Von Weitem betrachtet, alles beim Alten?

17. August 2016

Einige Wochen musste ich mein Vorhaben, mit meinem Blog  „die Welt zu retten“, aus verschiedenen Gründen zurückstellen, darunter auch so angenehme wie Urlaub in relativ entlegenen Gegenden Nordeuropas. Dort versagte für einige Tage mein „mistneues“ Smartphone. Ich war praktisch von den Nachrichten und damit von meinen Dauerthemen abgeschnitten, aber auch von so profanen Dingen wie Telefonnummern, Adressen, PINs, von denen der moderne Mensch abhängig ist und das in einem Land, wo man mit Bargeld unter Geldwäsche-Verdacht steht, an Geldautomaten maximal 100 Euro pro Tag abheben und bei Busfahrern mit Barem kein Ticket lösen kann. Wenigstens gab es massenhaft Pfifferlinge, Blau- und Himbeeren in den Wäldern und reichlich Fische im Wasser, so daß das blanke Überleben gewährleistet war.

Eine gewisse Gereiztheit, die sich aber bald legte, waren meine einzigen Entzugserscheinungen, die ich mir als Medienjunkie selbst diagnostizierte. Danach war’s eigentlich ganz okay, wer hätte das gedacht?

Zurück und sich nach den üblichen Tagen der Nach-Urlaubs-Arbeiten unauffällig an den Rechner herangeschlichen stellte ich fest, daß die Welt und ihre Krisen und Konflikte auf mich gewartet haben!

Mir fehlen mindestens vier Wochen der täglichen (Des-)Informationsberieselung und ich kann deshalb in keiner Weise irgendwo mitreden und doch: Praktisch keine der seit Jahren drängenden Krisen, keiner der Konflikte in der Welt hat sich gelöst in meiner Abwesenheit, weshalb ich weiter gegen Windmühlenflügel ankämpfen muß. So hüpfe ich also zurück ins Laufrad des Medienzirkus und beteilige mich in alter Frische an der Suche der Sauerei des Tages. Macht euch also darauf gefasst da draussen, daß ich euch auch künftig mit meinem Kram behellige, Chance vertan, Welt!

Wer nun diesen Zeilen entnimmt, daß ich mich selbst nicht tierisch ernst nehme, der hat den ersten Schritt auf dem Weg zur Weisheit erfolgreich absolviert, weiter so!

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Westerwelle: Politischer Asozialer oder verkannter Kämpfer für den Mindestlohn?

18. Februar 2010

Während Guido Mantra-artig seine Floskeln herunter betet, von der Arbeit, die sich wieder lohnen müsse und vom Lohn-Abstand des Arbeitenden zum nicht Arbeitenden, bleibt er uns bewusst die Antwort darauf schuldig, wie er dieses Herzens-Anliegen denn regeln würde, wenn er in diesem Staat etwas zu sagen hätte?

Er könnte dies wie gehabt genuin FDP-Asozial tun, indem er den Ärmsten dieser Gesellschaft etwas nimmt um es seinen Mövenpick- und anderen Spezies zuzuschanzen oder er könnte sich für den Mindestlohn einsetzen, der ja seine Forderung auch schlagartig erfüllen würde? (Kleiner Scherz von mir, das würde Guido natürlich nie tun, dafür ist er sein Leben lang zu sehr Aussenseiter gewesen, „der, mit dem keiner spielen wollte“, das prägt!)

Während der gelbe Breitmaulfrosch frustriert sein ebensolches also nicht nur zu Aschermittwoch gewaltig aufreisst, lässt seine Chefin immer öfter erkennen, dass Schwarz-Grün für sie auch kein Beinbruch darstellen würde. Die schwarze Polit-Domina kann prinzipiell eben mit jedem, solange sie dabei oben sitzen darf. Das wird sicher lustig, wenn Frau Künast auch oben sitzen will?

Während der Nach-Oben-Umverteiler, unverdrossen vom sinkenden Wählerzuspruch (er hat seine Zustimmungsrate in viereinhalb Monaten halbiert!), sein Endlos-Band wiedergibt, hat sich die Zahl der Armen in Deutschland in den letzten zehn Jahren um dreissig Prozent erhöht! Daran ist die SPD leider zum großen Teil mitverantwortlich. Die Leute, die Schröder einst unterstützten (mea culpa, ich gehörte auch dazu, Asche auf mein Haupt!), konnten sich wohl nicht vorstellen, wie dessen eigene Herkunft ihn letztlich entsolidarisiert hat. Der hemmungslose Drang nach oben, dazu zu gehören, Genosse der Bosse zu sein, hat ihn – bildlich gesprochen – zu einem Parasiten werden lassen, der „seine Partei“ nur als Wirt benötigte.

Die SPD wird in diesem Land meist nur dazu gebraucht, um das soziale Netz ohne gesellschaftliche Unruhen zu zerstören, oder Deutschland in Kriege zu führen, die dieses Land eigentlich nie wieder führen wollte. Mit der SPD kann man die Bevölkerung zuverlässig so einlullen, dass sie willig dem Schlachter ins Schlachthaus folgt, getreu der Parole „mit den Anderen würde alles ja noch viel schlimmer werden“! Das lebende Beispiel dafür ist Steinmeier, der „Oppositionsführer“. Der hat naturgemäß heute die allergrößten Probleme damit, eine Politik, die er ein Jahrzehnt an maßgeblicher Stelle mitprägte in all ihren negativen Auswirkungen, als falsch zu betrachten. Schöne Opposition, das!

Merkel ist Kanzlerin. Das ist für sie das wichtigste, das reicht ihr! Noch schöner wäre es zweifellos, wenn sie zugleich Bundespräsidentin sein könnte, aber man kann ja nicht alles haben. Mit den Gelben von der FDP hat sie sich das ja eigentlich anders vorgestellt, irgendwie harmonischer halt? Aber zum Glück kann sie aus dem Vollen schöpfen! Die Grünen um Künast und vor allem um den in den USA offenbar für Höheres auserkorenen Cem Özdemir, stehen bereit um die FDP zu ersetzen. Dann gibt es ja auch noch den „Oppositionsführer“ Steinmeier, der Nachts im Bett sitzt um den Ruf der Kanzlerin an die Macht nicht zu verpassen! Wenn der Ruf eines Tages kommt, dann wird es interessant und widerlich zugleich sein zu sehen, wer von Nahles und Gabriel schneller auf die pragmatische Seite des Regierens umkippt? Der Rest der SPD trottet dann willig hinterher. Wie immer, um Schlimmeres zu vermeiden…

Ob aber Guido, der gelbe Breitmaulfrosch, die Ernte seines widerlichen Agierens einfahren kann, das darf bezweifelt werden. Seine Parteifreunde wetzen bereits die Messer. Fliegt die FDP in NRW aus der Regierung, dann fliegt auch der Frosch, oder der Storch holt ihn…