Zahlenspielereien zur Macron-Wahl.

9. Mai 2017

Seien Sie gewarnt! Verplempern Sie nicht Ihre Zeit und erwarten Sie hier keine tiefschürfenden Enthüllungen. Aber wenn Sie ein paar Gedanken zu dieser Wahl, zur Darstellung ihres Ergebnisses und zu den Aussichten bei den Französischen Parlamentswahlen im kommenden Juni interessieren, dann lesen Sie weiter!

Macron hat mit 66% gegen Le Pen mit 34% oder mit zwei Dritteln gegen ein Drittel gewonnen. So hören und lesen wir es in allen Medien und das entspricht auch den Spielregeln bei dieser Wahl.

Stellen Sie sich vor, vor Ihnen steht eine leckere runde Torte, okay? Sie dürfen sich mit ihrem Bruder/Schwester diese Torte aufteilen. Beide werden also genauestens darauf achten, daß die Torte genau in der Mitte geteilt wird, damit jeder seine gerechte Hälfte erhält. Jedes Kind kennt diesen nervenzerreibenden Moment.

Stellen Sie sich weiter vor, jetzt käme ihre Mutter und würde vor dem Teilen ein Drittel der Torte entfernen, z.B. für den Rest der Familie. Sie würden mit Entsetzen feststellen, daß ihre „Hälfte“ jetzt plötzlich unter diesen Umständen auf 33%, auf ein Drittel der ursprünglichen Torte geschrumpft wäre. Sie würden protestieren, daß Sie betrogen worden seien…

Was hat das alles mit der Macron-Wahl zu tun, fragen Sie sich jetzt vermutlich? Nun, dabei läuft es genau anders rum, denn die Interessenlage ist entgegengesetzt!

Da gibt es eine Torte von 100% Wahlberechtigten. Davon werden 25,44%, ein Viertel, als Nichtwähler abgezogen. Dann werden 6,33% Protestwähler (Vote Blanc) abgezogen und danach noch 2,22% der Ungültigen Stimmen. Auf dem Tisch legt jetzt deutlich weniger als eine ganze Torte, genau sind es 66% oder Zwei Drittel. Von dieser zwei Drittel Resttorte  bekommen Sie Glückspilz jetzt zwei Drittel oder 44% der Ausgangstorte als Ihren Anteil, das ist doppelt so viel wie das eine Drittel, die 22%, die Ihr armer Bruder/Schwester, dieser Pechvogel erhält!

Genau so verhält es sich mit dem Wahlergebnis von Macron (66% von 66% = 44% der Torte) und Le Pen (34% von 66% = 22% der Torte). Torte hier synonym für Wahlberechtigte.

Der gefeierte Strahlemann Macron hat also die Mehrheit der Wahlberechtigten deutlich verfehlt und von seiner Konkurrentin muss man in diesem Zusammenhang nur soweit reden, als sie ihr Ergebnis mehr oder weniger im Juni ins Parlament retten wird, sollte sie nicht zuvor von ihren enttäuschten Mitstreitern zur Rechenschaft gezogen werden. Trotzdem muss man besorgt anerkennen, daß die FN ihr Ergebnis beinahe verdoppelt hat zur Wahl von 2011!

Macron versucht nun im Eiltempo, bis Donnerstag Mittag, eine eigene Partei aus dem Boden zu stampfen und diese soll ihm unter dem neuen Namen LA RÉPUBLIQUE EN MARCHE eine eigene Mehrheit im neuen Parlament sichern, ein sehr ambitioniertes, mutiges Unterfangen mit ungewissem Ausgang.

Erhebliche Teile von Macrons Wahlergebnis sind „Leihstimmen“ von PS und LR, die gegen Le Pen zu seiner Wahl aufgerufen hatten. Die werden im Juni alle selber antreten und sich ihre Stimmen zurückholen wollen.

Da wird dann das Drittel, „das Mutter amputierte“ und das sich der Wahl auf die eine oder andere Art verweigerte interessant werden, womöglich das Zünglein an der Waage spielen können? Es dürfte sich dabei hauptsächlich um die Stimmen der Linken um Jean-Luc Mélenchon handeln, der ja ausdrücklich nicht zur Wahl Macrons aufgerufen hatte?

Da könnte der neue, noch zu benennende Ministerpräsident wohl eine Große Koalition aus LR, LREM und PS bilden müssen? Wer wettet dagegen?

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http://www.lemonde.fr/les-decodeurs/article/2017/05/08/et-si-les-resultats-de-la-presidentielle-avaient-pris-en-compte-le-vote-blanc-ou-l-abstention_5124412_4355770.html

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Ein zerrissenes Frankreich wählt einen Präsidenten!

7. Mai 2017

Selbst wenn es am Ende des Tages das von den Medien prognostizierte 60 % : 40% pro-Macron-Ergebnis geben sollte wird danach wohl keine Ruhe einkehren. Frankreich wird aller Wahrscheinlichkeit ein in nahezu zwei Hälften zerissenes Land bleiben und erst die Parlamentswahlen im Juni werden vielleicht ein wenig Klarheit in das politische Bild bringen?

Aber die Situation in Frankreich spiegelt vielleicht ein bißchen die allgemeine Lage in Europa, angefangen vom BREXIT-UK über Frankreich bis hin ins Merkel-Deutschland?

Frankreichs Wähler sind gespalten in Stadt und Land, in Jung und Alt und in Arm und Reich. Die alten, reichen Städter wählen Macron. Die jungen, armen Franzosen aus den ländlichen und peripheren, de-industrialisierten Räumen wählen Le Pen, sofern sie keine Muslime sind. Sie tun es weniger aus Überzeugung, als aus Protest und weil sie glauben nichts zu verlieren zu haben? Große Religionsgemeinschaften, die Muslime, Juden und Protestanten haben ihre Gläubigen zur Wahl Macrons aufgerufen. Nicht so die Katholische Kirche in Frankreich, die mit dem Verweis auf den Laizismus diese Entscheidung ihren Gläubigen überlässt. Le Pen nennt dies eine indirekte Zustimmung der Kirche und sogar des Papstes für ihr Lager!

Auf einer Karte der Wahlergebnisse ist das Land senkrecht ungefähr in der Mitte in zwei nahezu gleichgroße Hälften geteilt, unterbrochen von nur wenigen Inseln der Gegenpartei. Der Osten wählte Le Pen und der Westen Macron. Le Pen wurde in den Großstädten mit einstelligen Ergebnissen marginalisiert und bekam gleichzeitig in ländlichen oder de-industrialisierten Gegenden über 30%.

Ähnliches wurde bei der Analyse des BREXIT im UK sichtbar. Man wird solche Statistiken wohl auch im September in Deutschland erwarten müssen? Gesellschaften zerfallen, entsolidarisieren sich, eine konsequente Folge der zunehmend neoliberalen Politik ihrer Regierungen. Was wird der nächste Schritt sein, etwa Bürgerkriege?

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http://www.elmundo.es/internacional/2017/05/07/590e018e268e3ed73a8b459c.html

http://www.elmundo.es/internacional/2017/05/07/590df0b9268e3eaa3c8b45a0.html

http://www.elmundo.es/internacional/2017/05/07/590e03eee5fdea60048b45ac.html


Live-Debatte: Le Pen vs. Macron

3. Mai 2017

Vier Tage vor dem Zweiten Wahlgang zur Französischen Präsidentschaftswahl findet heute Abend von 20:55 Uhr bis 23:50 Uhr die größte und womöglich entscheidende Live-Debatte der beiden Kandidaten Marine Le Pen und Emmanuel Macron statt.

Wer die französische Sprache versteht und sich für die Politik unseres wichtigsten Nachbarlandes interessiert, der sollte mit diesem Link LIVE daran teilnehmen können:

http://www.streaming-hub.com/france-2-live/

http://www.france2.fr/direct

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Nachklapp:
Etwas ratlos, nach dem frühen Ausschnitt der Diskussion, den ich sah? Für meinen Geschmack waren beide zu aufgeregt, fielen sich ständig undiszipliniert ins Wort und Macron wirkte zeitweilig durch die aktivere, aggressivere, dabei hämisch wirkende Le Pen wie ein getriebener Musterschüler und etwas Rechthaberisch in seinen Versuchen mit hoher Stimme Fakten in der Debatte unterzubringen, die gut am Tresen einer Kneipe hätte stattfinden können. Ich habe nicht jedes Wort verstanden, dafür ist mein Französisch bei weitem nicht gut genug, hatte am Ende meines Ausschnitts der Diskussion das Gefühl, daß man in einer solchen Hektik bestenfalls die eigene Gefolgschaft überzeugen kann, oder Gefühle wie Mitleid oder Abneigung erzeugen kann, kaum aber neue Wähler gewinnen? In einer ersten Umfrage hielten 65%, fast zwei Drittel, Macron dann auch für überzeugender als Le Pen. Das bedeutet, er hätte im Vergleich zu den seit langen bekannten Umfragewerten 60% : 40% leicht zugelegt.

 


Das Ende der sozialistischen Partei PS, ein Epochenwechsel!

2. Mai 2017

Ex-Premierminister Manuel Valls sagt, die PS sei erledigt, außer der gemeinsamen* Ablehnung der extremen Rechten von der FRONT NATIONAL gäbe es keine Gemeinsamkeiten mehr unter den Mitgliedern. Die Einen wollten mit den Ökos, die Anderen mit den Linken von Mélenchon. Für die Nationalwahlen im Juni müsse sie mit einem neuen Programm, mit neuen Gesichtern und unter einem neuen Namen antreten, wenn sie nicht aus dem Parlament fliegen wolle. Spätestens aber nach den Wahlen sei eine Total-Erneuerung notwendig, falls es vorher nicht mehr gelänge.

Das mag zwar in Teilen auch ein Nachtreten des in den Vorwahlen der Linken gescheiterten und in der PS stets umstrittenen Partei-Rechten Valls sein, im Grundsatz aber hat er recht! Es ist schlicht nicht möglich, nach den 6,36% des Ersten Wahlganges der Präsidentschaftswahlen einfach zur Tagesordnung zurückzukehren und so zu tun, als sei nichts geschehen!

Benoît Hamon war ein Bauernopfer um nicht den Namen Hollande mit diesem Wahldebakel zu verbinden, was der Noch-Präsident eigentlich verdient hätte. Er wird für Frankreich und die Franzosen als Polit-Gau in die Geschichte eingehen, es sei denn Marine Le Pen würde noch irgendwie gewählt werden. Nur diese Katastrophe könnte Hollande vergessen machen, obwohl er auch am Erstarken der FN seinen Anteil hat…

Valls steht mit seiner Ansicht nicht alleine da. Selbst der Erste Parteisekretär der PS,  Jean-Christophe Cambadélis fordert zumindest für die Zeit NACH dem 18. Juni, dem Zweiten Wahlgang der Nationalwahlen, eine Bilanz, deren Bewertung und einen Neubeginn!
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*Hier dürfte Valls wissentlich irren? Umfragen und deren Auswertung zeigen, daß ALLE Parteien Potentiale für die FN, allerdings in unterschiedlichem Maße, enthalten. Bei den LES RÉPUBLICAINS sollen dies sogar bis zu 20% sein und selbst bei den ganz Linken von Mélenchons FRANCE INSOUMISE gäbe es LR-Sympathisanten. Deshalb darf getrost angenommen werden, daß die Mitglieder der PS nicht einmal in diesem Punkt einer Meinung sind!


Frankreich nach dem ersten Wahlgang, alles wie gehabt?

24. April 2017

1.) 23,9% = Emmanuel Macron, EN MARCHE
2.) 21,4% = Marine Le Pen, FRONT NATIONAL
3.) 19,9% = François Fillon, LES REPUBLICAINS
4.) 19,6% = Jean-Luc Mélenchon, FRANCE INSOUMISE
5.) 06,3% = Benoît Hamon, PARTIE SOCIALISTE

Die wahlberechtigten Franzosen in Deutschland gaben in drei Zentren ihre Stimmen ab und sie taten dies sehr anders als ihre Landsleute im Mutterland:

Berlin: 50% für Macron, 2% für Le Pen.
Hamburg: 54% für Macron und 4% für Le Pen.
Stuttgart: 57% für Macron und 4% für Le Pen.

Mit einem solchen Ergebnis in Frankreich wäre Macron bereits im ersten Wahlgang direkt gewählt worden, ein Zweiter Wahlgang somit überflüssig gewesen…

Das Ergebnis zeigte die Favoriten seit den ersten Umfragen auf den ersten beiden Plätzen, nur in vertauschter Reihenfolge. Die Umfragen hatten lange Zeit Marine Le Pen an erster Stelle gesehen und nun liegt der Fall umgekehrt. Macron hat mit 2,5% „die Nase vor“ Le Pen.

Die Wahlbeteiligung von 78,69% lag auf einem sehr respektablen Niveau, wenngleich knapp 2% unter der von 2012 bei der späteren Wahl François Hollandes. Zwischenzeitlich war ein Einbruch der Wahlbeteiligung befürchtet worden, denn in Umfragen hatte rund ein Drittel der Befragten erklärt, sich noch nicht definitiv zur Teilnahme am Ersten Wahlgang entschieden zu haben.

67.000 Wahllokale seien von 57.000 Polizisten bewacht worden. Zu größeren Zwischenfällen soll es nicht gekommen sein.

Inzwischen haben bereits zwei unterlegene Kandidaten zur Wahl von Emmanuel Macron in der Stichwahl aufgerufen und zwar François Fillon und Benoît Hamon. Jean-Luc Mélenchon ziert sich anscheinend noch etwas. Ich rechne aber nicht damit, daß er am Ende gar zur Wahl Le Pens aufrufen wird? (ein schlechter Scherz, meinerseits!)

Es wird von vielen Beobachtern gesagt, daß das Ergebnis eine Ohrfeige, eine schallende Niederlage für die etablierten Parteien gewesen sei. Das ist zwar sicher richtig, aber keinesfalls neu, sondern eher ein längerfristiger Trend, der hier höchstens allgemein deutlich wurde.

Sehen wir uns „die Parteien“ einmal an:
Macrons EN MARCHE ist ein offenes Bündnis von Gruppen und Individuen, keine Partei mit unklarem, nur grob definierten, Programm und (meines Wissens!) unklarer Finanzierung. Wer oder was oder wessen Geld steckt also hinter dem Neoliberalen Ex-Banker, der sich im Wahlkampf als Sozialliberaler gab? Es liegt in der Natur dieser offenen Gruppierungen und Bündnisse, wie es sie seit Jahren auch in Spanien gibt, daß sie, um größtmögliche Wirkung zu erzielen eine Art von kleinstem, gemeinsamen Nenner abbilden, um möglichst viele Stimmen auf dieser Minimalkonsensbasis zu erzielen. Der Ärger kommt später, nach der Wahl, beim Prozess der Regierungsbildung. Für den Zweiten Wahlgang hat die Zentrale der „zerschmetterten“ PS alle Mitglieder offiziell dazu aufgerufen, Macron zu wählen.

Marine Le Pen und ihr FRONT NATIONAL werden zwar im zweiten Wahlgang wohl einen Teil der Protestwähler des Ersten Wahlganges wieder verlieren. Ob die zusätzlichen Rechten aller Coleur ausreichen, diese Verluste auszugleichen und das Ergebnis wesentlich zu erhöhen, das darf getrost befürchtet werden. Man stellte sich in Umfragen einen 60:40 Sieg von Macron für den Zweiten Wahlgang am 7. Mai vor. Demnach sei er schon so gut wie gewählt. Schauen wir mal, zwei Wochen können eine lange Zeit sein in der Politik…

Der von seinem selbst angerichteten „Penelopegate“ schwer angeschlagene François Fillon wird womöglich nach seinem Wahldesaster noch heute von seiner Gruppierung LES RÉPUBLICAINS, vormals UMP, abgesetzt werden? Die Führungs trifft um 17 Uhr zusammen. Sarkozy hat seine Getreuen aber schon ab Mittag um sich versammelt. Fillon hatte nach seiner Niederlage schon früh zur Wahl Macrons aufgerufen. Aber ein Teil der Rechten könnte durchaus den FRONT NATIONAL als ein ein kleineres Übel als den Neoliberalen Macron ansehen und folglich zur Wahl Marine Le Pens aufrufen?

Große Gewerkschaften, auch die der Nationalen Polizei, haben ihre Mitglieder inzwischen zur Wahl Macrons aufgerufen und klar vor dem FRONT NATIONAL gewarnt!

Die Große Moschee von Paris hat alle Muslime Frankreichs zur Wahl von Macron aufgerufen. Der Islam ist nach den Katholiken die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft Frankreichs.

Um 16 Uhr hat Noch-Präsident François Hollande, der Vater des ganzen Debakels, im TV gerade LIVE erklärt, daß ER im 2. Wahlgang seinen illoyalen Ex-Wirtschaftsminister Macron wählen werde!

Wenn man die in dieser Wahl ausgedrückten politischen Lager einfach dem historischen Links-Rechts-Schema zuordnet, dann erhält man bei aller Ungenauigkeit in etwa das alte, traditionelle Bild in Frankreich, das eines Landes mit zwei annähernd gleich großen Blöcken von Links und Rechts: 23,9%+19,6%+6,3%= 49,8% LINKE und 21,4%+19,9%=41,3% RECHTE. Einen Teil des Rechten Spektrums der sogenannten Linksparteien muss ebenfalls den Rechten zugerechnet werden, dann passt das mit den beiden annähernd gleich großen politischen Lagern bei unseren Nachbarn im Westen…

Bei den Französischen Nationalwahlen im Juni, wo dann eine flächendeckende Infrastruktur der Parteien gefordert sein wird, wird sich die Stärke oder Schwäche von Macrons Bündnis EN MARCHE! zeigen und die Altparteien mit politischen Strukturen bis hinab in die kleinsten Dörfer können punkten. Macron könnte sich vermutlich einer konservativen und auch rechten Mehrheit im Parlament gegenübersehen und Kompromisse machen müssen, von denen er heute noch nicht einmal albträumt?


Ein Monat vor der Wahl laufen François Hollande die eigenen Leute davon!

25. März 2017

Zuerst waren es einige Regierungsmitglieder aus der zweiten Reihe. Mit Jan-Yves Le Drian, dem amtierenden Verteidigungsminister, erklärt nun zum ersten Mal ein aktiver Minister der Regierung Cazeneuve des Präsidenten Hollande nicht den eigenen Kandidaten der sozialistischen Partei PS unterstützen zu wollen, sondern statt dessen den Parteilosen, neoliberalen Ex-Banker („ich bin stolz darauf Banker gewesen zu sein!“) Emmanuel Macron unterstützen zu wollen!

Für den eher farblosen sozialistischen Kandidaten Benoît Hamon ein schwerer Schlag, aber es sieht wohl sowieso kaum jemand eine echte Chance, daß er mit dem bisher an den Tag gelegten Zeitlupen-Wahlkampf in die Stichwahl einziehen könnte?

Die PS scheint also definitiv vor der Abwahl zu stehen, falls nicht noch ein Wunder geschieht und es könnten höchstens einzelne Sozialisten in eine extrem Industrie- und Bankenfreundliche Regierung eines Präsidenten Macron als singuläre, exotische Feigenblätter des Sozialismus einziehen? Ein Manuel Valls z.B. würde da inhaltlich voll reinpassen, vielleicht würde ihn ein Präsident Macron gar mit dem Amt des Premiers ausstatten, aber Valls will selbst die „Erste Geige spielen“, das hat er schon unter Hollande bewiesen…

François Fillon, der Kandidat der Konservativen „gemäßigten Rechten“ LR, steht immer mehr unter Druck, nachdem die Ermittlungen in „Penelopegate“ ausgeweitet worden sind. Wenn aber dann auch diese konservative Gruppe sich nicht mehr fähig sieht an die Regierung zu kommen,werden es wohl auch in der LR einzelne versuchen ihr Fell zu retten und ins Lager von Macron zu wechseln?

Dazu dann noch ein paar Grüne und Frankreich bekäme eine Industriefreundliche, quasi überparteiliche Regierung des Regenbogenspektrums eines neoliberalen Präsidenten Macron? Wer finanziert eigentlich seinen Wahlkampf? Woher stammen die Mittel des parteilosen Kandidaten? Es ist vom Energie-, dem Banken- und Pharmasektor die Rede. Keine Ahnung, ob das stimmt?

Die Regierung Cazeneuve des Präsidenten Hollande steht einen Monat vor dem ersten Wahlgang offenbar bereits im Abbruch?

Marine Le Pen fährt im Grunde ohne erkennbaren Anlaß nach Moskau für ein Foto mit Putin. Ihr wird ja nicht erst seit dem russischen Kredit für ihre FRONT NATIONAL vorgeworfen, vom „Gott-sei-bei-uns“ des Westens ferngesteuert zu werden. Nach den USA also schon wieder eine Wahl mit russischer Einmischung? Was erlauben Putin?

Man könnte diese Ausgangskonstellation vor der Wahl aber auch schlicht eine Wählerverarsche nennen? Schlichte Gemüter vom rechten Rand könnten dies die Wahl zwischen Rothschild und Putin nennen?


10 Millionen Franzosen sahen die erste Debatte der Präsidentschaftskandidaten in TV1 !

21. März 2017

Aller Präsidentschaftskandidaten? Nein! Die TV-Verantwortlichen luden nur die ersten Fünf, die Kandidaten der großen Parteien ein und die Sechs „Kleinen“ hatten ein Nachsehen. Sie waren im TV-OFF, sie existieren praktisch nicht! Soviel zur Chancengleichheit.

Die Debatte verlief ohne größere Überraschungen. Praktisch alle wollten sparen, viele, viele tausend Arbeitsplätze einsparen, aber natürlich nicht bei der inneren Sicherheit, der Polizei oder bei der Bildung. Sie wollten tausende Polizisten neu einstellen und tausende neue Lehrer noch dazu. Grundschulklassen sollten nicht mehr als 11 Schüler pro Lehrer haben.

Mit unterschiedlicher rhetorischer Verpackung sollte die 35-Stunden-Woche abgeschafft und die Wochenarbeitszeit – je nach politischem Standpunkt – „auf deutsches oder rumänisches Niveau“ angehoben werden!

Marine Le Pen sah im Nationalismus und im FRANXIT, dem französischem Ausstieg aus der EU und dem Euro, die Lösung aller Probleme, damit die in vielen Teilen der Wählerschaft allgemein vorherrschende Wirtschaftsfeindlichkeit bedienend. Sie warf dem Ex-Banker Macron, hinter dem keine Partei steht, vor ein Ex-Banker zu sein, hinter dem keine Partei stehe und dessen Wahlkampf aus unklaren Spenden von Banken, Energiewirtschaft, Finanzindustrie und geheimen Strukturen finanziert würde, denen er sich dadurch verpflichten würde.

Macron konterte mit dem „Putin-Kredit“ an die FN und beteuerte stolz darauf zu sein Banker gewesen zu sein!

Fillon wirkte routiniert aber keineswegs angeschlagen durch seinen Steuerzahler-finanzierten-Familien-Beschäftigungs-Skandal*. Er verkaufte sich relativ gut.

Mélenchon war rhetorisch gut, gewohnt klar und scharf ist aber chancenlos klein um eine Rolle spielen zu können in diesem Wahlkampf. Er erwähnte, daß den Franzosen durch Steuerflüchtlinge pro Jahr über 300 Milliarden €uro an Steuereinnahmen entgingen! Mehr Steuereinnahmen wäre nämlich die Alternative zu den Kürzungsorgien der Mitte-Rechts-Parteien!

Hamon von der PS wirkte irgendwie blaß und schwach? Die Linke schwächelte…

Professionelle Beobachter sahen ein Duell Le Pen und Macron als dominant und diese Beiden deswegen als Favoriten für den Einzug in die Zweite Runde, für die Stichwahl.

Eine Online-Umfrage des LE FIGARO mit 150.000 Teilnehmern ergab ein anderes Stimmungsbild. Die Teilnehmer sahen folgenden Sieger:

1.) 40% sahen François Fillon als Sieger der TV-Debatte.
2.) 24% sahen Emmanuel Macron vorne.
3.) 19% sahen Marine Le Pen als nächste Präsidentin.
4.) 13% sahen Jean-Luc Mélenchon gewinnen.
5.) 04% sahen Benoît Hamon, ja was, gewinnen?

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* Ich vermutete stets, daß Fillon mit dieser Praxis nicht alleine unterwegs war. Zum neuesten Hammer kommt ein eigener Beitrag!