Erst Fillon, dann Sarkozy und jetzt Macron: Macht da wer Marine Le Pen den Weg frei, oder wer rettet Frankreich vor der Front National?

7. Februar 2017

Meine allerletzte Verschwörungstheorie: Marine Le Pen wird wohl den Ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen am 23. April gewinnen. Da sind sich alle Umfragen ziemlich sicher und das wäre für sich schon schlimm genug, aber:

Bisher herrschte eigentlich so ziemlich Konsens darüber, daß sie im Zweiten  Wahlgang, am 7. Mai, in der Stichwahl einem Retter Frankreichs unterliegen würde (natürlich nicht bildlich zu verstehen!).

Das war bisher François Fillon, der konservativ-katholische Kandidat von den Le Republicains, bis er in den Umfragen nach „Penelopegate“ abschmierte, dem Skandal seine Frau und Kinder als parlamentarische Mitarbeiter auf Staatskosten beschäftigt und so in acht Jahren eine runde Million Euro abgegriffen zu haben. Er hat sich zwar inzwischen entschuldigt, aber verboten sei dies nicht gewesen und sie hätten ihm wirklich sehr geholfen! Fillon schien also raus, obwohl er bisher nicht das Handtuch warf!

Dann stürzte sich alle Welt auf den neoliberalen Ex-Banker Emmanuel Macron, den jugendlichen Dynamiker, verheiratet mit seiner ehemaligen Lateinlehrerin (wichtig!), der als parteiloser Quereinsteiger Wirtschaftsminister unter Präsident Hollande war als neue Hoffnung der Franzosen, sie vor Marine Le Pen zu retten. Jetzt musste der also „abgeschossen“ werden und das wurde auch unverzüglich versucht, doch Macron ging direkt in die Offensive. Mal sehen, ob erfolgreich?

Macron kam als Überraschungsgast in ein Meeting seiner Gruppierung „En Marche!“ im Theater Bobino in Paris, wo er zwar etwas nervös seine Hände wringend wie mir scheint, aber nicht unwitzig eine Art von Dementi ablegte zu Gerüchten die angeblich seit Monaten in Paris die Runde machten: Nein, er sei nicht schwul und er führe kein heimliches Doppelleben mit Matthieu Gallet, dem Präsidenten von Radio France! Er würde auch nicht dafür bezahlt (kleine Anspielung auf Fillon!) und es müsse ein Hologramm, ein Doppelgänger sein, denn seine Tage und Nächte verbringe er mit seiner Latein.. äh, mit seiner Gattin!

Mal schauen, wie die Franzosen auf dieses Dementi in den nächsten Tagen reagieren werden. Möglicherweise wird also auch er die Franzosen nicht vor Marine Le Pen retten dürfen und dann wird es wirklich eng für den Zweiten Wahlgang.

Bei den Sozialisten kann man sich den eher farblosen Linken Benoit Hamon wohl selbst nicht so recht als Retter vor der Front National vorstellen?

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Als „Ersatz“ für Fillon kämen die in den Vorwahlen gegen ihn unterlegenen Alain Juppé und Nicolas Sarkozy in Betracht. Der Erste hält sich bedeckt, er will kein Plan-B-Kandidat sein und gegen den Zweiten, gegen Sarkozy hat ein Richter ein Verfahren wegen illegaler Überschreitung der staatlich auf maximal 22 Millionen €uro gedeckelten Wahlkampfkosten eingeleitet. Diese waren von seiner Bewegung UMP in einem komplizierten System  versteckt worden. Libysche Geheimdienstler behaupten außerdem, daß er dabei mehrere Millionen von Diktator Ghaddafi kassiert habe, dessen gewaltsames Lebensende er deshalb besonders eifrig herbeizuführen trachtete…


Was für ein weiterer, glücklicher, genau passender Zufall für Emmanuel Macron!

4. Februar 2017

Der Kandidat ohne Partei im Rücken, dem es auf wundersame Weise gelang vom parteilosen Banker direkt ins Amt des Wirtschaftsministers einer sogenannten „sozialistischen Regierung“ zu hüpfen, aus dem er dann rechtzeitig wieder einem Frosch gleich hinaus hüpfte, um von den Pannen und Pleiten der Hollande/Valls-Regierung nicht betroffen zu sein, hat heute in Lyon (ja genau da, wo die sagenhafte Wurst herkommt) vor gut gemeinten 8.000 Teilnehmern drinnen im Sportpalast und weiteren 8.000 Unterstützern oder Gegnern (?) davor, seinen Wahlkampf eröffnet.

Ganz schön mutig von ihm, denn die Rivalen Marine Le Pen von der Rechten FN und Jean-Luc Mélenchon von den Wirklich Ganz Toll Linken, WGTL haben gleichzeitig in Lyon (ihr wisst, wo diese geile Wurst herkommt) IHRE Truppen versammelt, herbeigerufen, oder was auch immer…

Ist das nicht ein toller, extremer, genau passend kommender Zufall? Die Franzosen haben ihren Totalausfall Hollande und seinen Executor Valls satt! Die Fresse von Sarkozy konnten sie ja auch nicht mehr sehen.  Der konservative, betont katholische Fillon hat sich mit seinem Familienbetrieb, Vater, Mutter, Kinder zapften über die Jahre öffentliche Mittel im Millionenbereich ab und wollen gleichzeitig antreten die Dinge in Frankreich zu ändern, wohl endgültig ins politische Nirvana verabschiedet? Da käme doch eigentlich die furchtbare, seit Jahren verpönte, ultrarechte EU-Feindin Marine Le Pen zum Zuge?

Doch LA BELLE FRANCE, in höchster Not, kommt genau passend ein Retter entgegen. Er ist jung, attraktiv, macht seit Jahren legal mit seiner ehemaligen Lateinlehrerin herum und ihm fehlt jeder Stallgeruch der üblichen politischen Verdächtigen!

Er ist ein neoliberaler Ex-Banker (war es nicht GOLDMAN SACHS?) und hat keines der üblichen Parteiprogramme, Hauptsache die Wirtschaft brummt…

Wenn Präsident Mitterand am Ende seiner Amtszeit kein Linker mehr war, sondern EIN FRANZOSE und Präsident Jacques Chirac kein Rechter mehr, sondern EIN FRANZOSE, dann fängt „Junior“ der kleine Macron, gleich vom Start weg so an: ICH BIN EIN (scheiss-neoliberaler) FRANZOSE, alles klar?

Der Typ also entgegnet den üblichen „wir werden gewinnen“, „Macron Präsident“ Schreiern mit den ernüchternden Worten „wir haben 78 Tage“!


Hollandes Erbe: Franzosen sehen neoliberale Zukunft mit Emmanuel Macron!

30. Januar 2017

Nach einer aktuellen Umfrage von Kantar Sofres-One Point für den Le Figaro, RTL und LCI interessieren sich 20% der Franzosen überhaupt nicht mehr für die anstehenden Präsidentschaftswahlen. 80% sind hingegen interessiert, davon die Hälfte sehr.

Im ersten Wahlgang läge Marine Le Pen von der Rechtsradikalen FN noch an der Spitze mit 25%, gefolgt vom Konservativen François Fillon mit 22% und dem neoliberalen Emmanuel Macron mit 21%. Der gestrige Sieger der „Vorwahl der Linken“ käme abgeschlagen mit 15% auf den vierten Rang und spielte keine Rolle mehr…

Beim geschätzten Potential der Kandidaten für den ersten Wahlgang liegen Macron mit 43%, Fillon mit 36% , Hamon mit 35% vor Le Pen mit 33%. Alle relativ eng beieinander also.

Im zweiten Wahlgang aber hätte Marine Le Pen dann keine Chance mehr gegen alle möglichen Gegenkandidaten. Gegen Fillon verlöre sie mit 40% zu 60%. Gegen Macron gar mit 35% zu 65%!  Träte hingegen Macron gegen den konservativen Fillon an, käme der neoliberale Macron gar auf 58% zu 42%

Der neoliberale Schönling würde also in jedem denkbaren Fall gewinnen, erreichte er einmal den zweiten Wahlgang! Gefragt, welchem Kandidaten sie eine präsidiale Figur, Persönlichkeit zutrauten lag Macron zwar auch mit 45% Zustimmung an der Spitze der Kandidaten, KEINEM gelang es jedoch über die 50%-Hürde der Zustimmung zu gelangen!

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http://www.lefigaro.fr/elections/presidentielles/2017/01/29/35003-20170129ARTFIG00201-presidentielle-fillon-et-macron-au-coude-a-coude-le-pen-en-tete.php


Alles neu, macht der Mai: Es ist Benoît Hamon! Frankreichs Sozialisten erfinden sich neu.

29. Januar 2017

Im zweiten Wahlgang der Vorwahl der französischen Linken, genauer gesagt der Sozialistischen Partei, standen zwei Männer zur Auswahl. Der eine, Manuell Valls, hat die unseligen Hollande-Jahre als Minister und Premierminister entscheidend mitzuverantworten, exekutierte eine rechte Politik und war bei jeder unsozialen Schweinerei dabei. Sein Ehrgeiz zwang ihn dazu selbst anzutreten obwohl er nur das anzubieten hat, was die Franzosen schon in den letzten Jahren zunehmend ablehnten. Vielleicht tue ich ihm Unrecht, aber viel Verdienstvolles, mit dem er für sich werben könnte, kann ich nicht erkennen?

Der Andere, Benoît Hamon, gewann die offenen Vorwahlen mit 58% der abgegebenen Stimmen. Er gewann, weil er eben nicht der von persönlichem Ehrgeiz zerfressene Manuel Valls war, das genügte den Franzosen. Harmon spielte auf die alten sozialistischen Träume, Reizworte und Reflexe an und die Franzosen, die sich an der Vorwahl beteiligten, belohnten ihn dafür mit dem Sieg.

Zwei Dinge nur kurz am Rande: Die „Vorwahlen der LInken“ sind nur die der PS. Alle anderen linken Parteien und Gruppierungen kommen darin nicht vor. Insofern eine glatte Mogelpackung, also!

Bei diesen Vorwahl kann jeder mitwählen der Lust oder einen Plan hat. Man kann sogar zunächst einen späteren sicheren Wahlverlierer aufs Schild heben und zum Kandidaten küren, nur um ihn dann später, „bei der echten Wahl“, zum im voraus kalkulierten Loser zu machen. Es konnten ihn also echte, überzeugte Sozialisten, oder deren echte, überzeugte politische Gegner aus taktischen Gründen wählen, pikant nicht?

Die PS scheint total in Euphorie geraten zu sein? Das musste sie auch, denn sie schien bereits klinisch tot. Jetzt geht sie also in einen Wahlkampf in dem sie sich von ihrem Totalausfall-Präsidenten François Hollande und seinem Premierminister Manuel Valls weitestgehend distanzieren muß.
Alles neu, macht der Mai?


Das globale Dorf in Europa!

16. Januar 2017

Wer ist dieser Vielvölker-Cocktail?
Man nehme:

290.000 Algerier
242.000 Portugiesen
228.000 Marokkaner
110.000 Tunesier
080.500 aus Guadeloupe
077.000 aus Martinique
069.000 Türken
062.000 Chinesen
055.500 aus Mali
055.000 aus Bella Italia
049.000 von der Elfenbeinküste
047.000 aus dem Senegal
047.000 Spanier
043.000 Kongolesen
040.000 Polen

Kleinere Mengen von Migranten, z.B. ein mittleres deutsches Dorf, ein britisches Village, werden hier nicht extra aufgeführt…

Frage:
Was ist das? Selbst für die hochgelobte internationale Multi-Kulti-Metropole München sind das ein paar globale Köpfe zuviel.

Antwort:
Wenn man zu den o.g. rund 1,5 Mio Menschen aus aller Welt noch 7,5 Mio Franzosen dazu zählt, dann entspricht die Mischung in der Summe dem Zensus von Île-de-France, der Großregion Paris des Jahres 2012. Hätten Sie’s gewußt?

Inzwischen sind noch ein paar Millionen dazu gekommen. Für 2014 wird die Einwohnerzahl bereits mit 12 Millionen angegeben, ein Zuwachs von 2 Millionen in zwei Jahren.

2006: 35%, jeder Dritte Einwohner des Großraums Paris, war entweder selbst migriert (17%) oder hatte mindestens ein Elternteil (18%), das nicht in Frankreich geboren war. Die Zahlen sind zehn Jahre alt, die Aktualität wird vermutlich entsprechend höhere Werte aufweisen?

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https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%8Ele-de-France


Wird der Ausnahmezustand zum Normalzustand in Frankreich?

11. Dezember 2016

Zu früh gefreut! Nach dem Rücktritt der Regierung Manuel Valls musste automatisch der seit den Anschlägen von Paris vor über einem Jahr geltende Ausnahmezustand in Frankreich binnen 15 Tagen beendet werden. Ich sah die Franzosen schon „im Normalzustand“ Weihnachten feiern…

„Der Neue“, Valls-Nachfolger im Amte des Premierministers, Bernard Cazeneuve hatte nichts Besseres zu tun, als das Parlament in der kommenden Woche darum zu bitten, diesen Ausnahmezustand um sieben Monate, bis zum 15. Juil 2017, zu verlängern. Dann wäre der kommende Nationalfeiertag gerade noch Terror-geschützt.

Wenn ich das recht sehe, dann wäre dies jetzt die 5.(?) Verlängerung des Ausnahmezustandes und laut Cazeneuve „absolut notwendig“, wohl weil er glaubt, daß Frankreich ohne diesen einfach nicht mehr existieren könnte?

Aber kann Frankreich eigentlich unter der akuten Terrorgefahr überhaupt freie, demokratische Wahlen abhalten im Mai 2017? Wäre es da nicht besser und einfacher, der ungeliebte, aber umso pflichtversessenere Herr über Recht und Ordnung, die Polizei, das Militär, die Geheimdienste und die Force de Frappe, François Hollande sagte die Wahlen aus Sicherheitsgründen einfach ab und hängt noch mal fünf Jahre dran? Zumal da ja auch noch dieser Putin gedopt und hinterlistig in den Wahlen „herumhackt“ und Marine Le Pen zum französischen Trump-Pendant von seinen Gnaden küren will? (Ironie aus!)
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François Hollande dürfte der mächtigste Präsident in Europa sein und seine Machtfülle gilt als heimliches Vorbild für die Verfassungsänderungsversuche des Türkensultans Erdogan…


Valls letzte Stunde als Premierminister! Der Countdown läuft…

5. Dezember 2016

Heute Abend um 18:30 Uhr wird nun endgültig mit der offiziellen Erklärung von Manuel Valls gerechnet für die Präsidentschaftswahlen 2017 und damit zuvor für die Vorwahlen der PS zu kandidieren! Der in Barcelona geborene Valls ist Sohn eines katalanischen, also spanischen Vaters und einer Schweizer Mutter. Er nahm erst mit 18 Jahren die französische Staatsangehörigkeit an, obwohl er in Frankreich aufwuchs. Er könnte somit theoretisch also drei Pässe besitzen, neben dem Französischen, den Spanischen und den Schweizer Pass. Genaueres ist mir darüber nicht bekannt. Ich denke, daß er aber spätestens als amtierender Französischer Präsident die beiden anderen Staatsangehörigkeiten ablegen müsste?

Valls ist momentan wohl zum letzten planmäßigen „Montagsfrühstück“ mit seinem Präsidenten Hollande verabredet, das kurzfristig auf den frühen Nachmittag verschoben worden war. Bei einem „Off“-Gespräch mit der Liberation hatte Valls seine Beziehung zu Hollande am Samstag wie folgt charakterisiert: „Ich respektiere ihn nicht und unterstütze ihn nicht mehr!“ Das war möglicherweise eine Retourkutsche über Aussagen von Hollande in dem Skandalbuch „Ein Präsident sagt so etwas nicht!“ das gegenwärtig für Aufregung sorgt. Insider behaupten, der Präsident und sein Premier würden sich schon seit zwei Jahren reglos wie zwei Porzellanhunde misstrauisch belauern!

Manuel Valls steht vor einer Reihe von grundsätzlichen Problemen:
Er war fast tausend Tage Premierminister unter Hollande (und liegt damit ziemlich genau im Mittelfeld des Dienstalters aller Premiers der Französischen Nachkriegszeit, der Fünften Republik. Sein Nachfolger jedoch steht mit rund 150 Tagen aber schon jetzt als der am Kürzesten amtierende Premier der Nachkriegszeit fest) und kann sich schon deshalb jetzt schwerlich von dessen, von ihm exekutierten, Politik der letzten drei Jahre distanzieren?

Valls steht eher klar Rechts von Hollande. Er dürfte für den linken Flügel der PS unwählbar sein und für die Mitte zumindest ein schwerverdaulicher Happen? Die Rechte der PS ist aber für einen Wahlsieg zu klein. Valls muss es also vor den Vorwahlen gelingen sich die Unterstützung der Parteiflügel und ihrer Vorderleute zu sichern, sonst hat er keine Chance, die Vorwahlen zu überstehen, was er aber wohl mit Deals absichern dürfte?

Sein für die nächsten Stunden erwarteter Rücktritt hat übrigens einen erheblichen Nebeneffekt. Das Gesetz verlangt, daß nach dem Rücktritt einer Regierung (wenn ein Premierminister abtritt, dann stets mit seiner gesamten Regierung) der sich seit einem Jahr in Kraft befindliche Ausnahmezustand in Frankreich binnen maximal 15 Tagen beendet werden muss, dass die Franzosen also Weihnachten unter Normalbedingungen feiern könnten!
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http://www.lefigaro.fr/elections/presidentielles/primaires-gauche/2016/12/05/35005-20161205LIVWWW00186-manuel-valls-primaire-gauche-presidentielle-candidat-2017.php