Von Weitem betrachtet, alles beim Alten?

17. August 2016

Einige Wochen musste ich mein Vorhaben, mit meinem Blog  „die Welt zu retten“, aus verschiedenen Gründen zurückstellen, darunter auch so angenehme wie Urlaub in relativ entlegenen Gegenden Nordeuropas. Dort versagte für einige Tage mein „mistneues“ Smartphone. Ich war praktisch von den Nachrichten und damit von meinen Dauerthemen abgeschnitten, aber auch von so profanen Dingen wie Telefonnummern, Adressen, PINs, von denen der moderne Mensch abhängig ist und das in einem Land, wo man mit Bargeld unter Geldwäsche-Verdacht steht, an Geldautomaten maximal 100 Euro pro Tag abheben und bei Busfahrern mit Barem kein Ticket lösen kann. Wenigstens gab es massenhaft Pfifferlinge, Blau- und Himbeeren in den Wäldern und reichlich Fische im Wasser, so daß das blanke Überleben gewährleistet war.

Eine gewisse Gereiztheit, die sich aber bald legte, waren meine einzigen Entzugserscheinungen, die ich mir als Medienjunkie selbst diagnostizierte. Danach war’s eigentlich ganz okay, wer hätte das gedacht?

Zurück und sich nach den üblichen Tagen der Nach-Urlaubs-Arbeiten unauffällig an den Rechner herangeschlichen stellte ich fest, daß die Welt und ihre Krisen und Konflikte auf mich gewartet haben!

Mir fehlen mindestens vier Wochen der täglichen (Des-)Informationsberieselung und ich kann deshalb in keiner Weise irgendwo mitreden und doch: Praktisch keine der seit Jahren drängenden Krisen, keiner der Konflikte in der Welt hat sich gelöst in meiner Abwesenheit, weshalb ich weiter gegen Windmühlenflügel ankämpfen muß. So hüpfe ich also zurück ins Laufrad des Medienzirkus und beteilige mich in alter Frische an der Suche der Sauerei des Tages. Macht euch also darauf gefasst da draussen, daß ich euch auch künftig mit meinem Kram behellige, Chance vertan, Welt!

Wer nun diesen Zeilen entnimmt, daß ich mich selbst nicht tierisch ernst nehme, der hat den ersten Schritt auf dem Weg zur Weisheit erfolgreich absolviert, weiter so!

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Warum Luxembourg die EU unbedingt in der Türkei sehen will!

22. November 2013

Der türkische Präsident Abdullah Gül forderte die EU dazu auf, in ihrem eigenen Interesse gefälligst das Verhandlungskapitel „Energie“ in den Beitrittsverhandlungen der EU zur Türkei zu eröffnen! Als – seiner Meinung nach – wichtigster Energie-Hub für die EU, sprich Durchleiter, möchte die Türkei schnellstens in die Troublemaker-Position der Ukraine gelangen und die Finger an den Absperrhahn bekommen.

Alles, was nicht durch Russlands Territorium gepumpt werden solle, müsse durch die Türkei geleitet werden, stellte Gül fest. Damit vereinnamt er auch gleich die neuen Funde im südöstlichen Mittelmeer, zwischen Zypern und Syrien, dem Libanon und Israel/Palästina. Es soll dort aber auch Überlegungen geben, Pipelines direkt durchs Meer über Zypern nach Griechenland zu legen, eine reine EU-Lösung also. Das wäre aber doof, denn dann wäre die Türkei außen vor!

Der Großherzog Henri von Luxembourg sprang als versierter Geopolitiker sofort auf diesen Zug und unterstützte Gül total:
„Die EU hänge von der Türkei ab“, erkannte Henri glasklar, „denn nur so könne sie ihre Abhängigkeit von der begrenzten Anzahl von Lieferanten reduzieren!“ Aha, so läuft das also: Das Gas kommt nicht irgendwo in Zentralasien, im Mittleren Osten oder im Mittelmeer aus der Erde, sondern aus dem Rohr aus der Türkei und der Strom kommt bekanntlich aus der Steckdose! Alles klar, Henri, das musste wirklich mal gesagt werden!

Aber die EU brauche die Türkei nicht nur in Energiefragen, sondern auch als politisches Schwergewicht in der internationalen Szene. Die Türkei sei eine Brücke für die EU zum Mittleren Osten, Kaukasien, Zentralasien und Nordafrika sowie nach Nord-, Mittel- und Südamerika, Japan, China, Neuseeland, Australien, Russland, Polynesien, Mikronesien und die beiden Pole nicht zu vergessen.

Die EU sei ohne die Türkei vollkommen hilflos und könne nicht ohne sie. Deshalb unterstütze Luxembourg die unermüdlichen Beitrittsbemühungen der EU zur Türkei.

Eine Frage blieb unbeantwortet. Welche Rolle, Bedeutung und damit Macht hat ein Durchleiter, Verzeihung ein „Energy-Hub“, solange er seine Finger vom Absperrhahn lässt?

Am Beispiel der Ukraine sehen wir die möglichen Konfliktpunkte:
Er will Geld für die Durchleitung. Er legt den Preis dafür fest. Er nutzt seine Position zwischen Energie-Erzeuger und Energie-Konsument aus. Er zweigt sich Energie ab. Er bezahlt seine Rechnungen nicht. Er nimmt notfalls die Endabnehmer als Geiseln, wenn er mit dem Energie-Erzeuger Streit hat.

Was hätte Europa also eigentlich gewonnen, wenn es die Ukraine durch die Türkei ersetzt?