Selbstzensur: EU-Parlament kann künftig „per Rotem Knopf“ Medien aussperren!

7. Februar 2017

Nicht das Parlament, sondern genauer gesagt dessen jeweiliger Vorsitzender, besitzt seit dem 16. Januar einen Roten Knopf bei dessen Betätigung automatisch die Live-TV- , interne Parlamentsnetz- und Web-Übertragung der Redebeiträge und des sonstigen Verhaltens der Abgeordneten unterbrochen und so den Augen und Ohren der Europäer und der Welt entzogen werden kann!

Populisten, Nationalisten, Rassisten, Xenophobe haben dann nach dem im vergangenen Dezember verabschiedeten Artikel 165 der Hausordnung des Europaparlamentes keine automatisch-freie Bühne mehr für ihre Ergüsse.  Die jeweiligen Beiträge können dann vom Präsidenten freigegeben werden oder auch nicht. Eine Art Selbstzensur, also?

Bisher konnte z.B. ein Nigel Farage für seine Hassparolen mit max. 2.980,-€ Geldstrafe belegt werden. Da lachte der doch drüber! Für ihn war diese Bühne unbezahlbar und er schien sie offensichtlich geradezu zu genießen? Auch Marine Le Pen und Andere nutzen fleissig diese Gratis-Möglichkeit der Selbstdarstellung in der EU.

Andererseits wird es darauf ankommen, wie dieses Instrument der Selbstzensur künftig genutzt werden wird. Dies kann maßvoll geschehen, man kann die Zeit der Live-Übertragungen im Prinzip damit aber auch beerdigen? Darüber hinaus kann der Präsident entscheiden die entsprechenden Aufzeichnungen zeitversetzt, unverändert, bearbeitet, gekürzt oder gar nicht zu veröffentlichen, ein perfektes Zensurinstrument also, mit dem Risiko der Geschichtsfälschung behaftet? Eine politische „fake-reality“?

Den bekannten Populisten bietet die Zensur durch die EU womöglich künftig sogar so etwas wie ein „Demagogen-Qualitätssiegel“ nach dem Motto: „Gesperrt von der EU!“, “ Was die EU ihnen verschweigen wollte“?

Dies Änderung der „Hassordnung“, Verzeihung, Hausordnung erfolgte auf Antrag des britischen Labourabgeordneten Richard Corbett, der damit über den BREXIT hinaus seine Spuren in der EU hinterlassen wird…

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