Am Horizont zeichnet sich Krieg ab: Ist es zu spät, ihn aufzuhalten?

Ein übernommener Artikel von Paul Craig Roberts:

Eine Lehre aus der Militärgeschichte ist, dass sobald die Mobilisierung für den Krieg beginnt, diese eine Eigendynamik entwickelt und unkontrollierbar wird.
Das könnte sich unbemerkt vor unseren Augen abspielen.
In seiner Rede am 28. September zum 70-jährigen Bestehen der Vereinten Nationen erklärte der russische Präsident Vladimir Putin, dass Russland den gegenwärtigen Zustand der Welt nicht mehr länger tolerieren kann. Zwei Tage danach begann Russland auf Ersuchen der syrischen Regierung mit dem Krieg gegen ISIS.
Russland war schnell damit erfolgreich, Waffendepots von ISIS zu zerstören und der syrischen Armee zu helfen, Gewinne von ISIS zurückzuerobern. Russland zerstörte auch Tausende von Tanklastwagen, deren Inhalt der Finanzierung von ISIS diente, nämlich gestohlenes syrisches Erdöl, das in die Türkei transportiert wurde, wo es an die Familie des Gangsters verkauft wurde, der zur Zeit in der Türkei herrscht.
Washington wurde durch Russlands Entschlossenheit überrascht. Aus Angst, dass der schnelle Erfolg der entschlossenen Vorgangsweise Russlands Washingtons NATO-Vasallen davon abschrecken würde, Washingtons Krieg gegen Assad und Washingtons Gebrauch seines Hampelregimes in Kiew zur Ausübung von Druck auf Russland weiterhin zu unterstützen, arrangierte Washington den Abschuss eines russischen Kampfbombers durch die Türkei, ungeachtet des Abkommens zwischen Russland und der NATO, dass es keine Luftkämpfe im Bereich der russischen Luftoperation in Syrien geben wird.
Obwohl es jegliche Verantwortung bestritt, benutzte Washington Russlands zurückhaltende Reaktion auf diesen Angriff, für den sich die Türkei nicht entschuldigte, um Europa zu versichern, dass Russland ein Papiertiger ist. Die Medienhuren des Westens posaunten: „Russland ist ein Papiertiger.“ (z.B. im Wall Street Journal)
Die zurückhaltende Reaktion der russischen Regierung auf die Provokation wurde von Washington benutzt, um Europa zu beschwichtigen, dass kein Risiko besteht bei der weiteren Bedrängung Russlands im Mittleren Osten, in der Ukraine, in Georgien, Montenegro und anderswo. Washingtons Angriff auf Assads Militär wird benutzt, um den Glauben zu bestärken, der den europäischen Regierungen eingeimpft ist, nämlich dass Russlands verantwortungsvolles Verhalten zur Vermeidung von Krieg ein Zeichen von Angst und Schwäche ist.
Es ist nicht klar, in welchem Ausmaß die russische und die chinesische Regierung verstehen, dass ihre unabhängige Politik, neuerlich bekräftigt von den Präsidenten Russlands und Chinas am 28. September, von Washington als „existenzielle Bedrohung“ der Vorherrschaft der Vereinigten Staaten von Amerika betrachtet wird.
Die Grundlage der Außenpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika bildet die Verpflichtung zu verhindern, dass Mächte entstehen, die Washington in seiner Handlungsfreiheit einschränken können. Die Fähigkeit von Russland und China, das zu tun, macht sie beide zum Ziel.
Washington ist nicht gegen Terrorismus. Washington hat vorsätzlich seit vielen Jahren Terrorismus geschaffen. Terrorismus ist eine Waffe, die Washington einsetzen will, um Russland und China zu destabilisieren, und zwar über den Weg der muslimischen Minderheiten in Russland und China.
Washington benutzt Syrien, so wie es die Ukraine benutzt hat, um Russlands Unfähigkeit Europa gegenüber zu demonstrieren – und gegenüber China, da ein unfähiges Russland für China weniger attraktiv als Verbündeter ist.
Für Russland ist verantwortungsvolles Reagieren auf Provokation zu einer Belastung geworden, weil das weitere Provokation ermutigt.
In anderen Worten, Washington und die Leichtgläubigkeit seiner europäischen Vasallen haben die Menschheit in eine sehr gefährliche Lage gebracht, da die einzigen Wahlmöglichkeiten für Russland und China darin bestehen, entweder Amerikas Vasallen zu werden oder sich auf den Krieg vorzubereiten.
Putin verdient Respekt, weil er das menschliche Leben höher bewertet als Washington und dessen europäische Vasallen und militärische Reaktionen auf Provokationen vermeidet. Russland muss jedoch etwas unternehmen, um den NATO-Ländern klar zu machen, dass ihr Mitwirken bei Washingtons Aggression gegen Russland mit ernsten Kosten verbunden ist. Zum Beispiel könnte die russische Regierung beschließen, dass es keinen Sinn macht, Energie an europäische Länder zu verkaufen, die de facto Krieg gegen Russland führen. Angesichts des Winters könnte die russische Regierung erklären, dass Russland keine Energie an Mitgliedsländer der NATO verkauft. Russland würde das Geld verlieren, aber das ist billiger als die Souveränität zu verlieren oder ein Krieg.
Um den Konflikt in der Ukraine zu beenden oder auf eine Ebene zu treiben, die jenseits der Bereitschaft Europas liegt, sich daran zu beteiligen, könnte Russland die Ansuchen der abgespaltenen Provinzen akzeptieren, mit Russland wiedervereinigt zu werden. Um den Konflikt weiterzuführen, müsste die Ukraine Russland selbst angreifen.
Die russische Regierung hat sich auf verantwortungsbewusste, nicht provokante Reaktionen verlassen. Russland hat den diplomatischen Weg gewählt in der Erwartung, dass die europäischen Regierungen zur Einsicht gelangen und realisieren, dass ihre nationalen Interessen von denen Washingtons abweichen, und damit aufhören, Washingtons hegemoniale Politik zu ermöglichen. Russlands Politik ist gescheitert. Um es zu wiederholen, Russlands zurückhaltende, verantwortungsbewusste Reaktionen sind von Washington benutzt worden, um Russland als Papiertiger hinzustellen, vor dem niemand Angst zu haben braucht.
Wir stehen vor dem Paradoxon, dass Russlands Entschlossenheit, Krieg zu vermeiden, direkt in den Krieg führt.
Ob die russischen Medien, die Menschen Russlands und die Gesamtheit der russischen Regierung das verstehen oder nicht, für das russische Militär muss es offenkundig sein. Die russischen Militärführer brauchen nur die Zusammensetzung der Kräfte anzusehen, die von der NATO geschickt werden, um „ISIS zu bekämpfen.“ George Abert bemerkt, dass die amerikanischen, französischen und britischen Flugzeuge, die stationiert wurden, Kampfjets sind, die für Kämpfe in der Luft und nicht für Angriffe gegen Bodenziele geeignet sind. Die Kampfjets werden nicht eingesetzt, um ISIS auf dem Boden zu bekämpfen, sondern um die russischen Kampfbomber zu bedrohen, die ISIS auf dem Boden attackieren.
Es besteht kein Zweifel, dass Washington die Welt dem Armageddon entgegentreibt, und Europa ist der Wegbereiter. Washingtons gekaufte und bezahlte Marionetten in Deutschland, Frankreich und im Vereinigten Königreich sind entweder dumm, gleichgültig oder zu kraftlos, um Washingtons Griff zu entkommen. Wenn Russland Europa nicht aufwecken kann, dann ist Krieg vorprogrammiert.
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erschienen am 7. Dezember 2015 auf Paul Craig Roberts Website
http://www.paulcraigroberts.org/2015/12/07/war-is-on-the-horizon-is-it-too-late-to-stop-it-paul-craig-roberts/

Die Weiterverbreitung der Texte auf dieser Website ist durchaus erwünscht. In diesem Fall bitte die Angabe der Webadresse www.antikrieg.com nicht zu vergessen!

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One Response to Am Horizont zeichnet sich Krieg ab: Ist es zu spät, ihn aufzuhalten?

  1. almabu sagt:

    In diesem Kontext einen Artikel von voltairenet, der die äußerst schwache juristische Rechtfertigung der westlichen Luftangriffe auf Syrien thematisiert, die eben NICHT durch handfeste UN-Resolutionen legitimiert sind, so sehr man sich auch um diesem Anschein bemüht:
    http://www.voltairenet.org/article189558.html

    Gefällt mir

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