Warum Theresa May gehen müsste!

9. Juni 2017

Die Tories, die Konservativen von Theresa May haben keine eigene Mehrheit! Sie sind künftig auf eine offizielle Koalition oder eine stille Duldung nach Absprachen durch Oppositionsparteien angewiesen. Damit hat Theresa May sich ein Eigentor geschossen, die ihre Position eigentlich durch diese vollkommen unnötigen, vorgezogenen Neuwahlen verbessern wollte, sie hat sich klassisch verzockt! Auch enge Mitarbeiter Mays haben ihre Sitze verloren.

Nicht nur Labour-Führer Jeremy Corbyn hat sie aufgefordert, ihre Lage zu überdenken, auch eigene Tories und sogar Kabinettsmitglieder haben dies enttäuscht und wütend getan. Denen steht anscheinend eine Rebellion ins Haus? Eigentlich müsste sie unter diesen Umständen zurücktreten, aber sie wird wohl genügend wichtige Gründe finden, dies nicht zu tun?

Für uns EU-Kontinentaleuropäer scheint sich dadurch hingegen grundsätzlich erst einmal nichts zu ändern? Auch Jeremy Corbyn (der natürlich auch keine Mehrheit hat) ist ein BREXIT-Befürworter. Er war sogar sein ganzes politisches Leben lang europakritisch eingestellt! Wahrscheinlich hat sich die Position des UK in den BREXIT-Verhandlungen, die in ein paar Tagen(!) beginnen sollen verschlechtert und möglicherweise macht genau dieser Umstand  die Verhandlungen noch schwieriger?

Vorläufiges Fazit: Noch zu früh, ein definitives Fazit zu ziehen, kann man aber wohl schon sagen, daß diese Wahl und ihr Ergebnis ein Spiegelbild der zerissenen sozialen Gesellschaft des UK darstellt, denn die beiden größten Parteien waren offiziell Pro-BREXIT, boten dem Wählen in DIESER Frage also keine Alternative. Auch die schottischen Nationalisten haben deutlich verloren. Ihre Unabhängigkeitsbestrebungen bis nach einem erfolgten Brexit zurückzustellen, wozu Theresa May sie zwang und worin sie einwilligten, wurde vom Wähler nicht honoriert. Man darf aber wohl schon sagen, daß Labour-Führer Jeremy Corbyns Versuch die soziale Frage nach Jahren desaströsen Budgetkürzungen der Konservativen bei Bildung- und im Sozial- und Gesundheitsbereich, aber auch bei der Polizei, wieder ins Zentrum der Debatte zu stellen ein voller politischer Erfolg war! Man darf wohl auch schon sagen, daß dies Wahlergebnis eine Folge der erfolgreichen Reaktivierung zur Teilnahme JÜNGERER WÄHLER durch Jeremy Corbyns Labour war, während der BREXIT eine Folge der Alten, der abgehängten ländlichen Bevölkerung animiert und aufgehetzt durch die Clowns von UKIP war.

„Beinahe“ Endergebnis nach 648/650 ausgezählten Sitzen:

317 (-12) CON
261 (+31) LAB
012 (-03) LD
035 ( -19) SNP
010 (+02) DUP
000 (+-0) UKIP (!)
001 (+-0) GREEN
012 Diverse Andere Parteien.

Der Stimmenanteil, nicht die Anzahl der gewonnenen Sitze, macht die Sache noch klarer:

2015 = 37%, 2017 = 42% Konservative
2015 = 30%, 2017 = 40% Labour
Hier drückt sich klar eine soziale und politische Spaltung des Landes in zwei annähernd gleich große Hälften aus!

Das beste Ergebnis seit Tony Blairs 2001 = 41%! Es scheint, Labour hat sich bis zu 4 Mio Stimmen von UKIP-Wählern geholt?

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Umfrage zur UK-Wahl: Theresa Mays Vorsprung von 17% auf 1% geschmolzen!

6. Juni 2017

Es ist nur eine Umfrage und als solche natürlich mit Vorsicht zu genießen, denn diese lagen zuletzt häufig falsch. Dass da aber etwas im BREXIT-UK in Bewegung geraten ist, das steht wohl außer Zweifel? In zwei Tagen, nach der Wahl, wissen wir mehr…

http://www.telegraph.co.uk/news/2017/06/06/general-election-2017-conservative-poll-lead-labour-narrows2/


Gegenwind für Theresa May!

1. Juni 2017

Sie glaubte, der BREXIT sei ein Selbstläufer. Sie wollte die gefühlte, allgemeine Zustimmung dazu nutzen durch vorgezogene Neuwahlen ihre politische Basis zu verbreitern. Eigentlich, eine reine Formsache, sollte man meinen? Doch es kam anders.

Ein paar merkwürdige Auftritte in der Öffentlichkeit, ein Lachanfall im Unterhaus, der um die Welt ging und jetzt zwei vergeigte Auftritte bei TV-Diskussionen und das Blatt scheint sich zu wenden?

Es scheint, es ist schick, es ist „in“ gegen Theresa May und die Tories zu sein? Jetzt gibt es sogar schon sehr gut anzuhörende und anzusehende Video-Clips zur Kampagne.

So etwas würde ich mir in Deutschland bei Merkels aus heutiger Sicht scheinbar unvermeidlicher Wiederwahl im September auch wünschen. Wer weiss, manchmal drehen sich die Dinge ja und wer zuletzt lacht, der lacht bekanntlich am schrillsten…

ON TOP OF THE CHARTS:

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https://www.theguardian.com/politics/2017/may/31/liar-liar-anti-theresa-may-song-heads-to-top-of-charts


Schottlands Parlament stimmt gerade mit 69 zu 59 für ein Zweites Unabhängigkeitsreferendum, das Ende 2018 oder Anfang 2019 stattfinden soll!

28. März 2017

Die Entscheidung in Holyrood ist gefallen und Nicola Sturgeon hat ihr Ziel erreicht. Ihre Argumentation: Durch den BREXIT habe sich die Lage Schottlands negativ verändert.

Die Schotten wollten zu 62% in der EU verbleiben, während eine Mehrheit des UK dagegen gestimmt hatte. Morgen wird das UK offiziell den historischen BREXIT in Brüssel erklären. Beim ersten Referendum vor zweieinhalb Jahren hatte sich eine knappe Mehrheit in Schottland GEGEN die Unabhängigkeit und FÜR einen Verbleib im UK ausgesprochen.

Sturgeon hoffte und May bezweifelte daß diese Mehrheit durch den BREXIT umgekehrt werden könnte und es eine Mehrheit für die Unabhängigkeit geben könnte. Sie hatte Recht, zumindest im Schottischen Parlament!

Sturgeon wird mit ihrer „IndyRef2“ -Mehrheit jetzt bei Premierminister Theresa May einen sogenannten „Section 30 Order“, den legalen Rahmen für ein Referendum beantragen, das bei dessen Genehmigung durch May im Herbst 2018 oder im Frühling 2019 stattfinden würde.

MSP, die schottischen GRÜNEN, unterstützen mit ihren 6 Sitzen den Antrag der SNP (63 Sitze) und sorgten so dafür, daß die absolute Mehrheit von 65 Sitzen im Parlament mit 129 Sitzen erreicht werden konnte.

Theresa May will ein Referendum NICHT erlauben, BEVOR der BREXIT exekutiert worden ist und die Schotten dessen Wirkung sehen könnten, bevor sie abstimmen würden!

May wirft der SNP vor, schwere Mängel und Versäumnisse in schottischer Verantwortung, z.B. im Bildungs-  und Gesundheitswesen, mit dem Unabhängigkeitsthema verdecken zu wollen!


Tory-Aufstand gegen Theresa May wegen BREXIT?

3. März 2017

Das Oberhaus hatte vor einigen Tagen verlangt, daß im BREXIT-Antrag an die EU die Rechte der EU-Bürger im UK gewährleistet sein müssten. Dies schien zunächst nur ein Schönheitsfehler zu sein, der im Unterhaus bei den Abstimmungen am kommenden 13. und 14. März einfach überstimmt werden könnte und der höchstens zu einer kleinen Verzögerung führen würde. Falsche Vermutung vermutlich?

Wie es jetzt aussieht gibt es mindestens 20 Mitglieder ihrer eigenen Konservativen Partei, die im Unterhaus für den Vorschlag der Lords stimmen wollen! Diese wollen nicht nur die künftigen Rechte der EU-Bürger im Post-BREXIT-UK festgeschrieben haben, sondern eine generelle Mitsprache beider Häuser über das verhandelte Endergebnis, was einem normalen demokratischen Empfinden entsprechen dürfte, denn alles andere wäre ein Freibrief für Theresa May?
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http://www.telegraph.co.uk/news/2017/03/02/20-rebel-tory-mps-expected-support-lords-amendment-meaningful/


EU-Lehrkörper im Nach-BREXIT-UK: „Packt schon mal eure Koffer!“

31. Januar 2017

Das UK verfügt bisher über ein exzellentes, exklusives, privates Bildungssystem von Weltruf. Begüterte Eltern aus aller Welt lassen sich die Bildung ihres Nachwuchses im UK eine Menge Geld kosten. Das ist ein beträchtlicher Wirtschaftsfaktor und Garant eines exzellenten wissenschaftlichen Rankings in der Welt. Zudem ist es eine Honigfalle für Talente, denn ein Teil der Besten verbleibt nach Schule und Studium im UK.

Ich lasse hier die Frage nach dem Sinn eines geteilten Bildungssystems mit exzellenter privater und eher unterdurchschnittlicher öffentlicher Bildung einmal ganz bewusst außen vor! Das ist ein anderes Thema…

Aber diese Elite-Bildungsinstitutionen beschäftigen derzeit rund 31.000 Lehrkräfte aus der kontinentalen EU. Diese wurden, obwohl Teils seit Jahrzehnten im UK lebend und arbeitend, durch den BREXIT beunruhigt und haben sich in Folge vielleicht erstmals Gedanken über ihre Zukunft im UK gemacht.

Manche versuchten ihren Status durch Erlangung der Britischen Staatsangehörigkeit für die BREXIT-Zukunft zu legalisieren. Doch dies stellte sich zuweilen nicht nur als recht kompliziert heraus, sie wurden durch Formschreiben von Ämtern auch regelrecht zum Koffer packen aufgefordert, was große Beunruhigung bei den Betroffenen auslöste. Man hatte den Eindruck, daß das offizielle UK rückwärtsgewandter und abweisender geworden ist. Der BREXIT-Schock machte allen schlagartig klar, was Teils seit Jahren im Verborgenen im Entstehen war.

Diese 31.000 EU-Lehrkräfte machen 16% aller Lehrkräfte des UK aus, in bestimmten Elite-Unis wie z.B. in der LSE, der London School of Economics, stellen „die Europäer“ aber 38% des Lehrkörpers! Andere berühmte Londoner Colleges haben zwischen einem Viertel und einem Drittel EU-Lehrkörper. Selbst in Oxford und Cambridge lehren um die 20% Kontinentaleuropäer.

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http://blogs.lse.ac.uk/brexit/2017/01/26/no-longer-welcome-the-eu-academics-in-britain-told-to-make-arrangements-to-leave/


Wenn „News“ unterschlagen werden…

29. Januar 2017

Ich habe einen interessanten Artikel gefunden, den ich hier verlinken will. Es geht um die Informationspolitik unserer öffentlich-rechtlichen, aber auch privater Medien und Medienagenturen. Da der Artikel in Deutsch geschrieben wurde, sollte man ihn sich einfach selbst im Original durchlesen. Punkt des Anstoßes ist das selektive „Weglassen“ von News, aber lest selbst:

https://peds-ansichten.de/2017/01/eine-rede-von-theresa-may-und-ein-selektiver-ard-bericht/

Dieser z.B. im GUARDIAN abgedruckte Teil, wäre die eigentliche News des Tages, doch man lässt sie einfach weg, weil sie nicht in die Pläne mancher Agierender passt:

„Britain and the US must never again intervene in other sovereign countries’ affairs in a bid to “remake the world in our own image”, Theresa May has told senior Republican policymakers in Philadelphia.

In a foreign policy speech that marks a clear break with the liberal interventionism of the Tony Blair and David Cameron eras, the prime minister said there must be “no return to the failed policies of the past” that saw Britain bogged down in conflicts in the Middle East.

As she prepared to meet Donald Trump in Washington, amid profound anxiety in Europe about how he will choose to exercise American power, May insisted that the “days of Britain and America intervening in sovereign countries in an attempt to remake the world in our own image are over”.

https://www.theguardian.com/politics/2017/jan/26/theresa-may-donald-trump-visit-attacks-past-foreign-policy-philadelphia

ERGÄNZUNG:
http://mondoweiss.net/2017/01/trumps-interventionism-adviser/