Detmolder soll nach Kasachstan abgeschoben werden, wo ihm Gefängnis droht!

19. Juli 2013

Aufruf zur Demonstration für S.N.

am Samstag, den 20.7.2013, 11:30 Uhr, ab Bruchberg, Detmold

Am Donnerstag, 11. Juli 2013 wurde S. N.in der Asylunterkunft Heldmanstraße in Detmold überraschend und vor aller Augen verhaftet. Er wurde ins Abschiebegefängnis Büren verbracht und soll am 22. Juli nach Kasachstan abgeschoben werden, obwohl er eine freiwillige Ausreise vorbereitete. Viele Menschen empfinden dieses Vorgehen der Stadt Detmold als erschütternd

S.N. lebt seit insgesamt 10 Jahren in Deutschland. Seit 2008 lebt er durchgehend in Detmold und kooperiert mit der Ausländerbehörde. Er ist 66 Jahre alt und 2003 als damaliger Oppositionspolitiker aus Kasachstan geflohen. In den letzten Jahren hat er sich auch für Asylbewerber in Detmold und in Lippe engagiert.

Nachdem zwischenzeitlich deutlich geworden, dass das deutsche Ausländerrecht ihm kein dauerhaftes Bleiben in Deutschland ermöglichen wird, plante er zuletzt eine freiwillige Ausreise. Nach einem Vorgespräch im April sollte entscheidender Botschaftstermin in Berlin am Freitag, 19. Juli stattfinden, um mögliche persönliche Sicherheiten abzuklären.

Eine Stunde vor einem vereinbarten Vorsprechen beim Ausländeramt wurde S.N. am 11. Juli in aller Öffentlichkeit der Asylunterkunft verhaftet und in Abschiebehaft genommen. Das Haus wurde umstellt, er durfte nichts mitnehmen, auch nicht Brille oder Adressbuch. Die Abschiebung ist für kommenden Montag (22.7.) fest terminiert. Die Option einer geordneten Ausreise mit Sicherheitsgarantien ist jetzt zerstört, selbst die Möglichkeit einer Weiterreise in ein anderes Land ist verhindert. Gefängnis im Herkunftsland droht konkret.

Bei einer kurzfristig angesetzten Mahnwache auf dem Detmolder Marktplatz drückten am Montag, 15. Juli über 100 Menschen ihre Erschütterung über dieses Handeln aus. Sie forderten von der Stadt Detmold:

S. N.muss unverzüglich aus der Abschiebehaft freigelassen werden!
Die Abschiebung am 22.7. muss ausgesetzt werden!

Wenn nichts anderes mehr geht, muss zumindest eine freiwillige Ausreise ermöglicht werden.
Die Gespräche mit der Stadt Detmold laufen sehr stockend. Bisher hat diese keinerlei Signale gesendet, eine Freilassung aus der Abschiebehaft und eine humanitäre Lösung ermöglichen zu wollen. Im Gegenteil steht zu befürchten, dass die Abschiebung am kommenden Montag wirklich durchgeführt werden soll.

Darum ruft die Flüchtlingshilfe Lippe e.V. stellvertretend für viele Unterstützer/innen von S.N. zu einer Demonstration am kommenden Samstag, 20.Juli 2013 auf, mit der die Anliegen noch einmal bekräftigt werden sollen.

Die Demonstration beginnt um 11.30 Uhr mit einer Auftaktkundgebung am Detmolder Bruchberg. (Bruchstrasse / Ecke Wallgraben, Brücke über Wallgraben) Nach einem Marsch durch die Innenstadt und an der Ausländerbehörde vorbei findet die Abschlusskundgebung an der Kreuzung Lange Str./Externstr./Krumme Straße statt.


Pfarrer Dieter Bökemeier
Beauftragter der Lippischen Landeskirche für Flüchtlinge und Asylsuchende
Am Eichenpohl 56
32760 Detmold
Tel.:     05231-28562
Fax:     05231-32547
Email: dieter.boekemeier@lippische-landeskirche.de

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