putin seine Flieger kreisen und bomben zu lassen. Russland würde sich nur noch um den Preis einer Eskalation an den Rand drängen lassen können!

Wie gesagt, die Russen haben sehr schnell reagiert, die nötigen Mittel offenbar bereits in der Nähe gehabt und das Blatt hat sich wieder gedreht. Ich fürchte, der Friedensnobelpreisträger wird sich etwas einfallen lassen?

 

 


Wem der Terror nützt?

19. November 2015

Klar doch, den Terroristen natürlich, blöde Frage! Ganz so einfach ist es aber durchaus nicht. Schauen wir uns das Ganze doch mal an:

Die USA gab es vor und nach dem 9/11 2001 und doch hätte ein Aussenstehender Beobachter den Eindruck völlig verschiedener Staaten. Waren sie zuvor beneidenswert, nahezu vorbildlich frei, so sind sie heute eher ein repressiver Polizeistaat, in dem jedes Jahr rund 1.ooo Bürger bei Polizeikontakten erschossen werden, wenn sie die falsche Hautfarbe haben oder eine falsche Bewegung machen. Außer den Boston-Marathon-Attentätern haben seit 2001 keine nennenswerten Anschläge mehr in den USA stattgefunden. Die Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten, das Monstrum Homeland Security aber bleiben. Im „hippen“ New York kann man genau so schnell bei einer simplen Demo erschossen werden, wie in Erdogans Türkei. Es wird nur weniger Aufwand in den Medien darum gemacht. Außenpolitisch wurde 9/11 als Begründung für Invasionen, für massenhaften, millionenfachen Tod und zur Zerstörung von Afghanistan und des Irak genutzt.

Etwas ähnliches, vielleicht das gleiche Drehbuch, erleben wir heute nach den Terroranschlägen des 11/13 von Paris:

UNSERE Medien und UNSERE weltweite Vernetzung bringen die Bilder und Geräusche des Terrors praktisch zeitgleich um die Welt. Der Schrecken, das Entsetzen, die Angst, die der Terror per Definition immer auslösen soll, werden von UNS selbst verbreitet und somit ganz erheblich verstärkt.

Dann kommt stets die Frage nach dem WARUM? Diese Antwort liefern WIR gleich selbst, aus gutem Grunde natürlich. WIR wollen bestimmen, was die Leute glauben sollen, wer Gut und wer Böse ist. Selbst ein fragwürdiges, von irgendwoher aufgetauchtes Bekennervideo wird von UNS übersetzt, bewertet, interpretiert! WIR stellen sofort unbewiesene Vermutungen, die unseren Interessen dienlich sind, wie objektive, unumstößliche Fakten ins Netz und unsere freien Medien schwenken sich wie erfahrene, alte Synchron-Schwimmerinnen auf wundersame Weise darauf ein und feuern mit unsere eigene Propaganda aus allen Rohren Sperrfeuer. Unfreiwillig komische TV-Brennpunkte hämmern uns nicht Fakten sondern Kommentare in die Schädel. Wer heute noch an einem Kiosk vorbei kommt, sollte sich einmal die Titelbilder der Printmedien ansehen. Es ist, als ob sie alle aus einem Konzern kämen, dabei sind es doch immerhin noch ein halbes Dutzend, oder so?

Jetzt wird unisono von den Medien und den „Opfer-Staaten“ des Anschlages Solidarität gefordert und eingefordert. Solidarität ist eine der wichtigsten und schönsten Eigenschaften des Menschen und soll hier keineswegs in Frage gestellt werden!

Sie wird von unseren Politikern sofort vollmundig und scheinbar uneingeschränkt versprochen, was zu diesem Zeitpunkt einem Blanko-Scheck gleich kommt, verantwortungslos ist.

Bis jetzt haben die Attentäter die Tat ausgeführt und alles was danach kam haben wir, die Europäer, der Westen definiert, benannt, bewertet und jetzt legen wir daraus abgeleitet, die unabdingbaren Folgen, die Antworten fest!

Im konkreten Fall bedient sich der französische Präsident, der seit Jahren eine Parallelpolitik zur EU in Afrika und im Nahen Osten betreibt und diese gerne mit der Armee vollzieht, einer kriegerischen, bellizistischen Sprache, wie sie in meinem (Nachkriegs-)Leben noch nicht in Europa gehört habe. Dazu viel Pathos und Beteuerungen der eigenen Unschuld an den  Zuständen und Versäumnissen in Frankreich, über die die Franzosen sich tunlichst keine Gedanken machen sollten.

Präsident Hollande mischt sich seit Jahren mit seiner Armee, mit logistischer Unterstützung, Waffen und Ausrüstung, eng vernetzt mit Saudi Arabien und den Golf-Staaten, in den sogenannten Bürgerkrieg in Syrien ein. Dadurch verstieß er zum Beispiel konkret gegen ein EU-Embargo! Folgen? Fehlanzeige! Er bombte dort übrigens schon seit dem vergangenen Sommer und nicht erst nach den Anschlägen vom vergangenen Freitag.

François Hollande forderte übrigens nicht die Solidarität der NATO ein, sondern er nutzte die weniger bekannte Möglichkeit, welche die EU-Verträge zu diesem Zweck bieten. Ein neues, zusätzliches Problem für die belagerte EU, nach dem Euro, der Stabilitätspolitik, der unerwünschten weiteren Zentralisierung, der Behandlung der Flüchtlingsfrage und der wirtschaftlichen Lage Südeuropas.

Seine allererste Forderung war eine Einberufung des Weltsicherheitsrates und eine Resolution des UNSC gegen den IS. Davon hört man nichts mehr? Vielleicht, weil dann Russland und China mitreden könnten und dies einer internationalen diplomatischen Aufwertung durch Anerkennung der Existenz des IS gleich käme?

Klar ist immer noch nicht, was er mit dieser Solidarität meint? Sollen wir jetzt unseren Flugzeugträger „Konrad Adenauer“ in Begleitung der Fregatte „Angela Merkel“ unter dem Oberkommando der Uschi von den Laien mit ihrem unsichtbaren Drei-Wetter-Taft-Stahlhelm ins östliche Mittelmeer schicken? Diese spöttische Anspielung auf unsere begrenzten deutschen Möglichkeiten sei mir an dieser Stelle erlaubt.

Unsere Politik hat also gerade einem Mann einen Freibrief ausgestellt, der bereits jetzt über die höchsten verfassungsmäßigen Rechte eines demokratischen Politikers in der EU und nach dem US-Präsidenten verfügt. Diese genügen ihm aber noch nicht. Er will  von seinen Franzosen einen noch viel weiter gehenden Freibrief und deshalb die Verfassung Frankreichs ändern lassen und die Möglichkeit eines permanenten Ausnahmezustandes einführen, in dem er das Land weitgehend mit Geheimdiensten, Polizei und Militär regieren kann. Dann bedürfte es nur noch einiger mehr oder weniger regelmäßigen Anschläge und er könnte mit den vier gemeinsamen Kindern seiner Umweltministerin Sègoléne Royal eine Dynastie Hollande einführen, weil er sich in so unsicheren Zeiten und unter Bedingungen des Ausnahmezustandes natürlich nicht lange „mit so Quatsch wie Wahlen“ aufhalten kann!

François Hollande war also schon vor den Terror-Anschlägen von Paris illegaler Kriegsteilnehmer in Syrien, wie auch die USA übrigens. Diese will er am kommenden Dienstag besuchen und – wie er denkt und hofft – auf Augenhöhe mit dem US-Präsidenten Obama über das weitere Vorgehen in Syrien verhandeln. Die NATO bleibt zunächst aus dem Spiel. Dies ist gewiss kein Zufall? Hollande wird nämlich am kommenden Donnerstag in Moskau mit dem russischen Präsidenten Putin beraten, ob und wie man gemeinsam in Syrien weiter kommt. Putin hatte da wohl den richtigen Riecher und er ist die einzige aussenstehende Kriegspartei, die sich legal, auf Einladung der legalen syrischen Regierung im Lande aufhält. Es könnte also dazu kommen, daß sich die EU in der Form einzelner, nationaler Armeen unter EU-Logo und dem Oberkommando von François Hollande an der Seite mit Russland in Syrien einbringt, während die USA weiterhin eigenständig, aus von Gott gegebenen Rechten, in Syrien engagieren und wie üblich niemand Rechenschaft schuldig sind, genau wie Syriens Nachbar Israel es zu handhaben pflegt. Bei einem NATO-Einsatz hätte hingegen automatisch ein US-General den Oberbefehl und das neue, alte NATO-Feindbild Russland wäre schlecht zu integrieren…

Auch unsere deutsche Innenpolitik bedient sich der Steilvorlage des Terrors und stellt ihre Forderungen. Unsere Bedrohung ist schrecklich, aber so genau wollen wir es von unserem Innenminister gar nicht wissen, „weil ein Teil der Antwort uns sicher verunsichern würde“! Dafür gebührt ihm unumstritten der Titel des „Spruch des Jahres“.

Was die Solidarität zwischen Staaten anbelangt, so muss erlaubt sein zunächst zu erfahren, was genau geplant wird, was mit welchen Mitteln geschehen soll und worin genau der eigene Beitrag der beteiligten Staaten  bestehen soll. Kein Freibrief also, für jemanden der zum europäischen Super-Victor-Orban mutieren könnte. Konkret bedeutet dies, daß zunächst François Hollande Ende der kommenden Woche, die Europäer vom Ergebnis seiner Gespräche mit Obama und Putin unterrichten muss, bevor über weitere Schritte der Solidarität zu entscheiden ist!
_____
ERGÄNZUNG:
Russland stellte Gestern einen Antrag auf eine Resolution des Weltsicherheitsrates zu Syrien, die einer früheren von September stark ähnelt, die damals abgelehnt worden war.

Frankreich stellte Heute einen kurz, knapp und prägnant formulierten eigenen Antrag zum Thema Syrien und IS.